Zwei kraftvolle und hoch wirksame Energie-Übungen

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Die meisten der Atemübungen des Yoga zielen vor allem darauf ab, Ihren Atem ruhiger, gleichmäßiger, fließender und feiner werden zu lassen. Sie helfen Ihnen vor allem, Ihre Ausatmung zu schulen und zu vertiefen. Das ist sehr sinnvoll, denn heutzutage ist gerade diese Muskulatur bei den meisten Menschen unserer Kultur chronisch verspannt, so dass sie Mühe haben, vollständig auszuatmen und ihre Atmung insgesamt zu entspannen. Das aus einem solchen Unvermögen langfristig Schäden für das Nervensystem entstehen werden, liegt eigentlich auf der Hand. Daneben gibt es aber auch die Blaseblag-Atmung (Bhastrika) und die Feuer-Atmung, bei denen es vielmehr darum geht, den Atem kraftvoller und tiefer werden zu lassen. Beide regen stark Agni, das Verdauungsfeuer, an, verbessern die Ausscheidung von Schlacken (Ama) und und senken deutlich den Kapha-Dosha.

Altes und neues Wissen
Beide Atemformen hängen eng zusammen, auch wenn sie vermutlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedenen Hatha-Yoga-Traditionen entwickelt worden sind.

Bhastrika wird bereits in der Hatha-Yoga-Pradipika erwähnt, die Feueratmung hingegen taucht erst im 20. Jahrhundert im System des Kundalini-Yoga nach Yogi Bhajan auf. Beide sind kraftvolle Energie-Übungen, die zu den einzigen Pranayamas zählen, von denen es heißt, dass sie in der Lage sind, auf die Erweckung der Kundalini Einfluss zu nehmen! Wie intensiv diese Einflussnahme geschieht, hängt natürlich von der Intensität des Übens ab. Angeraten ist es, beide Pranayamas maßvoll zu üben und sie mit einer beruhigenden, kraftvollen Asanapraxis (z.B. Standhaltungen) und einer friedvollen Meditationspraxis (z.B. Herzmeditationen) zu verbinden.

Die Kundalini erwecken – ein innerer Entwicklungsweg
Kundalini wird in meiner Yogatradition (dem Yoga der Energie) als unser ruhendes Bewusstseinspotential angesehen. Wenn man beginnt, es zu wecken, entfaltet es sich als Bewusstseinsenergie, als Prana Shakti. Dabei dehnt sich das Bewusstsein im Sinne der aufeinander aufbauenden und sich gegenseitig in ihrer Thematik durchdringenden Chakras aus. Dieser Prozess kann nur dann segensreich sein, wenn man genügend Zeit hat, die Kräfte der Bewusstseinsenergie zu integrieren und ihnen einen Platz in seinem Leben einzuräumen. Die Kräfte, die ich meine, sind Manifestationen der Prana-Shakti wie ein erhöhter Energielevel, mehr Tatkraft, weniger Schlafbedürfnis, intensives Träumen, Weitherzigkeit, Mut zu umfassender Liebe, Angstlosigkeit und Vertrauen, Mut zu umfassender Kommunikation, ein starker innerer Drang, alte Denk- und Verhaltensmuster hinter sich zu lassen und der Sehnsucht nachgeben, sich einer Höchsten Kraft anzuvertrauen und sich ihr zu übergeben (Bhakti).

Daraus wird deutlich, dass es hier um das wirkliche Sich-Einlassen auf den Yogaweg geht. Wenn man sich auf diese intensiven Begegnungen mit der Prana-Shakti einlässt, ist die Zeit der Unverbindlichkeit vorbei. Die Feueratmung und Bhastrika schicken den Übenden in ein reinigendes Feuer, um ihn darin zu unterstützen, die Schlacken zu verbrennen, die seinen Körper und vor allem seinen Geist behindern und beschweren.

Einige didaktische Überlegungen
Es erscheint mir sinnvoll, zuerst über einen längeren Zeitraum die Feueratmung zu üben, bevor man sich an Bhastrika mit seinen Atempausen heranwagt.

