Wieso das alte spirituelle System so gut in die Gegenwart passt und die Basis des heute praktizierten Yoga darstellt.
Tantra ist hip. Wir sehen das Wort auf den Titelseiten populärer Zeitschriften und Bücher, oft mit suggestiven Andeutungen von sexuellen Erfahrungen der Superlative.
Tantra ist aber auch verwirrend: Was hat der Dalai Lama, der für sich in Anspruch nimmt, in einer tibetisch-tantrischen Tradition verwurzelt zu sein, mit einem Neo-Tantra-Workshop auf Bali zu tun? Und wie hängt das alles mit den eher fortgeschritten anmutenden mystisch-spirituell-somatischen Körpererfahrungen zusammen, die immer öfter in Yoga-Sitzungen angeleitet werden – in denen sich weite Räume im Kopf, im Herzen oder im Bauch öffnen und eine geheimnisvolle Kraft namens kuṇḍalinī den Körper wie magisch aufrichtet? Und dann ist da die Magie eines Mantras, wir begegnen Śiva und Śakti in ihrem ewigen Spiel – all das sind mögliche Eingänge hinein in das klassische Tantra: Ein ausgeklügeltes Gesamtsystem aus Übungen und eine Weltsicht, die darauf ausgerichtet ist, uns dauerhaft von Unwissenheit und (mental kons-
truiertem) Leiden zu befreien. Im Gegensatz zu manchen weltentsagenden fernöstlichen Gedanken passt Tantra aufgrund seiner radikalen Inklusion, dem unbedingten „Ja“ zu all dem, was ist, so hervorragend auch in unsere Zeit.
Wir sehen: Tantra ist vieles, und es ist auch a