Wenn wir Bestätigung bekommen, dann fühlen wir uns wohl und gesehen. Anerkennung ist sozusagen die Quelle unseres Selbstwertes und ist maßgeblich daran beteiligt, ob wir uns mental stark oder schwach fühlen.

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Wir brauchen Aufmerksamkeit von den Menschen, die wir lieben, die uns nah sind und denen wir vertrauen. Das ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen: Erwiesenermaßen sind Zuwendung, Anerkennung und Liebe genauso wichtig wie Essen, Trinken und Schlaf. Ohne sie können wir auf Dauer nicht überleben. Und natürlich ist es auch unsere Aufgabe, den Menschen, die wir lieben, den Selbstwert zu stärken, ihre positiven Seiten zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie sich ebenfalls gesehen und geliebt fühlen.

Gespeist aus der eigenen Quelle

Anerkennung können wir also von außen bekommen. Gleichzeitig aber tun wir gut daran, sie uns selbst zu geben. Wenn diese beiden Quellen uns nähren, dann befinden wir uns in einer guten Balance. Manchmal kann es passieren, dass wir keinen Menschen haben, der uns stärkt. Dann sollten wir in der Lage sein, auf uns selbst zählen zu können und nicht an Selbstzweifeln zu zerbrechen. Dies ist allerdings gar nicht so leicht, denn viele Menschen sind sehr gefangen in dem „Ich liebe dich dann, wenn du etwas Besonderes bist oder hast“-Prinzip. Das ist sehr tief in unseren Erziehungs-, Denk- und Verhaltensmustern verankert. Es schafft viel Leiden und Unzufriedenheit, weil wir niemals das Gefühl haben, um unserer selbst willen geliebt zu werden. Im Rausch des permanenten Gefühls der Konkurrenz sind wir damit beschäftigt, nach Anerkennung von außen zu suchen, die abhängig ist von unserem Aussehen, unserem Erfolg und unserer Leistung. Angetrieben werden wir dabei von Gefall- und Perfektionssucht sowie dem Wunsch nach Aufmerksamkeit.

Stärken wir uns jedoch durch Selbstanerkennung und Selbstliebe, Selbstwürde und Selbstmitgefühl, so werden wir unabhängiger vom Außen und schaffen dadurch die Basis für unseren eigenen Selbstwert. Wir speisen uns aus uns selbst heraus. Wir glauben an uns selbst und vertrauen uns selbst in Folge dessen viel mehr.

Nährst du dich selbst?

Vielleicht arbeitest du selbst ja als Yogalehrerin oder Yogalehrer und genießt die Anerkennung, die dir von deinen Schülern geschenkt wird. Was aber ist, wenn sie alle abends nach Hause gegangen sind und du alleine in deinem Bett liegst? Kannst du dir selbst den Wert, die Liebe und die Anerkennung geben, die sie dir geben? Schenkst du dir selbst auch nur halb so viel Bewunderung, wie du von deinen treuen Schülern bekommst? Oder bist du angewiesen auf viele Likes und Bestätigung von deiner Fangemeinde?

Stell dir diese Fragen immer wieder und beantworte sie ehrlich!

Wenn du merkst, dass du in erster Linie auf die Zuneigung und Anerkennung der anderen angewiesen bist, dann ist es Zeit, dass du dich um dich selbst kümmerst!

Wie du das tun kannst, lernst du in vier Schritten:

  1. Versuch, wenn möglich, zehn Eigenschaften aufzuschreiben, die dich ausmachen.
    Was genau ist es, was du besonders gut kannst?
    Was zeichnet dich aus?
    Was unterscheidet dich von anderen?
    Was schätzen andere an dir?
  2. Zeig deinen besten Freunden diese Liste und frag sie, ob du Eigenschaften übersehen hast, die sie aber besonders an dir schätzen.
  3. Such dir ein Symbol (ein Naturelement, einen Gegenstand etc.), das deinen Selbstwert für dich passend repräsentiert. Trag dieses Symbol bei dir, häng es auf oder ruf es dir einmal am Tag vor deinem inneren Auge ins Bewusstsein.
  4. Sag dir immer wieder, wie einzigartig du bist!

Wiederhol diese Übung so lange, bis du das Gefühl hast, dass dein Selbstwertgefühl in dir wie ein kleiner Same aufgegangen ist. Diesen Samen jeden Tag zu wässern ist die Garantie dafür, dass du dieses Gefühl langfristig beibehältst.Anzeige

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse liegt in der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.