In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Cocablätter helfen nicht nur zuverlässig gegen die Höhenkrankheit, sie können im Kontext schamanischer Rituale auch eine umfassende Heilwirkung auf Geist und Psyche entfalten

Der Andengott (Pachakamaq) sagt:
Achtet mit Liebe eure Cocablätter, denn sie fühlen den Schmerz in euren Herzen, den Hunger eures Fleisches und die Dunkelheit in eurem Gemüt. Man nimmt sie in den Mund, und mit Süße entfaltet sich ihr Geist, der ein Teil von mir ist. Sie schenken dir Nahrung für deinen Körper, Liebe gegen deine Schmerzen und Licht für dein Gemüt. Und darüber hinaus beobachte den Tanz der Blätter im Wind und erhalte Antworten auf deine Fragen. Aber wenn du, Henker, Neuankömmling aus dem Norden, weißer Eroberer, Sucher des Goldes, sie berührst, wirst du in ihnen nur Gift für deinen Körper und Wahnsinn für deinen Geist finden. Und wenn du das Kokain, wie du es nennen wirst, allein herauslöst, wirst du erreichen, dass es dich zerstört; wie die Eiskristalle, entstanden aus weißen Wolken, die Felsen zerstören und Berge abtragen.

Unsere erste Begegnung mit den heiligen Cocablättern hatten wir in den Anden Perus. Kommt man in Cusco, der größten Stadt im peruanischen Hochland, in 3416 m Höhe an, gibt es nur ein vordergründiges Problem: Was kann ich gegen die Höhenkrankheit unternehmen? Sie trifft früher oder später fast jeden, der sich in großen Höhen (über 2500 m) aufhält, ohne bei ca. 2000 m Höhe eine Woche Pause eingelegt zu haben.

Die wichtigste medizinisch-naturheilkundliche Empfehlung ist, Mate de Coca (Cocatee) zu trinken und Cocablätter zu kauen. Beide Maßnahmen dämpfen Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Kurzatmigkeit und vieles mehr.

Die Blätter werden dort auf dem Markt in verschiedenen Qualitäten zusammen mit Kalk und gepresster Pflanzenasche, genannt „Llipt’a“ (sprich: „Jivda“; aus der Quechua-Sprache, Bedeutung etwa: „Würze“) angeboten. Die alkalische Asche (Base) wird zusammen mit den Blättern im Mund eingespeichelt und als Kugel (span. „bola“) in die Wange geschoben. Zusammen schmeckt das alles wie Grüner Tee. Durch den Speichel löst die Base die in den Blättern enthaltenen Alkaloide (natürlich vorkommende, meist alkalische, stickstoffhaltige Pflanzenstoffe, die auf den menschlichen Organismus wirken) heraus. Die analgetische (= schmerzstillende) Wirkung tritt ein, wenn der Mund taub wird. Danach folgt Entspannung im Herz und im ganzen Körper, gepaart mit Leistungssteigerung und erhöhter Aufmerksamkeit und mit der Dämpfung von Hunger, Schmerz und Müdigkeit.

Trotz mehrwöchigen intensiven Konsums der Blätter konnten wir keinen Gewöhnungseffekt und keine Abhängigkeit feststellen. Interessanterweise gibt es in Ländern, deren Einwohner viele Cocablätter konsumieren, statistisch gesehen die wenigsten Kokainsüchtigen.

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Medizinische Verwendungen:
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  • Nahrungsergänzungsmittel (besonders für Schwangere)
  • Energetikum und Tonikum im Alter, bei Überarbeitung und nach schwerer Krankheit
  • wirkt stimmungsaufhellend bei Depression und unterstützend bei chronischer Müdigkeit
  • Antidiabetikum
  • reguliert den Kohlenhydratstoffwechsel
  • Diätetikum bei Stoffwechselschwäche und Übergewicht
  • gegen Durchfall, Verstopfung, Bluthochdruck, Fieber, Asthma, Höhenkrankheit
  • lindert die Symptome überbeanspruchter Stimmbänder

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Schamanische Verwendung:
Da es in Südamerika unendlich viele Formen der rituellen Verwendung von Coca gibt, beschränken wir uns auf ein Beispiel, wie „Mama Coca“ bei den kolumbianischen Stämmen der Witoto (auch: Uitoto) verwendet wird. Die Zeremonie heißt „Mambeo“ (von span. „mambear“ = „im Mund behalten“ oder „zuhören“). Das Gruppenritual hat psychotherapeutischen Charakter. Dabei wird Tabak (Nicotiana rustica) in der Form einer alchemistisch verarbeiteten Paste namens Ambil zusammen mit Coca eingenommen.

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