In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Ich will ein Mystiker werden”, mit diesen Worten trat Atreya vor den Meister hin. Jeder Muskel, ja, jede einzelne Faser in seinem Körper schien ihm zur Seite stehen zu wollen, schien diese so einfach und zugleich so machtvoll ausgesprochenen fünf Worte zu unterstützen – und ihnen eine Eindringlichkeit zu verleihen, dass auch der Meister sich ihnen nicht entziehen konnte. „Du willst also ein Mystiker werden?” erwiderte der Meister in einer etwas gönnerhaften Art, doch gerade noch so, dass es nicht herablassend wirkte. „Was ist denn deiner Meinung nach ein Mystiker?” „Ein Mystiker sieht dieses eigene Licht, er hat einen Zugang zu diesem mystischen Moment, zu diesem einen Augenblick, in dem nichts anders ist als sonst, und der zugleich doch völlig einmalig, alles erfüllend und so präsent erstrahlt.” Von diesen Worten sichtlich berührt, änderte sich schlagartig sein Tonfall. „Wie alt bist du ?” –  „Fünfzehn.” Ein langes Schweigen setzte ein. Ein Schweigen, in dem der Meister seinen Schüler durchdrang. Er durchdrang ihn in jener unnachahmlichen Art, in der nur ein Meister seinen Schüler durchdringen kann, denn so viel stand nun fest: Dieser junge Mann war sein Schüler.

„Alles beginnt mit diesem mystischen Augenblick, immer schon war es so, und für immer wird es auch so bleiben. Die meisten Menschen messen diesem speziellen Augenblick aber keine Bedeutung zu und können dadurch sein Geheimnis nicht durchdringen. Ich will dir von diesem Geheimnis erzählen, vielleicht erkennst du das eine oder andere ja wieder in meinen Worten, und die heilige Wandlung kommt zu einem Ende. Wenn du in diesem mystischen Augenblick deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper richtest, dann wirst du eine sehr eigenartige Kraft wahrnehmen, eine strömende, leicht fließende und kribbelnde Empfindung wird deinen ganzen Leib durchdringen. Folge dieser Empfindung.”

Der Meister legte eine kleine Pause ein, um die Reaktion auf seine Worte in seinem Schüler zu spüren, und deutlich war für ihn zu vernehmen, dass Atreya verstand, wovon er sprach. Atreya kannte diesen Zustand sehr genau. „Bleibe in dieser Körpergegenwart, sooft und solange sie anhält, achte sie, und sie wird sich verstärken. Jeder Gedanke, jedes Gefühl wird dir so gegenwärtig. Es wird sich dir eine neue innere Sprache erschließen, die Sprache deiner Körperseele.”

Und wieder wartete der Meister die Reaktion auf seine Worte ab. Er war glücklich mit der feinen Antwort seines Gegenübers, mit diesem sanften präsenten Strömen, das er in Atreya wahrnehmen konnte. „Dein Körper wird immer versammelter, die einzelnen Teile deines Leibes werden ein Ganzes bilden, und im selben Maße, in dem sie zusammenfinden, werden sie immer durchlässiger. Du wirst durchlässig für eine spezielle Kraft, für Prana, für Goth, für das Tao, für die Urkraft des Augenblicks.”
Atreya wusste nur zu gut, worüber der Meister da redete, und so lauschte er völlig versammelt und aufs Äußerste durchlässig geworden für die Worte seines Meisters auf das, was nun folgen sollte.

„Immer häufiger wirst du in Meditation fallen, in diesen fließenden, versammelten Zustand deines Körpers und deines Geistes, in dem dein Bewusstsein sich erheben kann, um losgelöst von allen Fesseln des Geistes und Körpers die Weisheit der Welten zu empfangen, das Gothwissen, die Weisheit des Tao, die Gegenwart des mystischen Augenblicks. Dieser mystische Moment hat die Kraft, dich in Meditation zu tragen, in die Meditation eines Mystikers. In den höchsten Erregungszustand deines Körpers und Geistes wirst du so fallen. Alle vier Tore der Weisheit werden sich dir öffnen. Du wirst lustwandeln durch die himmlischen Lustgärten des Erkennens und Durchdringens des göttlich-mystischen Augenblicks. Die Kraft der vier Himmelsrichtungen wird dich durchströmen.”

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