Chili ist nicht nur ein Gewürz mit dem ­besonderen Schärfefaktor, sondern auch eine schön anzusehende, botanisch ­interessante Pflanze mit vielfältigen gesundheitlich ­relevanten Wirkungen.

Seit einigen Jahren interessieren sich bei uns immer mehr Menschen für Gewürze. Nicht nur, weil man mit ihnen aus einfachen Gerichten exotische Köstlichkeiten zaubern kann, sondern auch, weil in ihnen die überraschendsten, vielfältigsten, wirkungsvollsten Heilkräfte stecken. In früherer Zeit, als es noch keine chemischen Medikamente gab, wurden Kräuter und Gewürze als Medizin genutzt. Heute, da die Chancen, aber auch die Gefahren industriell hergestellter Arzneien bekannt sind, kommt man darauf zurück.

Der Münchner Immunologe Dr. Peter Schleicher, ein Spezialist für die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte, sagt, scharfe Gewürze stärkten die Abwehr optimal. Auf die Frage, warum so viele Ärzte und medizinische Laien darauf vertrauen, antwortet er, dass viele Gewürze wissenschaftlich hervorragend untersucht seien. Und: „Heute weiß man, dass medikamentöse Therapien leider auch unerwünschte Nebenwirkungen haben und das Immunsystem schwächen können. Deshalb empfehlen viele Ärzte beispielsweise bei einer Erkältung zunächst natürliche Methoden, die dem Körper helfen, mit der Infektion selber fertig zu werden. Denn können Infekte ohne Antibiotika ausheilen, werden die Abwehrkräfte enorm gestärkt. Man ist meist lebenslang vor Keimen, die man einmal erfolgreich bekämpft hat, geschützt, weil man Antikörper dagegen gebildet hat.“

Ein gesundheitlich ganz besonders wirkungsvolles Gewürz stellt Chili dar, der im Prinzip das Gleiche ist wie Cayenne(-pfeffer) und Paprika, sogar die milde Gemüsepaprika. (Mit Pfeffer besteht keine botanische Verwandtschaft.) Die Pflanzengattung trägt den lateinischen Namen Capsicum, sie hat ihren Ursprung in Südamerika, wo sie von den Indios seit Urzeiten als Heilpflanze verwendet wurde. Form, Farben, Größe und Schärfegrad der Schoten, die streng genommen Beeren sind, weisen eine riesige Bandbreite auf, von „edelsüß“ bis feurig scharf. Einige eignen sich besonders gut dafür, getrocknet und zu Pulver vermahlen zu werden. Sie kommen dann als Chili-, Cayenne- oder Paprikapulver auf den Markt.

Auf Entdeckungsreise in Sachen Chili
Nachdem Kolumbus Ende des 15. Jahrhunderts Südamerika an den Rest der Welt angeschlossen hatte, verbreitete man Capsicum überall auf dem Globus; erst mal als Zierpflanze, weil die Blüten und knackig-bunten Beeren zauberhaft aussehen. Erst nach und nach entdeckte man sozusagen den Kontinent Chili, seine vielfältigen Heilkräfte und seine geschmackliche Variationsbreite. In Indien, das ja eigentlich für ganz andere Gewürze berühmt ist, wird heute Chili in gigantischen Mengen angebaut und verwendet. Eine seiner Eigenschaften besteht nämlich darin, dass er die medizinische Wirkung und den Geschmack anderer Gewürze unterstützt und stimuliert. Daher nimmt er sich bestens in Mixturen wie Curry aus. Weil er innerlich desinfiziert, hilft er, die Gefahren von unsauberem Essen weitgehend auszuschalten. So stellt er einen ausgezeichneten Begleiter auf Reisen in Länder dar, wo man beim Essen warnt „peel it, cook it, or forget it“. (Schäl es, koch es, oder vergiss es.)

Chili kann aber noch viel, viel mehr, er ist fast ein Universalheilmittel. Das Gewürz enthält Vitamin A, B und C, Kalium und Kalzium, die dem Körper gut tun, zusätzlich verschiedene positiv wirkende Alkaloide. Das Alkaloid, das am meisten enthalten ist und das über ganz besondere Heilkräfte verfügt, heißt Capsaicin. Unter anderem wurde wissenschaftlich belegt, dass Capsaicin trotz seiner extremen Schärfe die Magenschleimhaut nicht etwa reizt, sondern sie sogar vor aggressiven Stoffen schützt. So wurde bei einem Versuch festgestellt, dass sich Verätzungen der Magenschleimhaut, die durch die Einnahme von Aspirin verursacht worden waren, durch den Verzehr von Chili wesentlich reduzierten.

Dass das Gewürz „heiß“ ist (im Englischen bedeutet „hot“ tatsächlich gleichzeitig heiß und scharf) und die Durchblutung fördert, macht es zu einem regelrechten gesundheitlichen Überflieger. Denn dadurch beugt es Migräne vor, stärkt Herz, Kreislauf und sexuelle Kraft. Die Gefäße erweitern sich. Es wärmt den Körper, was bei niedrigem Blutdruck, kalten und sogar bei heißen Außentemperaturen angenehm ist. Denn es regt zum Schwitzen an, und Schweiß kühlt.

Capsaicin stimuliert Speichelbildung, Magensekretion, Gallenfluss und Kalorienverbrennung, wirkt also als Fatburner und Schlankmacher. Es regt die Darmbewegung an und verbessert den Transport des Nahrungsbreis im Darm. Außerdem wirkt es gegen Krämpfe, Blähungen und Magengeschwüre. Auf die Nerven wirkt es stimulierend und schmerzlindernd. Auch reduziert es Schmerzen bei Rheumatismus, Arthritis und Fibromyalgie. Bekannt ist die lindernde Wirkung von äußerlich anzuwendenden Cremes, Salben und Heilpflastern, die Capsaicin enthalten. Sie werden gegen Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, Magengeschwüre und Kreislaufbeschwerden eingesetzt.

Der Verzehr oder die Einnahme des Gewürzes verbessert die Blutzirkulation und die Mikrozirkulation, wirkt sich positiv auf die Fließeigenschaften des Blutes aus, verhindert die Bildung von Thrombosen und kann gegen Herzinfarkt, Hirninfarkt, asthmatische Anfälle, Demenz sowie Alzheimersche Krankheit vorbeugen. Bei Herzinfarkt, Angina Pectoris und Schock kann man es als Notfallmittel einsetzen. Auch deswegen ist es ein ausgezeichneter Reisebegleiter.

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