Besonders in den Wintermonaten ist unser Immunsystem oftmals geschwächt und wir verlieren an Vitalität (im Ayurveda Ojas genannt). Doch auch Stress wirkt sich negativ auf Immunsystem und Vitalität aus. Ayurveda bietet uns viele Möglichkeiten, hier gesundheitsfördernd entgegenzuwirken. Wir zeigen dir in diesem Beitrag einige Selbstheilungsrituale aus dem Ayurveda, die für Ruhe, Entschleunigung und Regeneration sorgen und somit deine Gesundheit und Strahlkraft stärken.

Gründe für schwaches Ojas

Ojas hat große Ähnlichkeit mit unserem Immunsystem. Im Ayurveda bezeichnet Ojas unsere Vitalität, jene Kraft, die uns von innen heraus strahlen lässt und gesund hält. Es gibt vieles, das Ojas schwächen kann, z.B. zu wenig Schlaf, eine schwache Verdauung, eine falsche Ernährung, zu viel Arbeit oder sich zu wenig Zeit für Menschen und Dinge zu nehmen, die unsere Seele nähren. Ein schwaches Ojas macht uns, ebenso wie ein schwaches Immunsystem, anfälliger für Krankheiten. Nebennierenschwächen und Burn-out sind etwa typische Folgen.

Mit Ayurveda und Ritualarbeit dein Immunsystem und Ojas stärken

Mit bestimmten Heilpflanzen und Lebensmittel kannst du Ojas stärken, ebenso helfen regelmäßige Selbstmassagen (Abhyanga), das Zusammensein mit Menschen und regelmäßige Ruhephasen.

In ihrem Buch „Heilen mit der Kraft des Ayurveda. Über 100 alte Rituale für das moderne Leben“ (OT: The Ayurvedic Self-Care Handbook: Holistic Healing Rituals for Every Day and Season) stellt die amerikanische Ayurveda-Therapeutin und Yogalehrerin Sarah Kucera Selbstheilungsrituale für verschiedenste Situationen und Beschwerden vor. Einige Rituale zum Thema Immunsystem und Ojas stellen wir heute vor.

Sie alle haben ein gemeinsames Thema, das sich wie ein roter Faden durch sie hindurchzieht: Ruhe, Entschleunigung und Regeneration.

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Morgenrituale

Selbst gemachte Mandelmilch (10 Minuten)
Ergibt 4 Tassen (960 ml) oder 4 Portionen

Noch bevor Mandelmilch zum Ernährungstrend wurde, haben Ayurveda-Therapeuten dieses Getränk bereits selbst hergestellt und als heilsames Stärkungsmittel eingesetzt. Im Laden gekaufte Mandelmilch kann zwar immer noch ein hervorragendes Nährwertprofil haben, doch für den Wiederaufbau von Ojas gibt es nichts Besseres als selbst gemachte Mandelmilch. Mandeln sollen eine starke Affinität zu Ojas haben, und wenn man sie zu Milch verarbeitet, bringt man die Essenz ihrer heilenden Eigenschaften in eine leichter verdauliche, konzentriertere Form. Viele Menschen gehen davon aus, dass es zeitaufwendig oder kompliziert ist, Mandelmilch selbst herzustellen. Doch in Wirklichkeit dauert das nicht einmal zehn Minuten und hinterlässt kaum Unordnung in der Küche. Trink jeden Abend eine Tasse (etwa 240 Milliliter) dieser selbst gemachten Mandelmilch. Wenn du sie mit frisch gemahlenem Muskat bestreust, wirkt sie zusätzlich beruhigend.

