Ostern steht vor der Tür. Im Christentum steht der Ostersonntag für die Auferstehung. In diesen Tagen feiern die Menschen die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Wenn du magst, dann kannst auch du diese Feiertage als eine Art persönlicher Auferstehung nutzen: transformiere Gefühle der Angst in innere Freiheit und Einsamkeit in innere Stärke. Vielleicht hebst du dabei ganz nebenbei den größten Schatz deines Lebens.

Weltweit ziehen sich Menschen immer wieder in die Einsamkeit zurück. Ihre Sehnsucht etwas zu erfahren, was größer ist, als sie selbst ist so groß, dass sie bereit sind, alles hinter sich zu lassen. Besonders bekannt wurden die Wüstenväter, frühchristliche Mönche, die seit dem späten 3. Jahrhundert entweder allein als Anachoreten oder in einer Gemeinschaft als Eremiten lebten. Sie zogen sich vollkommen aus der Gesellschaft zurück und lebten ein sehr einfaches Leben in den Wüsten Syriens und Ägyptens. Ihr Alltag war bestimmt von Askese, Gebet und Arbeit.

Viele von ihnen gaben sich 40 Tage diesem Rückzug hin, andere noch länger. Aber unabhängig vom äußeren Zeitrahmen war ihnen allen der Wunsch nach einer spirituellen Erfahrung gemein. Sie wollten sich über das erheben, was uns durchs Leben peitscht: die eigenen Ängste, die Gier, der Neid oder das Gefühl von Unzulänglichkeit. Sie wollten aufgehen in das ALL-EINE.

Rückzug

Dieser selbst gewählte Rückzug aus der Gesellschaft zählt übrigens zu den ältesten Formen des gottgeweihten Lebens und stellt auch gleichzeitig die frühste Form des Mönchtums in Europa da. Zu den bekanntesten Eremiten zählen der Heilige Bruno, der Begründer des Kartäuserordens und der heilige Franziskus.

Die innere Zufriedenheit, die diese Eremiten ausstrahlen, hat etwas zutiefst Berührendes. In ihren Gedichten lassen sie uns teilhaben an ihrer Erfahrung des Göttlichen. Und ihre Biografien haben etwas zutiefst Ergreifendes, weil es deutlich macht, dass sie etwas erfahren haben, was man nicht kaufen kann. Menschen, die so sehr in sich ruhen und so zufrieden sind mit so wenig äußerem Reichtum, können einen schon mal neidisch oder demütig oder werden lassen. Diese Menschen strahlen etwas zutiefst Freies, Starkes, Klares, Präsentes und Unbeugsames aus. Hätten wir nicht alle gerne ein bisschen von diesen Qualitäten?! Aber wer ist schon bereit, 40 Tage in der sengenden Sonne zu beten, zu fasten und sich nur mit sich selbst auseinanderzusetzen. Wäre es nicht viel schöner, wenn man uns diese Eigenschaften ins Haus liefern könnte? Das wäre schon um einiges bequemer, oder?! Besonders jetzt, wo wir über Ostern in kein Retreat fahren können oder an keinem Gathering teilnehmen können.

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Nutze diese Zeit

Aber, das Leben hat seine eigenen Pläne und so befinden wir uns in einer ungeheuer spannenden Zeit, in der wir uns von äußeren Zwängen und Auflagen befreien können. Die derzeitige Situation hat viele von uns unfreiwillig innerhalb kürzester Zeit zu Eremiten gemacht und viele müssen die Ostertage allein in den eigenen vier Wänden verbringen. Und dabei sind wir uns selbst wie nie zuvor unausweichlich ausgesetzt – vorausgesetzt, wir nutzen diese Zeit, um uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Dieses Eingesperrtsein ist eine vollkommen andere Voraussetzung, als wenn sich ein Mensch aus eigenem Antrieb in die Einsamkeit zurückzieht, um sich selbst mit all seinen Licht- und Schattenseiten zu begegnen. Aber nichtsdestotrotz wird auch jeder Eremit irgendwann mit der eigenen Einsamkeit, mit den eigenen tiefen Ängsten und den eigenen großen Zweifeln konfrontiert – egal, ob er sich in der Wüste, im Himalaya oder im Kloster befindet. Aber möglicherweise gelingt es ihnen – behaupte ich jetzt mal ganz frech – leichter, sich nicht permanent von ihren Ängsten und Zweifeln überfluten zu lassen. Möglicherweise lassen sie sich nicht ganz so schnell in die Geschichten ihres eigenen Geistes verwickeln, sondern halten die Einsamkeit so lange aus, bis sich diese in ein ALL-EINS-SEIN verwandelt.

