Essen ist vermutlich das einzige Grundbedürfnis des Menschen, das noch mehr Fragen aufwirft als Sex – Wissenswertes und Kontroverses rund um Yoga und ErnährungsstilDie Nahrungsaufnahme zählt zu den essenziellen menschlichen Grundbedürfnissen. Dennoch stehen viele ständig mir ihr auf Kriegsfuß. Dabei besteht das Problem für den Großteil der Menschen hier in Mitteleuropa nicht darin, dass ihnen nicht genügend Nahrung zur Verfügung stünde, sondern eher in der Auswahl der geeigneten Produkte bzw. in der Wahl des Ernährungsstils. Es gilt, eine Ernährungsweise zu finden, mit der man sich wohlfühlt – weil sie die Sinne befriedigt, aber auch, weil man sie für gesundheitsförderlich hält –, die man im Rahmen der eigenen aktuellen Lebensumstände in die Praxis umsetzen und zugleich im Hinblick auf ethische Kriterien mit seinem persönlichen Gewissen vereinbaren kann.

Manche kämpfen auch ständig mit der Frage der Quantität, da sie ihr Leben lang auf Diät sind oder aber gern Diät halten würden. Hier reicht das Spektrum von Magersucht über Bulimie bis hin zu Binge Eating und Adipositas. Jedoch gibt es natürlich auch diejenigen, die sich wenig Gedanken um ihre Ernährung machen. Im günstigen Fall essen diese intuitiv das, was ihnen guttut, im ungünstigen Fall konsumieren sie wahllos und unbewusst und treiben damit Raubbau an ihrer Gesundheit.  

Ernährung ist ein Thema, das jeden betrifft, und egal, ob man Genussmensch ist oder nicht, und ob man an Ernährungslehre interessiert ist oder nicht – Essen als eine unserer Lebensgrundlagen beeinflusst automatisch unser Dasein und ist nicht nur das, womit wir unseren Körper erhalten bzw. woraus wir ihn geradezu fortwährend neu bilden, sondern kann sich auch weitreichend auf Geist und Psyche auswirken. Zudem prägt unsere Ernährung unsere Welt – was und wie viel der Mensch verzehrt, hat eklatante Folgen für die gesamte Umwelt. Man braucht nur den Blick auf Landwirtschaft und Tierhaltung und andere Aspekte der Lebensmittelproduktion zu richten, um dies zu verstehen. Davon abgesehen hat Essen natürlich auch einen kulturellen Stellenwert.

Wer Yoga praktiziert, wird früher oder später – meistens eher früher – mit Ernährungsthemen konfrontiert. Entweder stellt er nach einiger Zeit fest, dass sich seine Ernährungsgewohnheiten wie von selbst verändern, oder er wird dazu angeregt, diese zu reflektieren, weil er von Ahimsa hört und weil viele Mit-Yogis Vegetarier oder Veganer sind. Möglicherweise äußert sich auch sein Yogalehrer – oder ein Yogalehrer, von dem er liest oder dessen Workshops er besucht – in einer bestimmten Weise über Ernährung. Vielleicht entwickelt man durch Yoga auch Interesse an der ayurvedischen Lehre und setzt sich mit der ayurvedischen Küche auseinander. In manchen Yogarichtungen wird außerdem nach wie vor sehr viel Wert auf die sattvische Ernährung gelegt, wie sie in alten Yoga-Quelltexten beschrieben wird.

Was genau ist sattvische Ernährung eigentlich? Wie unterscheidet sie sich von den  ayurvedischen Ernährungsempfehlungen, und wo liegen die Gemeinsamkeiten? Dies legt Dr. David Frawley (Vamadeva Shastri) eingangs dar. Zudem fasst ein kurzer Überblick weitere Ernährungsformen zusammen und zeigt deren charakteristische Merkmale auf. Eine davon, die vegane Ernährung, wurde von der Jivamukti-Ikone Sharon Gannon jüngst ausführlich in einem Buch thematisiert, das demnächst auch auf Deutsch erscheint. Unsere Autorin Doris Iding hat Gannon zum Gespräch getroffen und mit ihr über das eindringliche Plädoyer für eine vegane Lebensweise diskutiert. Darüber hinaus hat sie verschiedene andere Yogalehrer zum Thema Ernährung befragt.

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Relevant ist aber nicht nur, was der Mensch isst, sondern auch, wie er isst – dies wird im Artikel von Inge Schwierczek über das Schmauen deutlich, eine Methode des gründlichen Schmeckens und Kauens, die Bekömmlichkeit und Genuss offenbar erheblich steigern kann.

Der Genuss geht indes manch einem Menschen verloren, weil er sich mit einer Essstörung plagt. Inwiefern Yoga hier helfen kann oder aber zum Werkzeug oder gar zum Motor für die Essstörung werden kann, möchten wir ebenfalls zur Debatte stellen. Mit dem Thema Zwanghaftigkeit setzt sich Doris Iding im Beitrag „Wer isst schon normal?!“ auseinander.

Zu guter Letzt haben wir uns mit jemandem unterhalten, der sehr wohl zu genießen weiß und auch andere Menschen immer wieder dazu inspiriert – Starkoch Tim Mälzer spricht im Interview mit Doris Iding über die Lust an der vegetarischen Küche, die er in seinem aktuellen Kochbuch „Greenbox“ zelebriert.

Bevor Sie sich in die Küche begeben, wünschen wir Ihnen zunächst viel Lesegenuss und wie immer viele interessante Impulse!

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