Schmerzen loslassen.
Alle fühlenden Wesen erfahren Schmerz. Die meisten von uns müssen zwar zum Glück nicht fürchten, Opfer von Krieg oder Gewalt zu werden, so wie das in vielen Teilen der Welt der Fall ist: Wir können nicht erahnen, wie tief die körperlichen und seelischen Traumata wohl gehen, die Bombenangriffe hinterlassen. Dennoch erleben auch wir in unseren vergleichsweise wohlhabenden und behüteten Breitengraden der Erde Schmerz. Wir erfahren Verlust, Ängste und Sorgen. Wir erleben Machtlosigkeit, Zorn und Frustration. Wir werden verletzt, körperlich wie seelisch.
Im Grunde beginnt das schon mit dem ersten Atemzug, sogar früher noch, wie der berühmte Psychiater und Bewusstseinsforscher Stanislav Grof in seinen Büchern eindrücklich zeigt, wenn er das Trauma des Geborenwerdens beschreibt: Nichts im Leben eines Menschen käme an traumatischer Intensität jener Erfahrung gleich, so Grof, die wir alle machen mussten, als das Leben uns die unvergleichliche Geborgenheit im Mutterschoß brutal entriss. Mit anderen Worten: Das Leben beginnt mit Schmerz.
Und, so viel ist sicher, auch die letzte Phase des Lebens hält Schmerz bereit, wenn wir zum Ende hin, früher oder später, krank werden, Hilfe brauchen, unsere Autonomie verlieren, oft auch unsere kognitiven Fähigkeiten: Erinnerungen, soziale Bezüge, adäquate emotionale Reaktionsfähigkeiten – all das jetzt so Selbstverständliche mag einst verloren sein. A