In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Verhütungstipps für Yoginis: Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedene Methoden, und wie äußern sich Ayurveda-Experten?

 

Yoga führt uns zur Verbundenheit. Wir nehmen Kontakt auf – zu unserer göttlichen Natur und inneren Weisheit. Schon nach wenigen Wochen der regelmäßigen Praxis begegnen wir uns selbst mit größerer Achtsamkeit. Ein erhöhtes Körperbewusstsein lässt uns aufmerksam dafür werden, wie wir uns bewegen, was wir essen, womit wir uns pflegen. Das Wunder unserer Existenz erschließt sich uns. Nach und nach dürfen wir die Vorstellung loslassen, dass unser Körper anders sein sollte, als er ist. Irgendwann erkennen wir, dass wir nicht perfekt werden müssen – weil wir es längst sind.

Während der Praxis erspüren wir unser Eingebettetsein in ein größeres Ganzes. Dazu gehört auch, dass wir besser verstehen, dass unsere eigenen Rhythmen in Zusammenhang mit den Wellenbewegungen des Universums stehen. Häufig lernen Frauen so, ihre Weiblichkeit neu zu würdigen. Dieses Erkennen und Verstehen löst in mancher Yogini den Wunsch aus, ihren natürlichen Zyklus als Quelle ihrer Kraft zu nutzen und zu achten. Auch in der Yogapraxis können wir uns mit den Wellen bewegen und ihre jeweilige Qualität wertschätzen. Vor dem Eisprung fühlen sich viele Frauen in ihrer Kraft, die Energie ist tendenziell nach außen gerichtet. In der zweiten Hälfte des Zyklus haben sie eher das Bedürfnis, sich zurückzuziehen und den Blick nach innen zu richten. „Ich bin überzeugt davon, dass unsere Antennen während der Menstruation besonders fein sind“, so Dr. Birgit Lühr, Ärztin, Hormonspezialistin, TCM-Expertin und Yogini aus Hagen. „In der indigenen Kultur Nordamerikas etwa gehen Frauen deshalb nicht auf Vision-Suche wie die Männer: Weil sie durch ihre Menstruation eine erweiterte Wahrnehmung und einen direkten Zugang zu ihrer spirituellen Kraft haben.“

Wird in den fein abgestimmten Rhythmus des weiblichen Körpers mit hormonellen Verhütungsmitteln eingegriffen, wird dieses In-Kontakt-Kommen erschwert: Das seelische Empfinden verändert sich, die Verbindung zur Intuition kann gestört werden. „Ich persönlich glaube, dass Hormone Gefühlsträger sind“, sagt Dr. Lühr. „Sie haben auch in kleinster Menge einen Effekt auf unsere Emotionen. Die gleichbleibende Dosis einer Pille kann Zyklusunregelmäßigkeiten verbessern – allerdings werden auch natürliche emotionale Schwankungen gleich geschaltet. Das kann dazu führen, dass z.B. lustvolle Impulse fehlen.“ Die künstlich herbeigeführte Hormonentzugsblutung kann mit der Menstruation nicht verglichen werden: „Die natürliche Regelblutung ist eine Zeit des Loslassens und der Transformation, in der sich auch vieles auf Seelenebene lösen und wandeln darf,“ erklärt Dr. Lühr. „Bei der Hormonentzugsblutung finden völlig andere Prozesse statt.“