Wenn Sie diese Pranayamas in ihr Leben integrieren wollen, halten Sie nach einem Lehrer Ausschau, der Erfahrung mit solchen kraftvollen Energieübungen hat. Vertrauen Sie ihm, vor allem hinsichtlich der Intensität des Übens. Der Blick von außen mit einer bestimmten Distanz enthüllt einem geschulten Auge oft klarer, was fördert und was schadet, als dass es sich aus der Perspektive des Übenden klar erschließen lässt! Das lehrt uns die Erfahrung. Nehmen Sie für beide Pranayamas die Vorsichtsregeln und Gegenanzeigen ernst. Sie sind machtvolle Übungen und machen, dass der Yoga wirklich wirkt!

Die erhitzende Atmung – Die Feueratmung
Die Feueratmung ist eine der aktivierendsten Atemformen, die der Yoga entwickelt hat. Da sie gleichermaßen die Ein- wie die Ausatmung betont, kann sie von den meisten Menschen unbedenklich geübt werden. Sie ist – wenn man gelernt hat, sie länger zu üben – ein echter Fettkiller und macht viel wacher und klarer als Kaffee. Außerdem ist die Feueratmung sehr gut geeignet, wenn Sie zu viel inneren Druck aufgebaut haben, endlich mal wieder »Dampf abzulassen«.

Die Grundübung

  • Kommen Sie in einen aufrechten und bequemen Sitz Ihrer Wahl. Lassen Sie sich nieder und verwurzeln Sie sich ganz tief über die Beine und das Becken in der Erde.
  • Werden Sie sich Ihrer vertikalen Achse bewusst. Sie beginnt in der Mitte des Beckenbodens und steigt auf durch die Mitte des Becken-, Bauch- und Brustraumes, den Hals und den Kopf bis hoch zum Scheitelpunkt. Richten Sie sich an dieser lotrechten Achse aus und mit ihrer Hilfe auf.
  • Entspannen Sie Ihre Atmung und lauschen Sie eine kleine Weile ihrem Kommen und Gehen.
  • Beginnen Sie nun mit dem Feueratem. Atmen Sie dafür in gleicher Intensität schnell und rhythmisch durch die Nase ein und aus.
  • Jedes Mal, wenn Sie ausatmen, ziehen Sie bewusst den Nabel etwas ein, jedes Mal, wenn Sie einatmen, entspannen Sie die Bauchdecke. Finden Sie einen Rhythmus, indem Sie ganz entspannt üben können. Machen Sie immer weniger und schwingen Sie sich mehr und mehr in die Atembewegung des Feueratems ein.
  • Fahren Sie damit zuerst eine Minute und allmählich bis zu drei oder fünf Minuten fort.
  • Spüren Sie anschließend im Sitz noch eine kleine Weile nach und verbinden Sie sich mit all den Empfindungen im Inneren Ihres Körpers und Ihres Geistes.

Tipp: Die Bauchkraft stärken
Zu Beginn wird Ihre Bauchdecke die ungewohnte Bewegung während des Feueratems sehr schnell als anstrengend empfinden. Wenn Sie regelmäßig weiter üben, gewinnen ihre Muskeln zunehmend an Kraft und Koordination. Üben Sie von Anfang an in einem schnellen Rhythmus, da ein langsamer mehr Muskelkraft fordert und wesentlich schwerer länger durchzuhalten ist.

Bhastrika – die Blasebalgatmung
Während die Feueratmung in der Regel ohne Kumbhaka geübt wird, ist eine lange, äußerst kraftvolle Atempause gewissermaßen das Markenzeichen von Bhastrika! In diesem Kumbhaka werden mithilfe von Mula-Bandha Apana-Vayu (und damit Mala, die Schlacke) nach oben in das Feuer des Samana-Vayu gehoben und Prana-Vayu (und damit Luft) nach unten gedrückt. Dadurch wird das Feuer (agni) enorm gestärkt. Wird das Kumbhaka lange genug aufrecht erhalten (also 30 Sekunden +), dann beginnt – so heißt es – sich die Flamme des Agni nach unten zu drehen und der schlafenden Kundalini einzuheizen.

Ziel dieses Pranayamas ist es, durch eine ständige Wiederholung dieses »Einheizens« die Schlange Kundalini zu wecken oder – wie es in einigen Traditionen heißt – sogar zu verbrennen, damit die Bewusstseinsenergie Prana-Shakti frei aufzusteigen vermag.
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