Der tibetische Buddhismus.
Diese Ausprägung des Buddhismus ist wohl die bunteste. Charakterisiert wird sie durch Gebetsfahnen, zahlreiche farbenfrohe Rituale und tiefgehende Mantras und Meditationen. Das Ziel hinter all den Farben und Formen: Erwachen in die klare Natur des Geistes.
Auch wenn Tibet geografisch sehr nah an der Geburtsstätte des Buddhismus liegt, adaptierte es Buddhas Lehre doch erst spät. Die so genannte „Erste Verbreitung“ erfolgte ab dem siebten Jahrhundert, die „Zweite Verbreitung“ ab dem elften Jahrhundert v. Chr. Es entwickelten sich vier Hauptschulen: Nyingmapa, Sakyapa, Kagyüpa, Gelugpa. Sie alle basieren auf dem Mahayana-Buddhismus, übernahmen allerdings die alten Mönchsregeln aus dem hinayanischen Sarvastivada und kultische Praktiken aus dem Tantrayana. Darüber hinaus flossen auch noch schamanische Elemente aus der ursprünglichen Religion Tibets, dem Bön, ein. Es wurden Totenzeremonien, Rauchopfer, Mysterienspiel und Orakel sowie der Brauch der Gebetsfahnen übernommen. Heute stehen Bön und die vier Schulen gleichberechtigt nebeneinander, wobei seit dem 17. Jahrhundert die Gelug-Schule, an deren Spitze der Dalai Lama steht, die geistig-politische Führung innehat.
Der Kanon
Der Gelehrte Butön stellte im 14. Jahrhundert aus den über viereinhalbtausend ins Tibetische übersetzten heiligen Texten zwei Kompendien zusammen, die als kanonische Werke des tibetischen Buddhismus gelten: Kangyur und Tengyur. Der Kangyur umfasst insgesamt 1055 Texte bzw. 92 Bände und enthält die Unterweisungen des Buddha. Im Tengyur werden in insgesamt 3626 Texten, zusammengefasst z