Weg von der Oberfläche, an der wir mit einer Kränkung hadern und kämpfen, hin zu einer tieferen inneren Schicht – durch Akzeptanz, Hingabe und Loslassen
Ich bin ein großer Freund der alten Wüstenväter, die als Eremiten im frühen Christentum einen lebendigen inneren Weg gegangen sind. Einer, den ich besonders mag, ist Evagrios. Er hat sich schon im 4. Jahrhundert mit dem Thema der Kränkung auseinandergesetzt und in wenigen Worten beschrieben, welche Folgen es hat, wenn man versucht, sie zu verdrängen. Er schreibt dazu Folgendes:
„Der Mensch, der Kränkungen und Verstimmungen nicht vergessen kann und trotzdem zu beten versucht, gleicht einem Menschen, der aus einer Quelle Wasser schöpft und es in ein Fass voller Löcher gießt."
Vielleicht kennst du das, wenn du dich gekränkt fühlst und tagelang darüber nachdenkst, andere beschuldigst, nach Lösungen und Auswegen suchst, in Rechtfertigungen und Argumenten festhängst, und wenn alles im Kopf kreist und es kein Auskommen gibt. Ein scheinbarer Ausweg ist dann, alles langsam zu vergessen, uns abzulenken und wieder „zur Ruhe zu kommen". Was dann geschieht, kenne ich sehr gut. Während ich in der Meditation sitze oder Muße nachgehe, taucht die Verletztheit und die ganze Geschichte drumherum umso stärker wieder auf. Ich entkomme ihr einfach nicht. Es rumort, u