Archetypen, die uns durch das Jahr begleiten: Der Mut, ohne Gewissheit das Gute zu wagen – über den gefährlichsten aller Archetypen, die Klugheit der antiken Tragödie und einen Krieger, der zum Helden wurde, als er sich weigerte, einer zu sein
Ludwig II. war König und wollte lieber ein Held sein. An dieser Verwechslung ging er zugrunde, und sie geht uns alle an. Der Held ist der berühmteste aller Archetypen, und er ist einer der wenigen, die C. G. Jung selbst ausführlich beschrieben hat. Sein umfangreichstes Frühwerk, Symbole der Wandlung, liest den Heldenmythos als Urbild jeder menschlichen Entwicklung: Aufbruch, Kampf, Verschlungenwerden, Wiederkehr. Doch Jung notiert eine Bedingung, über die der Heldenkult gern hinwegliest: Dieser Held muss untergehen oder sich wandeln. Joseph Campbell destillierte daraus 1949 die Heldenreise. Hollywood machte eine Drehbuchformel daraus, die Coaching-Branche einen Bauplan fürs Leben. Werde der Held deiner Geschichte, rufen die Ratgeber – jede Krise wird zur Schwellenprüfung, jeder Neuanfang zum Aufbruch. Klingt ermutigend, ist jedoch eine Zumutung. Wer verstehen will, warum, muss ins Theater von Athen. Die Griechen verehrten ihre Helden, mit Kulten und Gräbern. Auf der Bühne taten sie etwas anderes mit ihnen. Sie sahen ihnen beim Fallen zu.
Aristoteles hat in seiner Poetik beschrieben, was einen tragischen Helden a