Klang verstärkt die Wirkung der Asanas, der Körperübungen im Yoga, und bringt die Seele zum Schwingen. Körper, Geist und Seele werden bereits durch wenige Klänge tief berührt und können durch eine regelmäßige Klang-Yoga-Praxis wieder in Balance kommen.

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Wer denkt, dass Yoga nur praktiziert werden sollte, um Rückenschmerzen zu beheben, oder fernab vom Leben in einem indischen Ashram in andächtiger Stille praktiziert werden sollte, dem entgeht ein ganz wesentlicher Aspekt. Yoga ist immer eine ganzheitlich ausgerichtete Praxis und viel mehr als nur eine Übungsdisziplin, um den Körper jung und beweglich zu halten. Im Idealfall fördert Yoga über die körperliche Praxis das vollkommene Zur-Ruhe-kommen des Geistes. U.a. durch Klang-Yoga können wir diesen Idealzustand tatsächlich für kurze Momente erreichen.

Klang ist mehr als das, was wir mit unseren Ohren hören können. Er wirkt unmittelbar auf unsere Zellen und bringt sie zum Schwingen – abhängig von Tonhöhe und Klangfarbe. Klänge wirken nicht nur auf unsere Gefühle, sondern auch auf unsere Organe, unsere Atmung, unseren Puls und Blutdruck. Wenn Klang zu Lärm wird, reagieren wir mit Stress und ziehen uns in uns selbst zurück. Wenn Klang angenehm ist, können wir entspannen und öffnen uns für uns selbst, für andere und für das Leben. Wir können die Augen schließen, wenn wir nicht mehr sehen wollen, aber nicht unsere Ohren, wenn wir nicht mehr hören wollen; ohne Hände bleibt unser Gehör immer auf Empfang. Somit ist Klang ein wichtiger Teil unseres Lebens. Nutzen wir ihn! Dafür wurde er uns schließlich geschenkt.

Durch Emily Hess habe ich vor einigen Jahren zum ersten Mal die Verbindung von Klangschalen und Yoga kennengelernt. Wir haben in YOGA AKTUELL auch schon darüber berichtet. Seitdem liebe ich Klangschalen und beziehe sie so häufig wie möglich in meine Arbeit mit ein.

Hier findest du eine schöne Übung von Emily Hess, wie du ein Asana durch eine Klangschale ergänzen kannst:

Das Klang-Yoga-Krokodil

  • Leg dich bequem auf einer weichen Matte auf deinen Rücken.
  • Stell deine Klangschale rechts von dir auf Beckenhöhe auf. Leg deinen Schlegel gut erreichbar daneben.
  • Nun stell dein rechtes Bein angewinkelt und mit dem Fuß auf dem Boden vor deinem Becken auf.
  • Lass dein rechtes Knie auf deine linke Körperseite sinken. Dein linkes Bein bleibt lang ausgestreckt auf dem Boden liegen.
  • Öffne nun deinen rechten Arm nach oben und lass ihn dann so weit es geht sanft nach rechts sinken. Solltest du mit deinem rechten Arm bis auf den Boden kommen, greif nun nach dem Schlegel und schlegel deine Klangschale in einem ruhigen Rhythmus an.
  • Wenn du mit deinem Arm nicht bis auf den Boden sinken kannst, stell vor der Übung die Klangschale auf ein Kissen und leg auch ein Bolster für deinen Arm bereit.
  • Idealerweise hast du zwei Beckenschalen, so dass du auf jede Seite deines Beckens eine Klangschale stellen kannst. Dann bleibst du in der angegebenen Lage liegen, kommst aber – nachdem der Klang der Beckenschale ausgeklungen ist – mit deinem Arm nach oben und führst ihn auf die andere Seite.
  • Dein Arm sinkt nun zur zweiten Beckenschale und klingt sie an. Das machst du im Wechsel mindestens drei Minuten in der gleichen Beinhaltung. Dann legst du dich auf den Rücken, ziehst eine Beckenschale auf dein Becken und schlegels sie an.
  • Spür in dich hinein und sinne deinem Atem nach.
  • Nun stellst du das linke Bein auf und sinkst auf die linke Körperseite.

Das ist eine wunderbare Übung, um das Becken mit all seiner Sensibilität zu stärken. Daher ist sie passend bei Kinderwunsch, Menstruationsschmerzen bis hin zu Problemen in den Wechseljahren. Auch zur Stärkung der Prostata ist das eine wunderbare Übung.

Beckenschalen und ihre Bedeutung

Kleine und große Beckenschalen fördern durch ihren vollen, tiefen Klang die Erdung. Die Beckenschale spricht mit ihren tiefen Tönen von 100 bis 1.000 Herz vor allem den Unterleib und unteren Rücken gut an. Ihr Klang wird häufig als besonders „erdend“ beschrieben. Ihre tiefen Klänge, die durch das Anschlägeln mit einem großen Filzschlägel zu hören sind, sprechen vor allem den Beckenbereich gut an. Wird dieser Schalentyp hingegen mit einem mittelharten Filzschlägel zum Klingen gebracht, ertönen Frequenzen, die im Bereich des Solarplexus (Bereich oberhalb des Bauchnabels) als besonders angenehm und intensiv empfunden werden.

Ich persönlich verwende die Beckenschale besonders gerne, wenn ich nicht schlafen kann. Dann lege ich mich im Bett in Shavasana, lege mir eine Klangschale auf den Unterbauch und schlage die Schale immer wieder sanft an. Ich bin immer wieder erstaunt, dass ich mich bereits nach ein paar Minuten wieder entspanne und dann sehr schnell wieder einschlafe.Anzeige

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.