Der Winter steht vor der Tür und mit ihm jede Menge Grippe- und Erkältungsviren. Hier findest du ein paar Yogaübungen, die dich darin unterstützen, typischen Wintererkrankungen vorzubeugen oder sie schneller zu überwinden.

Kennst du das: Du hast einen Infekt und willst partout nicht auf deine Lieblingsyogastunde verzichten und gehst, obwohl du eigentlich besser zuhause im Bett bleiben solltest?! Du reißt dich zusammen, gehst hin und möglicherweise fühlst du dich hinterher sogar wohler. Vielleicht geht es dir aber nicht besser und du hast darüber hinaus auch noch andere Teilnehmer angesteckt, weil du hustend oder niesend deine Viren verteilt hast. Daher hier eine Bitte: Wenn du krank bist und dein Infekt noch nicht wirklich auskuriert ist, bleib besser zuhause. Damit tust du dir und den anderen Yogis etwas Gutes!

(c) Droemer Knaur

Die Bilder in diesem Beitrag, ebenso wie die Übungen stammen aus diesem Buch:

Kerstin Leppert: Doktor Yoga – Das große Buch der Heilung. Knaur MensSana Verlag, 2019

Hier nun die versprochenen Übungen:

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1. Bei Erkältung

Vatsar Dhouti Kriya

Der Auslöser einer Erkältung sind seltener Bakterien. Viel häufiger sind Viren dafür verantwortlich. Erstaunlicherweise haben Erwachsene bis zu vier Erkältungen im Jahr und Kinder bis zu achtmal. Wenn die Erkältung ausgeprägte Symptome zeigt, spricht man von einem grippalen Infekt, der aber nicht zu verwechseln ist mit einer echten Grippe, die eine schwere Erkrankung darstellt.

Im Yoga geht man bei einer Erkältung von einer Disbalance der Energie im Verdauungstrakt aus. Deshalb spielt auch im Ayurveda das Agni, das Verdauungsfeuer eine so wichtige Rolle, weil eine gute Verdauung die Immunabwehr stärkt. Die folgende Kriya fördert besonders deine Verdauung. Du solltest sie nur auf nüchternen Magen und nicht öfter als zweimal täglich machen. Wenn du noch andere Übungen machst, so mache diese als letzte.

VATSAR DHOUTI KRIYA

  • Komm in eine einfache Sitzhaltung.
  • Streck den Nacken und zieh das Kinn in Richtung Kehlkopf.
  • Öffne den Mund zu einer Art Schnabel und »trinke« einatmend die Luft.
  • Halte den Atem so lange wie möglich an und kreise mithilfe der Bauchmuskeln (und deiner Vorstellungskraft) den Magen.
  • Atme durch den Mund ohne jeden Druck aus.
  • Wiederhol diesen Ablauf noch zwei weitere Male.

Trink danach zwei Gläser Wasser und vermeide für den Rest des Tages heiße, scharfe Speisen.

Die Vatsar Dhouti Kriya hilft auch gegen Verdauungsprobleme jeder Art, insbesondere solche, die mit chronischer Übersäuerung einhergehen.

2. Bei Fieber

Sitali Pranayam

Fieber ist eine Begleiterscheinung einer Erkältung und unterstützt das Immunsystem bei seinem Kampf gegen Viren und Bakterien. Die erhöhte Körpertemperatur beschleunigt Stoffwechselvorgänge und verhindert so, dass sich Krankheitserreger weiter vermehren.

Wenn du Fieber hast, solltest du dir so viel Ruhe wie möglich geben und viel trinken. Neben kühlenden Wadenwickeln hilft folgende Atemübung:

SITALI PRANAYAM

  • Komm in einen aufrechten Sitz. Falls du dich schwach fühlst, lehn dich im Bett an.
  • Bring die Hände ins Gyan Mudra (Daumen und Zeigefinger berühren sich).
  • Roll die Zunge zu einem »U«. Falls du das nicht kannst, streck die Zunge aus dem Mund heraus. Atme durch die gerollte Zunge wie durch einen Strohhalm ein und durch die Nase aus, wobei du durchgehend die Zunge herausgestreckt lässt.
  • Fahr für drei Minuten fort oder praktiziere die Übung für 26 Atemzüge jeweils morgens und abends.
  • Die Zunge wird trocken werden und danach bitter schmecken, was auf die beginnende Entgiftung hindeutet.

Sitali Pranayam wirkt ebenfalls blutdrucksenkend, verjüngend und erhöht Kraft und Vitalität.

3. Bei Halsweh

In Balasana

Halsschmerzen, Kratzen im Hals und Schluckbeschwerden kündigen gerne eine Erkältung an oder sind bereits Symptome einer Erkältung. Im Yoga wird der Hals dem fünften Chakra zugeordnet, dem Zentrum von Wahrheit und Kommunikation. Die Farbe des Kehl-Chakras ist ein kräftiges Blau, deshalb kannst du unterstützend einen blauen Schal tragen. Hilfreich ist warmes Zitronen-Honig-Wasser, da Zitronen Schleim aus dem Körper ziehen. Und manchmal ist es auch ein Zeichen des Körpers, einen Schweigetag einzulegen.

