Engagierte ProAge-Aktivistin und passionierte Yogabuch-Autorin – Elena Lustig hat in der Yogaszene viel bewegt. Unser Covermodel der Ausgabe Oktober/November im Kurzinterview
YOGA AKTUELL: Liebe Elena, würdest du dich bitte kurz vorstellen?
Elena Lustig: Ich bin Autorin sowie Gründerin von ProAgeYoga und ProAge-Aktivistin. Ich bin außerdem Yogini und Buddhistin, Mutter eines erwachsenen Sohnes und seit dreißig Jahren mit meinem Mann zusammen. Inzwischen bin ich siebenundfünfzig Jahre alt und freue mich sehr, dass auch in der Welt des Yoga das Älterwerden immer sichtbarer wird – auch durch meine Arbeit.
Wie kamst du zum Yoga, und was ist dabei für dich prägend gewesen?
Yoga hat mein Leben von Grund auf verändert: Ich habe viele Jahre als Film-Editorin gearbeitet und täglich bis zu sechzehn Stunden am Computer gesessen. Mit Anfang zwanzig war Yoga für mich daher eher ein Ausgleich zu beruflichem und körperlichem Stress. Als ich später in den Buddhismus eintauchte, begann auch auf der Yoga-Ebene mein Weg in die spirituelle Praxis, die heute fast das wichtigste Element meiner Arbeit ist. Die Erkenntnis, dass Yoga wesentlich mehr ist, als Asanas auf der Matte, war für mich der Weg zu einer tiefen Transformation. Deswegen habe ich schließlich meinen Film-Job aufgegeben, ein paar Yoga-Bücher geschrieben und mich voll und ganz diesem Weg gewidmet.
Was sind deine Schwerpunkte?
Bei ProAgeYoga gibt es zwei Ebenen: erstens die körperliche Ebene mit den Themen „Yoga als Prävention“ – um möglichst lange körperlich fit zu bleiben – und „Yoga als Reaktion“ – falls wir schon körperliche Einschränkungen haben. Auf der mentalen und spirituellen Ebene verbinde ich meine buddhistisch/yogischen Erfahrungen zum Thema Glück und Leid, Entstehen und Vergehen mit den Herausforderungen unserer westlichen Welt: Haben wir wirklich einen Anspruch auf Glück? Und wenn ja, wovon ist das abhängig? Wie finden wir Zugang zu einer inneren Zufriedenheit, die von äußeren Umständen unabhängig ist? Ich tauche immer tiefer in die tantrische Philosophie ein, die sowohl im Buddhismus als auch in den Yoga-Schriften eine wichtige Rolle spielt und Antworten zu den existenziellen Fragen des Lebens bietet.
Hast du einen Wunsch für die Zukunft?
Durch mein Älterwerden sehe ich insbesondere für uns Frauen die strukturellen Probleme, die durch das Patriarchat manifestiert sind. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir Frauen den Mut, die Kraft und die Mittel finden, daran etwas Grundlegendes zu ändern! Die Weisheit reifer Frauen soll mehr Raum in der Welt bekommen: Wir brauchen mehr Sichtbarkeit, Einfluss und mehr Kooperation, damit dieser Planet die Chance bekommt, ein lebenswerter Ort für alle Lebewesen zu sein.