Nahrungsaufnahme gehört zu unseren elementarsten Bedürfnissen. In welche Seinsbereiche dieses Bedürfnis jedoch hineinreicht, welche spirituelle Dimension die Ernährung umfasst, das ist den allerwenigsten bewusst

Wären sich mehr Menschen darüber im Klaren, dass Essen nicht nur dem Erhalt des Körpers und der Befriedigung von Gelüsten dient, wären Essgewohnheiten zwischen unachtsamem, wahllosem In-sich-Hineinschaufeln und genussvoller, aber nicht weniger unachtsamer Völlerei vielleicht nicht so verbreitet.

Über die essentielle Bedeutung der Nahrung in all ihren Aspekten und darüber, wie man richtig isst, kann man viel aus den Reden des gnostischen Meisters Omraam Mikhaël Aïvanhov lernen. Der aus Bulgarien stammende Philosoph und Pädagoge verbreitete seine Lehre im Rahmen der von seinem Meister Peter Deunov gegründeten und von ihm fortgeführten Weißen Bruderschaft, einer in der kabbalistisch-christlichen Tradition fußenden, aber für Menschen jeglicher Herkunft offen stehenden Gemeinschaft. Eine zentrale Stellung in dieser Lehre nimmt die Sonne ein, und Svami Nityananda (Lehrer von Svami Muktananda) erkannte in Aïvanhov die Reinkarnation eines Sonnen-Rishis aus der Entstehungszeit der Veden.

Wenn es bei Aïvanhov um die Frage richtigen Essens geht, steht  nicht etwa ein weiterer Empfehlungsplan für eine ausgewogene Kost auf dem Programm, wie man sie in allen Gesundheits- und Diätratgebern in zahlreichen Varianten vorfindet. Was Aïvanhov zur Ernährung zu sagen hat, greift viel weiter.

Neben der materiellen Nahrung bezeichnet Aïvanhov ebenso Töne, Düfte und Farben als Nahrung. Die  höchste Nahrung ist für ihn das Licht (siehe Yoga Aktuell Nr. 3). Doch auch wenn wir hier bei der Nahrung im herkömmlichen, engeren Sinne bleiben, ist diese nicht allein als Existenzgrundlage für den physischen  Körper aufzufassen. Vielmehr wird sie auf allen Ebenen der menschlichen Existenz verwertet: Neben dem grobstofflichen Körper nährt sie genauso den Astral-, den Äther- und den Mentalkörper sowie die noch feinstofflicheren Körper, den Kausal-, den Buddhi- und den Atmankörper, und wir können auch aus ihr Licht gewinnen.

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Wenn der Nahrung durch richtige Aufnahme auch die feinstofflichen Elemente entzogen werden, sich in alle Organe und in den Solarplexus verteilen und die feinstofflichen Körper nähren, hat dies, so verspricht Aïvanhov, wunderbare Auswirkungen. Wer die Nahrung mit der richtigen Haltung zu sich nimmt, erlangt dadurch eine wahrhafte Kommunion mit dem Schöpfer. Aïvanhov bezeichnet dies als  Hrani-Yoga (im Bulgarischen bedeutet „hrana“ Nahrung).

„Darum sage ich euch, dass die Ernährung ein Yoga ist, denn Essen-Können verlangt Aufmerksamkeit und Selbstbeherrschung, aber auch Intelligenz, Liebe und Willenskraft“, so heißt es in einem der Vorträge, die er vor seinen Schülern hielt. Für den weitblickenden und mit großem, seltenem Wissen ausgestattenen Aïvanhov stellt diese Form des Yoga die zugänglichste und zugleich dennoch am meisten verkannte Art von Yoga dar, und er wundert sich geradezu, dass sich die Menschen, obwohl sie sich einerseits ständig mit Ernährung befassen, auf der anderen Seite noch so wenig wirklich damit befasst haben, noch so wenig in die Tiefen ihrer Geheimnisse vorgedrungen sind.

Nahrung ist für ihn „ein Liebesbrief des Schöpfers“, den es zu entschlüsseln gilt. Ein Brief, der zum Beispiel die Botschaft in sich trägt „Sieh diese Frucht – sie ist reif geworden, weil sie der Sonne ausgesetzt war. Auch du musst dich mehr der geistigen Sonne aussetzen, sie wird sich darum kümmern, alles Saure und Unverdauliche in dir umzuwandeln, und sie wird auch schöne Farben hinzufügen.“

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