Jenseits von Salbei, Palo Santo und Weihrauch – warum auch Räucherstoffe, die von den meisten Menschen nicht per se als wohlriechend empfunden werden, durchaus für Räucherungen Verwendung finden.
Manche Räucherstoffe werfen zunächst mehr Fragen auf, als sie Antworten geben – insbesondere, wenn man sich fragt, wie Menschen in der Vergangenheit auf die Idee kamen, genau diese Substanzen zu räuchern. Ich denke beispielsweise an die so genannten Räucherklauen, deren Aroma an verbranntes Horn erinnert, oder an die knoblauch- und zwiebelähnlich riechenden und scharf in der Nase stechenden Harze verschiedener Doldenblütler. Selbst fossiler Bernstein kann beim Räuchern zur olfaktorischen Herausforderung werden. Und dann gibt es noch Hyraceum – die versteinerten Exkremente des Klippschliefers –, dessen Duft selbst bei wohlwollender Beschreibung unweigerlich an ein Wildgehege erinnert. Doch ganz sicher hätten die soeben exemplarisch aufgeführten Duft- und Räucherstoffe nicht eine über viele Jahrhunderte zurückreichende Anwendungsgeschichte, wenn sie ausschließlich unangenehm stinken würden. Nicht von ungefähr kommt es, dass der Umgang mit Duft- und Räucherwerk auch als „Kunst" bezeichnet wird, da es oftmals eben viel mehr ist, als wahllos irgendwelche getrockneten Naturmaterialien auf glühende Kohlestücke zu legen. Denn natürlich geht es in der Räucherpraxis auch um das Wissen über duft- und wirkspezifische Synergien sowie um die richtigen Dosierungen.