Fitness & Wohlfühl-Tipps aus dem Ayurveda: wie man das Verdauungsfeuer »Agni« balanciert

Dem Ayurveda zufolge beherbergt jeder menschliche Körper ein subtiles Verdauungsfeuer – Agni genannt – das nicht nur physische Stoffe (Nahrung, Gifte, Bakterien), sondern auch mentales Material (Empfindungen, Erfahrungen, Gedanken) verarbeitet. Menschen, deren Agni gleichmäßig brennt, sind immun gegen Krankheiten, können jede Nahrung ohne Verdauungsprobleme essen, besitzen eine gesunde Hautfarbe, eine herzliche Persönlichkeit,  ausgezeichnete Erinnerung und einen flinken Geist. Menschen, deren Agni ungleichmäßig brennt, neigen zum Gegenteil: wenig Energie, schlechte Verdauung, unklares Denken und Anfälligkeit für Krankheiten. Es heißt, dass Gesundheit wie Krankheit im Verdauungstrakt beginnen, und dass ein beeinträchtigtes Agni-Feuer der erste Schritt zu Dysfunktionen bzw. Krankheiten ist.

Man misst dem Agni-Feuer dieselben Eigenschaften wie dem normalen Feuer zu: heiß, scharf, leicht, trocken, beweglich, subtil, klar. Feuer gilt als das universelle Medium der Transformation, ob Transformation auf der makrokosmischen (wenn z. B. die Sonne den Schlamm einer Flußbank zu hartem Lehm bäckt) oder auf der mikrokosmischen Ebene, wenn z. B. die Magenenzyme das Molekül eines Sandwich-Brotes aufbrechen.

Die trockenen und scharfen Eigenschaften des Feuers zerlegen und schneiden die Nahrung in immer kleinere Teile (ähnlich einer Flamme, die rasch ein Stück Papier „auffrisst“). Die heiße Eigenschaft des Feuers bewirkt den Kochvorgang, die Verwandlung der rohen, bitteren Ausgangsstoffe zu süßer, nährender Substanz.

Die klaren und feinstofflichen Eigenschaften des Agni-Feuers lassen uns die Mitteilungen unserer fünf Sinne verstehen und zwischen Nahrung und Gift unterscheiden. Agni stellt ein energetisches Prinzip dar, das sich nicht direkt, und nicht als nur ein physiologischer Prozess manifestiert. Probieren Sie das Ingwer-Rezept (s. nächste Seite) aus, um starkes Agni-Feuer zu erfahren.

Agni hat auch einen dunklen Gegenspieler – Ama genannt. Dies ist der toxische Schleim, der sich im Körper ansammelt. Er stammt von nicht ganz verdauter Nahrung oder unverdauten Erfahrungen. Agni und Ama befinden sich in einem Wechselspiel ständigen Kampfes: wenn Agni am Zug ist, verbrennt er Ama; wenn Ama überlegen ist, erstickt er Agni.

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Manchmal jedoch ist Agni auch die Ursache von Erkrankungen. Der Ayurveda kennt vier Agni-Zustände: zu schwach, unregelmäßig, zu stark und gleichmäßig-ausgewogen. Das Ideal ist natürlich, ein balanciertes Agni-Feuer in sich zu haben – nicht zu schwach, nicht zu stark, gerade richtig. Ein gleichmäßiges Agni-Feuer operiert ähnlich wie ein Autopilot: es verarbeitet Nahrung, Gedanken und Mikroorganismen, ohne dass wir uns dessen bewusst werden.

Zu schwaches Agni kann Appetitlosigkeit, träge Verdauung, Giftstoffansammlung und Übelkeit verursachen. Zu starkes Agni hingegen wird nach der Zerstörung von Ama dazu übergehen, die Körpergewebe aufzuzehren. Damit verbundene mögliche Symptome sind Gewichtsverlust, Haarausfall, irritierter Verdauungstrakt, Augenbrennen, Hypoglukämie, Anämie (bei all diesen Symptomen können mehrere andere verursachende Faktoren mitbeteiligt sein). Wenn diese Symptome auftreten, muss Agni vermindert werden.

Unregelmäßiges Agni-Feuer kann in Folge auch Appetitmangel und Heißhunger hervorrufen; jedoch wird alles Verzehrte schlecht verdaut. Oder es kann einmal gute, ein andermal schlechte Verdauung bewirken. Denjenigen, die unter irregulärem Agni leiden, wird Regelmäßigkeit und Rhythmus im Tagesablauf sowie eine adäquate Ernährung sehr helfen. Zuerst müssen wir herausfinden, welche Art von Agni-Feuer wir besitzen; dann können wir es regulieren, um damit gute Gesundheit und einen klaren Sinn zu erlangen.

Gründe für ungleich­­mäßiges Agni
Zu viel Essen, kaltes Essen oder kalte Getränke, alte oder industriell verarbeitete Nahrungsprodukte; ungünstige Nahrungskombinationen, längere oder häufige Exponiertheit gegenüber Wind und Kälte, übermäßige Aktivität, Sorgen und Stress. Alles, was die Attribute „kalt, schwer-unbelebt, naß, klebrig, umwölkt, dicht und schwer“ besitzt, kann Agni aus der Balance bringen. Um Agni zu verstärken, sollte man oben Genanntes vermeiden. Essen Sie gekochte Nahrung, verdauungsanregend gewürzt.

Jede Nahrung hat unterschiedliche Qualitäten und wirkt deshalb auch verschieden auf Agni ein. Speisen mit saurem, salzigem oder scharfem Geschmack tragen zum Teil das Feuerelement in sich und heizen Agni an. Beispiele sind Zitrusfrüchte, Salz und scharfer Pfeffer. Speisen mit süßem, bitteren oder adstringierendem Geschmack sind ohne Feuerelement und kühlen Agni ab, zum Beispiel Zucker, Löwenzahnblätter oder säuerliche Äpfel.

Leichtes Essen kann von Agni mühelos verdaut werden, aber es trägt andererseits nur wenig zum Gewebeaufbau des Körpers bei. Beispiele wären grüner Salat, die meisten Früchte, Mais und Hirse. Nahrung mit schweren Eigenschaften reduziert Agni, baut dafür Zellgewebe auf, z. B. Datteln, Milchprodukte, Weizen, Fleisch und Öl.

Welchen Gebrauch wir von unserem Agni machen, für welche Nahrung wir uns entscheiden, oder in welchen Situationen wir diese zu uns nehmen – die Wahl steht uns völlig frei. Nachdem Agni balanciert wurde, bedarf es der Pflege, so wie ein Lagerfeuer in einer regnerischen Nacht. Indem wir unser Agni-Feuer hegen und pflegen, gewinnen wir an Ausstrahlung, Glanz und Leuchtkraft! Oben sehen Sie vier Rezepte zur Regulierung des Agni-Feuers.

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