Nur noch im Lieben besteht meine Übung“1, so sprach einst der spanische Mystiker und Poet Johannes vom Kreuz (eigentlich Juan de Yepes y Álvarez), der im 16. Jahrhundert lebte und wirkte. Den wohl meisten Menschen ist er durch sein in spirituellen Kreisen beliebtes Gedicht Die Dunkle Nacht der Seele bekannt, in dem es um die mystische Vereinigung der Menschenseele mit Gott geht.
Johannes vom Kreuz war ein leidenschaftlich in Gott verliebter Mensch und Mönch, der seine Sehnsucht und seine mystischen Erfahrungen in Gedichten und lyrischen Werken ausdrückte. Er war Mitgründer des kontemplativen Ordens der Unbeschuhten Karmeliten und ein Reformer des spanischen Klosterlebens. Er gilt zudem als Schutzpatron von Mystikern, Kontemplativen und Dichtern.
Die Unio mystica, die mystische Einheitserfahrung mit Gott, welche Johannes erlebte, ist nichts anderes als der yogische Samadhi oder das islamische Ma‘rifa. Namen und Formen mögen sich unterscheiden, der mystische Kern ist jedoch in allen Glaubensrichtungen gleich. In diesem Sinne haben die erkenntnisreichen Texte dieses mittelalterlichen Asketen auch heute noch eine große Relevanz für Yogis und spirituell Suchende.
Wo hast du dich verborgen,
Geliebter, und ließest mich mit Seufzen!
Wie ein Hirsch entflohst du,
hattest mich verwundet;
ich ging hinaus und schrie nach dir, doch du warst fort.
Aus: Johannes vom Kreuz:
Der Geistliche Gesang
Kindheit und Jugend
Johannes wurde am 24. Juni 1542 i