Verhütung aus Sicht des Ayurveda

Auch im Ayurveda wird die Regelblutung als Reinigungsprozess verstanden, bei dem mittels Vata angesammeltes Pitta und Kapha ausgeleitet wird. Pille & Co. dagegen erhöhen Pitta- und Kapha-Dosha, vermehren vor allem Rajas, aber auch Tamas. „Aus Sicht des Ayurveda ist von hormoneller Verhütung eher abzuraten“, urteilt daher Ayurveda-Expertin Irene Rhyner. Auch auf die spirituelle Praxis kann sich eine Hormongabe auswirken. „Wenn sich Pitta und Rajas vermehren, kann dies zu einer ekstatischen, aber auch sehr dogmatischen Spiritualität führen“, gibt Rhyner zu bedenken. „Andererseits kann sich durch die Erhöhung von Kapha und Tamas auch Trägheit breitmachen, was die Freude an der Spiritualität, aber auch am Leben insgesamt verringern kann.“ Traditionell gibt es im Ayurveda nur eine sichere Verhütungsmethode: Enthaltsamkeit. Irene Rhyner empfiehlt ihren Klientinnen aber auch Kondome, Diaphragmen und Zykluscomputer. Auch die ayurvedische Heilpflanze Neem wird immer wieder als natürliches Verhütungsmittel empfohlen. Irene Rhyner ist diesbezüglich skeptisch: „Generell schränken bittere, zusammenziehende und herbe Nahrungsmittel und Kräuter die Fruchtbarkeit ein. Verlassen würde ich mich darauf aber nicht.“

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Alternativen zu hormonellen Verhütungsmitteln

Welche guten Alternativen gibt es also zu Pille, Hormonspirale und -pflaster? Bereits erwähnt wurden mechanische Hilfsmittel wie Kondome, Diaphragma und Portiokappe. Alle drei bilden eine Barriere, die verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Diaphragmen und Portiokappen werden individuell an den Körper einer Frau angepasst. Ihr Vorteil ist, dass sie nur dann zum Einsatz kommen, wenn es wirklich notwendig ist. Heide Fischer, Ärztin und Expertin für ganzheitliche Frauenheilkunde in Freiburg, empfiehlt genau deshalb ihren Klientinnen Barrieremethoden: „Aus meiner Sicht ist es fragwürdig, Frauen dauerhaft ein hochpotentes Medikament zu verabreichen, wenn sie es ohnehin nur punktuell brauchen“, erklärt sie. „Zudem mache ich die Erfahrung, dass „dauerverhütende“ Frauen eher dazu neigen, sich den Bedürfnissen des Partners anzupassen. Dabei sind die sexuellen Gelüste einer Frau ja wechselnd: Mal wünschen sie sich zärtliches Kuscheln – ein andermal mögen sie es wild. Ich möchte dazu ermutigen, das auch selbstbewusst auszudrücken und zu einer kooperativen Verhütungsmethode zu finden.“ Das Argument, dass ein Diaphragma störendes „Gefummel“ erfordert, wenn man eigentlich schon zur Sache kommen möchte, will Heide Fischer entkräften: „Mit etwas Erfahrung sitzt es innerhalb von Sekunden am richtigen Platz.“

Ein Verhütungsmittel, das in Deutschland noch eher unbekannt ist, in Ländern wie Belgien oder Holland schon viele Fans hat, ist die GyneFix-Kupferkette. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der – ebenfalls hormonfreien – Kupferspirale. Die Kette besteht aus vier oder sechs Kupferelementen, die auf einem Faden aufgereiht sind, der in der Muskulatur der Gebärmutterwand verankert wird. Sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie ihre Vorgängerin, die Kupferspirale: Durch die Abgabe von Kupferionen wird die Bewegungsfähigkeit der Spermien stark eingeschränkt. Die Gebärmutterschleimhaut reagiert auf den Fremdkörper mit der Freisetzung von Leukozyten und Prostaglandinen, die sich ebenfalls hinderlich auf die Spermienbewegungen auswirken. Im Gegensatz zur Kupferspirale verursacht sie keine Verstärkung der Regelblutung. Wichtig ist allerdings, sich für das Einsetzen eine erfahrene, speziell geschulte Gynäkologin zu suchen.

 

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2 Kommentare

  1. Hallo, in dem Artikel habe ich die NFP-Methode (natürliche Familienplanung) vermisst. Diese basiert auf der Wahrnehmung der Körperveränderungen im Zyklusverlauf wie z.B. der Basaltemperatur. Und sie lässt sich einfach auswerten per Zyklusblatt oder APP. Die Sicherheit der Methode ist bei genauer und sorgfältiger Beobachtung- was für Yoginis nicht schwer sein dürfte – hoch.