KRIYA GEGEN HALSWEH

  • Komm in den Fersensitz.
  • Mach Fäuste und drück deine Fingerknöchel auf den Nabel.
  • Beug dich nun vor und bring die Stirn auf den Boden.
  • Falls du magst, leg dazu ein Meditationskissen vor dich auf den Boden, um die Distanz zu verkürzen.
  • Beginn mit einer Minute Feueratmung (Kapalabhati) und atme dann in dieser Haltung für elf Minuten lang und tief.

4. Bei Schnupfen

Den Schnupfen besänftigen

Ein Schnupfen kommt durch das Eindringen und das Vermehren von Viren in die Schleimhautzellen der Nase. Es entsteht eine leichte Virusinfektion, die das Immunsystem zu Abwehrreaktionen wie Niesreiz veranlasst, um die Krankheitserreger in der Nasenschleimhaut auszuschwemmen. Meist entzündet sich die Nasenschleimhaut und schwillt an, wodurch die Nase verstopft. Beim Schnupfen gilt die Regel: »Ein Schnupfen kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage.« Manchmal kann eine Nasennebenhöhlen- oder Stirnhöhlenentzündung hinzukommen, die dann entstehen, wenn der Infekt sich in den Hals-Nasen-Ohren-Bereich ausweitet.

Trink bei den ersten Anzeichen Ingwer-Limetten-Tee – nach Möglichkeit mindestens einen Liter pro Tag. Achte auf warme Füße sowie einen warmen Hals und ruh dich aus. Bei verstopfter Nase helfen darüber hinaus Inhalationen mit heißem Dampf, wahlweise mit Kamillenblüten oder Pfefferminzöl aromatisiert.

Wenn du häufig einen erkältungsbedingten Schnupfen hast, so achte darauf, dass du dein Immunsystem stärkst, indem du deine Verdauung unterstützt, weil sie essenziell wichtig für eine gute Krankheitsabwehr ist.

ATEMÜBUNG BEI SCHNUPFEN

Mach diese Übung nach Möglichkeit bei offenem Fenster.

  • Komm in einen aufrechten Sitz, schließ die Augen und werde dir bewusst, welches Nasenloch derzeit das aktive ist – das, welches weniger verstopft ist.
  • Halt das passive Nasenloch mit dem Daumen der entsprechenden Hand zu und atme fünfmal langsam, lang und tief durch das aktive Nasenloch ein und aus.
  • Nimm dann den Zeigefinger derselben Hand zu Hilfe und beginne mit Wechselatem: Atme fünf Takte durch das aktive Nasenloch ein und durch das passive Nasenloch aus, indem du das andere Nasenloch abwechselnd mit Daumen und Zeigefinger zuhältst.

Entspann die Hand auf dem Knie und nimm die andere Hand für den Wechselatem, beginnend mit der bislang passiven Nasenseite. Atme fünf Takte durch das passive Nasenloch ein und durch das aktive aus, indem du Daumen und Zeigefinger zu Hilfe nimmst. Halt das aktive Nasenloch zu und atme durch das passive ein, zähl dabei bis fünf. Sei achtsam und geduldig. Wenn du das Gefühl hast, nicht genügend Luft zu bekommen, öffne ganz leicht den Mund.

5. Bei Stirnhöhlenkatarrh

Übung bei Stirnhöhlenkatarrh

Zu einer Stirnhöhlenentzündung kommt es, wenn die Schleimhaut in Hohlräumen im Gesichtsschädel entzündet sind. Normalerweise ist ein Stirnhöhlenkatarrh ziemlich langwierig und kann bis zu drei Monaten dauern, im schlimmsten Fall sogar chronisch werden. Schmerzen und Druckgefühl im Kopf, sowie ein pochender Schmerz über der Stirn, im Wangenbereich und hinter den Augen gehören zu den Symptomen.

DIE STIRNHÖHLEN KLÄREN

  • Setz dich auf den Boden und strecke das linke Bein nach vorn aus. Leg den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel – hilfsweise an die Innenseite.
  • Ergreif mit beiden Händen den linken großen Zeh oder, falls nicht möglich, den Fußknöchel.
  • Atme tief ein und streck den Rücken. Atme aus und beuge dich nach unten zum linken Knie. Mach diese Übung zwei Minuten lang und wechsle dann die Seiten.

Wenn du diese Kriyas regelmäßig machst, stärkst du dein Immunsystem und dein Verdauungssystem. Vergiss nicht, dir nach den Übungen immer wieder genug Zeit zum Ruhen und Nachspüren zu lassen. Eine Erkältung kann im übertragenen Sinne auch bedeuten, dass du die Nase voll hast von jemandem oder etwas. Sollte dies der Fall sein, so zieh dich ein bisschen zurück im Sinne des Yoga und konzentriere dich auf die Dinge, die wirklich wesentlich sind.

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Doris Iding
Doris leitet Seminare, Fort- und Ausbildungen zum Thema Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Nach dem Motto „Alles was ist, darf sein. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern immer nur die eigene subjektive Erfahrung des gegenwärtigen Moments“ ist es ihr sowohl in ihren Kursen als auch in ihren Artikeln und Büchern ein großes Anliegen, den Menschen zu vermitteln, dass es in der Praxis um Selbsterkenntnis geht, nicht aber um Selbstoptimierung. Begegnen wir uns also mit viel Selbstmitgefühl, Wohlwollen und Geduld, wird das Leben leichter und die Achtsamkeits- und Meditationspraxis erfüllender. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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