Von der Praxis des Erwachens zum Lifestyle-Tool – und vielleicht wieder zurück
Mit der Achtsamkeit kam ich das erste Mal im Jahr 1993 über Jack Kornfield in Kontakt. Jack Kornfield beschreibt im Buch Frag den Buddha auf wunderbare Weise den spirituellen Weg, auf dem die Achtsamkeit eine zentrale Rolle spielt. Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh spielte als einer der wichtigsten buddhistischen Lehrer ebenfalls eine zentrale Rolle in der Vermittlung der Achtsamkeit. Seine Aussagen sind sehr schlicht und einprägsam: Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Das ist Achtsamkeit in a nutshell. Für buddhistische Lehrer war die Achtsamkeit immer die Basis der Innenschau und gleichzeitig ein Aspekt von vielen.
Eine ganz neue Bedeutung bekam die Achtsamkeit in den 1970er und 1990er Jahren in der westlichen Psychotherapie. Den Grundstein legte Jon Kabat-Zinn im Jahr 1979 mit der Entwicklung von MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction), die erst später rüber nach Europa schwappte. In den 1990er und 2000er Jahren wurde sie als „dritte Welle" fest in die Verhaltenstherapie integriert. Zwischen 1990 und den 2000er-Jahren kam es zur Entwicklung spezifischer Therapieverfahren wie der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) von Marsha Linehan und der Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie (MBCT) zur Rückfallprävention bei Depressionen. Was mich am MBSR-Konzept irritierte, war n