Auferstehung feiern

Wie wäre es, wenn auch du diese außergewöhnlichen Ostertage nutzt und es den Wüstenvätern und Eremiten gleichtust?! Ob wir uns während der Ostertage allein ärgern, Angst haben oder traurig darüber sind, oder sie nutzen, das liegt an uns selbst. Ob du während dieser Feiertage deine Zeit in Social-Media-Portalen verbringst, um deine Einsamkeit zu überspielen, oder ob du dich in die Meditation begibst, um in dir nach dem ALL-EINS-SEIN zu suchen, liegt an dir. Du brauchst dich nicht von der Einsamkeit überfluten zu lassen. Du kannst sie eher als eine Chance nutzen. Es ist eine Sache der Perspektive. Natürlich mag es sarkastisch klingen, wenn man gerade mit Ängsten zu kämpfen hat oder das Gefühl der Einsamkeit einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Aber, dieser Perspektivenwechsel ist möglich.

Diesen Perspektivenwechsel mussten auch die Heiligen und Sadhus immer und immer wieder vornehmen. An schlechten Tagen bestimmt 20, 40 oder 50 Mal?! Aber was unterscheidet sie dann von uns Menschen? Es heißt, dass der Heilige immer wieder aufsteht! So bist auch du gefragt – vorausgesetzt, du lässt dich auf dieses Abenteuer ein – an Ostern, dem Fest der Auferstehung immer wieder aufzustehen, wenn schmerzvolle oder ängstigende Gefühle dich übermannen, danach dein Krönchen zurechtzurücken und weiterzugehen.

Vielleicht gibt es aber noch einen Unterschied zwischen ihnen und uns. Wahrscheinlich hatten sie bereits eine Ahnung davon, dass es etwas in ihnen gibt, das all diese Mühe wert ist, und das es so lohnenswert macht, immer wieder aufzustehen und weiterzuforschen, anstatt sich von Ängsten und Sehnsüchten übermannen zulassen. Vielleicht hatten sie bereits vor ihrem Rückzug eine innere Erfahrung davon und wussten, dass sie alle äußere Ablenkung hinter sich lassen müssen, um dies ganz zu heben. Eine Erfahrung, die sich als ein Gefühl eines unendlich tiefen inneren Friedens gezeigt hat. Ein Moment der Verbundenheit mit allem Sichtbaren und Unsichtbaren, der sich dann wie ein Same in ihr Herz eingepflanzt hat. Eine Erfahrung von Vollkommenheit, Liebe oder Stille, deren Nachgeschmack so süß ist, wie nichts anderes auf der Welt. Vielleicht kennst du diese kultur-, zeit- und raumübergreifende Erfahrung ja auch schon. Viele Menschen in meinem Umfeld und in meinen Kursen habe sie schon gemacht. Viele konnten sie allerdings nicht einordnen, weil sie nicht mit dem Verstand erfasst werden kann, und in unserer Kultur noch keinen großen Stellenwert einnimmt.

Warum also die Ostertage nicht als Fest der eigenen, persönlichen Auferstehung nutzen, und im Inneren nach diesem Ort der Stille, Weite und Süße suchen, anstatt immer nur an Äußerlichkeiten festzuhalten? Die Voraussetzungen sind gut. Es fällt so viel weg von dem, was uns normalerweise abhält und immer nur dazu führt, dass wir versuchen, kurze oder mittelfristige Befriedigung im Außen zu finden. Bei all dem Suchen im Außen übersehen wir dabei jedoch, dass egal was wir finden, es hat ein befristetes Haltbarkeitsdatum– im Gegensatz zu diesem inneren ALL-EINS-SEIN, das unvergänglich ist.

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