Yoga ist die Fähigkeit, sich ausschließlich auf einen Gegenstand, eine Frage oder einen anderen Inhalt auszurichten und in dieser Ausrichtung ohne Ablenkung zu verweilen. Dann scheint in uns die Fähigkeit auf, etwas vollständig und richtig zu erkennen.
Patanjali

 

Die Konzentration bildet den nächsten, wichtigen Aspekt im Yoga-Sutra. Mit Konzentration im Sinne des Patanjali ist gemeint, dass ein Mensch seinen Geist ausschließlich auf ein Objekt ausrichtet. Dabei kann das Objekt einfach oder komplex, ein Gegenstand wie eine Kerze oder ein Wort sein. Auf den Arbeitsalltag angewendet ist damit gemeint, sich gut auf die Tätigkeit, die gerade zu tun ist, konzentrieren zu können. Dies ist gerade in der heutige Zeit eine große Herausforderung. Durch die sozialen Medien und das Internet sind wir mittlerweile so vielen Informationen ausgesetzt, dass wir kaum noch in der Lage sind, uns länger auf eine Sache zu konzentrieren. Anstatt dem bewusst entgegenzuwirken, richten sich alle darauf ein und verpacken alles in kleine Häppchen, kurze Texte und Oberflächlichkeiten, um die Menschen nicht mehr zu überfordern. Dabei sollten wir doch lieber darauf achten, unsere Konzentrationsfähigkeit wieder zu steigern – denn nur dadurch können wir im Sinne Patanjalis unseren Geist beruhigen und zu uns selbst zurückfinden.

Fokus fördert kluges Handeln

Gleichzeitig ist ein ruhiger Geist die Grundvoraussetzung dafür, um konzentriert arbeiten zu können. Werden wir nämlich permanent abgelenkt von Klingeltönen, die signalisieren, dass gerade eine Nachricht für uns eingetroffen ist, dann springt der Geist von einem Gedanken zum nächsten und wird abgelenkt von dem, was zu tun ist. Genauso wichtig ist es auch, sich nicht von eigenen Emotionen hin- und her reißen und sich nicht von ihnen überfluten zu lassen. Denn dann können wir uns nicht wirklich auf eine Tätigkeit oder ein Gespräch konzentrieren, sondern schweifen stattdessen mit unseren Gedanken ab, werden von unseren Emotionen getrieben oder reagieren über die Maßen auf etwas oder jemanden. So kann es passieren, dass jemand sehr hektisch arbeitet, aus Angst, ein Projekt vielleicht nicht rechtzeitig abschließen zu können. Diese innere Unruhe nimmt ihm die Möglichkeit, sich ganz und gar auf das Projekt zu konzentrieren. Eine solche Unruhe breitet sich dann oftmals auch auf die anderen Mitarbeiter aus, was weder für die Arbeitsatmosphäre noch für das den Abschluss des Projektes förderlich ist. Innere Unruhe führt zu unkonzentriertem Handeln, nicht aber dazu, etwas zu bewegen oder abzuschließen. Innere Ruhe und Konzentration sind die Schlüssel dazu, die Arbeit so auszuführen, dass sie zu unserer eigenen Zufriedenheit und zur Zufriedenheit der Institution sowie zum Wohle aller Wesen führt. Innere emotionale Unruhe kann auch dazu führen, dass wir einen Mitarbeiter oder Kollegen anherrschen, nur weil wir uns gerade nicht unter Kontrolle haben.

Die folgenden Übungen helfen dir dabei, bei dir zu bleiben oder in einer stressigen Situation zu einer inneren Ruhe zurückzukehren, um das zu tun, was gerade zu tun ist.

 

Finde deine Balance

  • Setz dich aufrecht und mit geradem Rücken auf einem Stuhl. Die Zunge liegt am Gaumen. Die Hände ruhen locker auf den Oberschenkeln.
  • Mit geschlossenen Augen oder den Blick in die Leere gerichtet beobachte nun deinen Atem, wie er ganz von selbst kommt und geht.
  • Begleite den Atem mit einer sanften Bewegung deiner Hände:
    Beim Einatmen zeigen die Handflächen nach oben – bereit, heilvolle Energie und Ruhe aufzunehmen, um zur eigenen Mitte zurückzukommen.
    Beim Ausatmen zeigen die Handflächen nach unten, um Stress und Nervosität an den Boden abzugeben.
  • Übe so einige Minuten.

 

Energie tanken

Wenn du während der Arbeit das Gefühl hast, unkonzentriert und müde zu sein, unterstützt dich die folgende Übung darin, konzentriert weiterzuarbeiten.

  • Öffne zuerst das Fenster, damit frischer Sauerstoff in dein Büro kommt und verbrauchte Luft ausströmen kann.
  • Setze dich auf deinen Bürostuhl so weit nach vorne, dass die Füße mit ganzer Sohle auf dem Boden stehen und die Knie einen rechten Winkel bilden. Achte darauf, dass sich dein Kiefer entspannt und du die Zähne nicht zusammenbeißt.
  • Verschränke die Hände im Nacken und richte den Rücken auf. Atme nun tief durch die Nase ein.
  • Beim Ausatmen rundet sich der Rücken, während die Ellenbogen und der Kopf langsam nach vorne sinken.
  • Beim Einatmen richtest du dich wieder langsam Wirbel für Wirbel auf.

 

Offline arbeiten

Schalte dein Handy aus, während du konzentriert an einer Sache arbeiten möchtest. Dadurch vermeidest du, dass du durch eingehende Mails, SMS oder Whatsapp-Nachrichten von dem abgelenkt wirst, was du gerade tust.  Gewöhn dir ab, während der Ausführung einer Arbeit Mails zu checken oder welche zu schreiben.

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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