Zutaten:

85 g rohe Mandeln, über Nacht in zimmerwarmem gefiltertem Wasser eingeweicht
½ TL Meersalz
1 TL echtes Vanillepulver oder ½ TL Vanilleextrakt (wahlweise)
2 Datteln, entsteint und 5–10 Minuten lang eingeweicht (wahlweise)
Heilpflanzenzusatz für eine besonders intensive Wirkung (wahlweise): 1 TL Chyavanprash

Zubereitung:

  1. Die Mandeln abgießen und zusammen mit Salz, Vanille und Datteln in einen Mixer geben. Wahlweise Chyavanprash hinzufügen.
  2. 960 ml gefiltertes Wasser in diese Mischung hineingeben und das Ganze 2 bis 3 Minuten lang cremig pürieren.
  3. Mit einem Seihtuch (über eine große Schüssel legen) oder mit einem feinmaschigen Sieb abseihen und die Mandelmasse so lange ausdrücken, bis die ganze Flüssigkeit ausgetreten ist. Die Rückstände kannst du für andere Zwecke aufbewahren (zum Beispiel trocknen und als Mehl zum Backen verwenden) oder kompostieren oder entsorgen.
  4. In einem luftdichten Behälter oder einer luftdichten Flasche kann die Mandelmilch im Kühlschrank bis zu fünf Tage lang aufbewahrt werden.

Meditation zur Erholung und Regeneration (5 Minuten)

Deine Gedanken können dir am meisten bei der Regeneration helfen. Schaffe dir mithilfe dieser Meditation einen inneren Rahmen, der dich beim Wiederaufbau deiner körpereigenen Abwehrkräfte und deines Ojas unterstützt. Du kannst sie im Sitzen mit nach oben zeigenden Handflächen oder auch im Stehen durchführen, wobei deine Füße etwas mehr als hüftbreit auseinanderstehen, die Knie leicht gebeugt sind und die Hände mit den Handflächen nach oben seitlich herabhängen. Schließ die Augen und beginn langsam, tief und gleichmäßig zu atmen. Nun richte dein Augenmerk auf einen Bereich deines Lebens, in dem du dich schwach oder unzulänglich fühlst. In welcher Hinsicht? Fühlst du dich finanziell unsicher, nicht ausreichend qualifiziert für deine Arbeit oder hast du das Gefühl, einfach nicht gut genug zu sein? Überleg dir ein aus ein bis drei Sätzen bestehendes Mantra, das dich als einen in diesen Lebensbereichen starken Menschen darstellt, zum Beispiel: »Ich habe mehr als genug in meinem Leben. Ich bin bereit für das, was auf mich zukommen könnte. Ich bin gut genug.« Sprich diese Sätze mehrmals vor dich hin und stell dir dabei vor, wie du dich in diesen Lebensbereichen von einem schwachen zu einem starken Menschen entwickelst. Nach drei bis fünf Minuten mach langsam die Augen auf und betrachte dein Leben aus dieser neuen Perspektive.

Mittagsritual

Gleichmäßige Atmung (Sama Vritti) (3 Minuten)

Gleichmäßiges Atmen kann dein Immunsystem stärken. Nimm dir nach dieser Übung Zeit, um innezuhalten und zu beobachten, wie du dich in körperlicher und seelischer Hinsicht fühlst. Betrachte diese Atemübung als Zufluchtsort, zu dem du jederzeit zurückkehren kannst, wenn der Tag für dich zu anstrengend wird.

Setz dich für diese Übung bequem und aufrecht hin. Beginne mit einem reinigenden Atemzug, indem du durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmest. Beim nächsten Einatmen atme durch die Nase und zählen dabei bis vier. Dann halte die Luft an und zähle wieder bis vier. Danach gleichmäßig durch die Nase ausatmen, bis vier zählen, die Luft anhalten und nochmals bis vier zählen. Damit ist ein Atemzyklus abgeschlossen.

