Heilpflanze des Jahres 2010: die Gewürznelke ist ein beliebtes Gewürz und Heilmittel Lebkuchen, Kompott aus Backobst, Rotkohl / Blaukraut, Worchestersauce, Currygewürzmischung, Chutney, Yogitee, Kräuter- und Bitterlikör – all dies wäre nicht so vieldimensional würzig und köstlich, wenn das Aroma der Gewürznelke fehlte. Die noch nicht entfaltete, getrocknete Blütenknospe eines tropischen Baumes hat heute in jeder auch nur einigermaßen gut sortierten Küche ihren Platz. Besonders gern wandert sie während der kälteren Zeit des Jahres in den Kochtopf, denn sie besitzt leicht wärmende Eigenschaften. Doch ursprünglich wurde sie nicht als Gewürz, sondern zu medizinischen Zwecken genutzt. Schon 1600 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung beschrieb sie der Ayurvedalehrer Bhavamishra, und er wies dabei auf ihre außerordentlich vielseitigen therapeutischen Verwendungsmöglichkeiten hin. Dass die Gewürznelke zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt wurde, lenkt die Aufmerksamkeit auf diesen interessanten Bereich. Den Christen galt die Nelke als göttliches Heilmittel, denn sie sahen die nagelartige Form als Symbol für die Kreuzigung Jesu an. Der Name „Nelke“ leitet sich tatsächlich von Näglein her. Auf Lateinisch heißt sie Syzygium aromaticum. Der schlanke, immergrüne Baum, der bis zu 20 Meter groß werden kann, gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Er wuchs ursprünglich auf nur fünf Inseln der Nordmolukken, die heute zu Indonesien gehören. Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23/24 bis 79 n. Chr.) erwähnte wahrscheinlich als erster Europäer die Nelke in seiner umfangreichen „Naturgeschichte“. Das heißt: schon zu seiner Zeit existierte ein Gewürzhandel, der  den halben Globus umfasste. Ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. ist sie auch bei uns in Mitteleuropa nachgewiesen. Hildegard von Bingen empfahl sie, einfach nur gekaut, gegen Gicht, Wassersucht und Kopfschmerzen. Während der Cholera- und Pestepidemien versuchten die Menschen, sich durch das Kauen von Nelken und das Tragen von aufgefädelten „Näglein“ vor Ansteckung zu schützen. Der französische „vinaigre des quatre voleurs“ („Essig der vier Diebe“), enthielt […]

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