Wie der Yoga in den Westen kam und zu dem wurde, was er nie sein wollte…Es gab eine Zeit, in der hing das Ansehen eines Yogalehrers von dessen spirituellen Wissen ab. Sein Wissen wurde vor allem an der Tiefe seiner Erleuchtungserfahrungen gemessen. Ein Yogalehrer diente als Vorbild, in seiner Fähigkeit, sich immer mehr von äußerlichen Abhängigkeiten zu befreien und mehr und mehr eins zu werden mit seiner ureigenen, ihm innewohnenden Essenz. Dies hatte nicht selten Bescheidenheit und Demut zur Folge. Doch diese Zeit ist lange her und das Land, in dem Yoga in erster Linie als eine jahrtausendalte spirituelle Tradition betrachtet wurde, ist weit weg. Aber in der Zwischenzeit hat Yoga den Westen erobert und ist zu dem geworden, was er nie sein wollte: Ein blühender Industriezweig, ein Markt der Eitelkeiten und eine lukrative Einnahmequelle für fuchsschlaue Köpfe, die sich Yoga zu eigen machen und es mit Zertifikaten und Trademarks versehen. Betrachtet man den westlichen Yogamarkt, kann den wirklich spirituell Interessierten Wehmut überkommen. Hat Yoga, so wie er hier betrieben wird, überhaupt noch etwas mit Spiritualität zu tun? Mit Abstand betrachtet nicht viel. Ob ein Yogalehrer spirituelle Erfahrungen gemacht hat, die sein Bewusstsein transformiert haben, spielt oft keine Rolle mehr. Ob er über viele Jahre praktiziert und sich in der Tiefe mit sich selbst, seinen Licht- und Schattenseiten auseinandergesetzt hat, ist ebenfalls unwichtig geworden. Viel wichtiger ist die Anzahl der Schüler, die ein Studio im Verlauf eines Monats verzeichnen kann, viel wichtiger die Anzahl der Konferenzen, zu denen man geladen wird, und viel wichtiger sind die Verkaufszahlen der Bücher und der Grad an Bekanntheit, den ein Yogalehrer heute erlangt. Heute zählt nicht mehr das weise Strahlen in den Augen des Yogalehrers, sondern heute sind es der Marmor in der Yogahalle oder die Größe des Yogastudios, die Eindruck machen. Bescheidenheit und […]

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Doris Iding
Doris leitet Seminare, Fort- und Ausbildungen zum Thema Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Nach dem Motto „Alles was ist, darf sein. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern immer nur die eigene subjektive Erfahrung des gegenwärtigen Moments“ ist es ihr sowohl in ihren Kursen als auch in ihren Artikeln und Büchern ein großes Anliegen, den Menschen zu vermitteln, dass es in der Praxis um Selbsterkenntnis geht, nicht aber um Selbstoptimierung. Begegnen wir uns also mit viel Selbstmitgefühl, Wohlwollen und Geduld, wird das Leben leichter und die Achtsamkeits- und Meditationspraxis erfüllender. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.