Diese Atemübung sollte um die Tagesmitte durchgeführt werden, weil sie dann wie eine Art Neustart wirken kann. Obwohl es am besten wäre, sich dabei an einen besonderen Platz zu setzen oder mit einem Meditationskissen oder einer Decke auf dem Boden zu sitzen, ist es wichtiger, diese Übung regelmäßig jeden Tag zu machen – auch wenn dir manchmal vielleicht nichts anderes übrig bleibt, als sie am Schreibtisch in Ihrem Bürostuhl oder bei ausgeschaltetem Radio im Auto sitzend durchzuführen (aber natürlich nicht während des Fahrens!). Egal in welcher Umgebung: Bleib während dieser Atemübung stets präsent und achtsam, damit sie sich nicht einfach nur wie ein weiterer Punkt auf deiner Erledigungsliste, sondern wie ein echter Akt der Selbstfürsorge anfühlt.

Abendrituale

Tagebuch schreiben, um die Geschichte deines Lebens zu ändern (5 Minuten)

Wenn du niedergeschlagen bist oder dich schwach, abgeschlagen oder krank fühlst, verfällst du leicht in eine negative Geschichte, die du dann für dein tatsächliches Leben hältst. Dann erschaffst du vielleicht einen inneren Monolog um diese Geschichte herum und setzt den Teufelskreis auf diese Weise immer weiter fort. Aber du bist der Autor deiner Lebensgeschichte – also kannst du sie auch ändern! Versuche mithilfe der unten stehenden Tagebuch-Denkanstöße umzudenken und deine Lieblingsgeschichte zu leben.

  • Wie fühlst du dich im Augenblick?
  • Welche Sätze, die zu deiner jetzigen negativen Geschichte passen, redest du dir ein oder werden dir von anderen Menschen eingeredet?
  • Wie würdest du dich gerne fühlen?
  • Mit was für Sätzen wirst du deine neue Geschichte beschreiben?
  • Welchen Beitrag hast du heute zu deiner idealen Geschichte geleistet?
  • Welchen Beitrag wirst du morgen zu deiner idealen Geschichte leisten?

Stellung des Kindes (Balasana) (3 Minuten)

Dies ist eine der angenehmsten und beruhigendsten Yogapositionen. Sie erzeugt ein Gefühl des Gehalten- und Umsorgtwerdens; mit der zusätzlichen Stütze durch Decken wirst du dich dabei fühlen, als wärst du in den Mutterleib zurückgekehrt. Dafür brauchst du eine Yogarolle und eine oder mehrere Decken (einen Stapel von 15 bis 20 Zentimeter Höhe), die der Länge nach so gefaltet werden, dass sie genauso lang sind wie dein Rumpf.

Begib dich zunächst in eine kniende Position, wobei deine Füße einander berühren und die Knie weit gespreizt sind. Schieb die Yogarolle oder den Stapel aus Decken längs zwischen deine Knie. Dann beug dich aus den Hüften heraus nach vorn und streck deinen Rumpf über die Yogarolle oder die Decken. Breite eine weitere Decke über deinen Lendenwirbelsäulenbereich und dein Becken – oder bedeck deinen ganzen Körper mit einer Decke (dabei kann ein Übungspartner sehr hilfreich sein) – und versuch mithilfe dieses Gewichts einen möglichst starken Erdungseffekt zu erzielen. Du kannst die Arme dabei seitlich neben deinen Körper legen (wobei dein Kopf zur Seite gedreht auf dem Boden liegt) oder die Hände auf die Yogarolle oder die zusammengefalteten Decken legen und deine Stirn darauf abstützen. Bleib drei bis fünf Minuten lang in dieser Position und atme dabei ganz normal. Sobald du bereit bist, diese Position wieder zu verlassen, beweg dich ganz langsam und heb den Kopf zuallerletzt an.

(c) riva Verlag

Zum Weiterlesen:

Sarah Kucera: Heilen mit der Kraft des Ayurveda. Über 100 alte Rituale für das moderne Leben. riva Verlag 2019

Die hier gezeigten Rituale wurden mit freundlicher Genehmigung des riva Verlags abgedruckt.

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