Von der wunderbaren Erkenntnisfähigkeit des Menschen – zum 100. Todesjahr Dr. Rudolf Steiners.
Wenn wir in die Natur hinausgehen, etwas hören oder sehen – vielleicht den Gesang eines Vogels, das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln, eine hübsche kleine Blume oder einen smaragdgrünen See –, dann sind wir vermutlich davon überzeugt, dass diese Dinge dort so existieren, wie wir sie in diesem Moment hören oder sehen. Dem ist aber nicht so! Denn unsere Wahrnehmung funktioniert keineswegs wie ein passiv aufnehmender Fotoapparat.
Wie menschliche Erkenntnis entsteht
Mit unseren Sinnesorganen können wir zwar Sinnesreize aufnehmen, aber noch lange nicht die Wirklichkeit erkennen. Die genannte Sichtweise wird in der Philosophie „Naiver Realismus“ genannt. Dessen Vertreter glauben, dass die Welt draußen unabhängig vom Betrachter genauso existiere, wie er sie wahrnimmt, und dass nur das sinnlich Wahrnehmbare wirklich sei. Das tatsächliche Erfassen der Wirklichkeit jedoch setzt sich bei uns Menschen, wie der Weise Dr. Rudolf Steiner in seiner sehr beachtenswerten Erkenntnistheorie darlegte, aus zwei miteinander verbundenen Prozessen zusammen: der reinen (Sinnes-)Erfahrung und dem inneren Denkprozess, der das Wahrgenommene mit dem dazu gehörigen Begriff, der ihm zugrunde liegenden Idee verknüpft. Erst aus beidem zusammen ergibt sich unsere Erkenntnis, begreifen wir die Welt. „Mit jeder Erscheinung, die uns entgegentritt, ist uns eine Aufgabe mitgegeben. (