Der Jahreswechsel steht vor der Tür – ein klassischer Zeitpunkt, um wieder voller Elan große Vorsätze zu fassen. Im neuen Jahr wird endlich alles besser. Stimmt’s? Leider nein. Ich habe aus meinen Optimierungsversuchen der letzten Jahre Rückschlüsse gezogen und bin zu einem persönlichen Entschluss gekommen. Der einzige Neujahrs-Vorsatz, den ich in Erwägung ziehe, ist folgender: keine Neujahrs-Vorsätze mehr!

Ich werde jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen eine Stunde meditieren. Ich tue mehr für die Umwelt und meine Mitmenschen. Ich esse nicht mehr übermäßig viel Espresso-Zartbitterschokolade und bin außerdem ganz besonders nachsichtig und geduldig mit mir selbst.

So in etwa liest sich meine Liste mit Neujahrs-Vorsätzen aus vergangenen Zeiten. Ich meine schon, dass es sich hierbei prinzipiell um löbliche Ideen-Konstrukte handelt. Doch ich kann aus meiner Erfahrung berichten, dass der 1. Januar nicht immer der beste Zeitpunkt ist, um um 6 Uhr morgens aufzustehen und für 60 Minuten auf dem Meditationskissen Platz zu nehmen. Und schon, wenige Momente nach dem großen Countdown, habe ich meinen ersten Vorsatz gebrochen – und somit war die wochenlange mentale Vorbereitungsphase völlig umsonst. Schande über mein Haupt.

Jetzt geht’s los

Mittlerweile sehe ich keinen Sinn mehr in zeitgesteuertem Personal Development und empfinde das als unglaublich befreiend. Natürlich entdecke ich immer wieder Aspekte meiner Persönlichkeit, die mich vor Herausforderungen stellen. Aspekte, bei denen es mir schwerer fällt, sie als Teil von mir zu akzeptieren und in meinem Leben willkommen zu heißen. Ich finde es durchaus förderlich und wichtig, das eigene Denken und Handel zu reflektieren – und gegebenenfalls eine neue Richtung einzuschlagen. Aber warum verschieben wir solche Dingen so gerne in Form von „guten Vorsätzen“ in die Zukunft? Und warum setzen wir uns so häufig utopische Ziele, die realistisch betrachtet einfach nicht oder nur mit übertriebenem Zwang und Drill zu erreichen sind?

Mein Plädoyer an mich selbst lautet daher: Beginne mit der Umsetzung eines Vorsatzes gleich jetzt und hier! Und hey, lass es gerne langsam angehen. Geduldig mit sich selbst zu sein und liebevolle Nachsicht zu üben sind die Grundpfeiler eines Prozesses hin zu mehr Selbstakzeptanz und heilsamer Ent-wicklung. Magst du etwas in deinem Leben verändern? Wunderbar! Leg doch gleich damit los – nicht erst morgen früh, in der Fastenzeit, nach deinem Geburtstag oder Silvester. Du magst wie ich öfter meditieren, weil du ganz genau weißt, wie gut dir das tut? Nimm dir gerne gleich jetzt zehn Minuten Zeit, schließ die Augen, tauche ein in die Stille.

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Solltest du mit einem Vorsatz „scheitern“, dann musst du nicht erst 365 Tage warten, bis wieder ein neues Jahr beginnt und somit jede Menge Erfolgsdruck auf dir lastet, sondern du kannst ganz entspannt weiter auf deiner bisherigen Entwicklung aufbauen. Jedes vermeintliche Scheitern ist der Kompost, auf dem Erfolge wachsen. Hast du diese Einstellung verinnerlicht, arbeitest du nicht mehr nur auf ein Ziel in der Zukunft hin, sondern kannst deine spirituelle Reise in der Gegenwart als solche wertschätzen.

Die bisherige Entwicklung würdigen

Allzu schnell setzen wir uns ein Ziel nach dem anderen – und kaum ist das eine erreicht, streben wir auch schon ungeduldig auf das nächste zu. Mit dem Wunsch, uns selbst und die Zukunft zu optimieren, vergessen wir oft die Ziele und Vorsätze zu würdigen, die wir schon längst erreicht haben. Daher lade ich dich ein: Halte inne und reflektiere deine bisherige Entwicklung! Statt eine To-Do-Liste zu erstellen, schreibe auf ein Blatt Papier, was du im vergangenen Jahr alles geleistet hast und welche Vorsätze du bereits in die Tat umgesetzt hast…

Veränderung ist ein Prozess. Der Mensch ändert sich nicht grundlegend von heute auf morgen – darum ist es auch oft so schwer, die großen Neujahrs-Vorsätze von jetzt auf gleich zu verwirklichen. Lass uns das Jetzt anerkennen und gemeinsam in die Gegenwart kommen! Der einzige Moment, der tatsächlich existiert, ist das Jetzt. Immer wieder Jetzt. Von hier aus entfaltet sich jede Veränderung.

 

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