Das Gayatri-Mantra gilt als die „Mutter der Veden“ und genießt auch im Yoga einen ganz besonderen Stellenwert. Welche Ur-Mysterien es enthält und warum es ein Instrument zur Erfüllung des göttlichen Plans darstellt

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Aus der Frühzeit Indiens ist uns ein Gebet überliefert, vielleicht das älteste der Menschheit überhaupt – das Gayatri aus dem Rgveda. Der Name Gayatri bezeichnet sowohl das Gebet als auch die über es waltende Göttin. Das Gayatri, ein machtvoller Hymnus an die transzendentale Sonne, wird nicht zu Unrecht die „Mutter der Veden“ genannt. Es wendet sich an die Sonne als Savitr, den Erzeuger, der in weiblicher Form dem Hauptgott Brahma als Gemahlin zur Seite steht. Als heilige Silbenfolge, Mantra, beinhaltet das Gayatri-Mantra die Schwingungen der geistigen Ur- und Zentralsonne. Goldene Strahlen transzendentalen Lichts verbinden uns mit dem höchsten schöpferischen Prinzip im All. Deshalb ist das Gayatri nie veraltet, sondern etwas Zeitloses, Zukunftsweisendes, über alles Relative Hinausreichendes. In dem jetzt anbrechenden Wassermann-Zyklus wird sich das Gayatri-Mantra als ein Instrument erweisen, die Energien des Neuen Zeitalters auf die Erde herabzubringen und den göttlichen Heilsplan zu erfüllen.

Bei einem Mantra sind Inhalt und Klangfolge gleicherweise bedeutsam. Während der Inhalt unser mentales Vermögen anspricht, bewirkt die Klangfolge höhergeistige Schwingungen, die unsere feinstofflichen Körper durchpulsen. Sie bewirken dort eine Reinigung und Durchlichtung, so dass wir der Wahrheit, über die wir meditiert haben, immer ähnlicher werden. Ein Mantra ist daher immer zugleich Sprechen und Gesang. Das Gayatri sollte von jedem geistig Höherstrebenden täglich meditiert werden. Verfasst ist es in einer sehr archaischen Form des Sanskrit, die man als das Altvedische bezeichnet, eine ungeheuer komplexe, schwer zu interpretierende Sprache. Man könnte, ausgehend vom Original-Wortlaut, das Gayatri-Mantra folgendermaßen ins Deutsche übersetzen:

Om. Die Erde, die Astralwelt, das Himmelreich. Jenes aber, das höchste göttliche Sein, wollen wir als die transzendentale Sonne verehrend anbeten.
Das spirituelle Licht der göttlichen Realität wollen wir meditierend betrachten, jenes höhere Geist-Bewusstsein, das unseren Verstand erleuchtet.

Gayatri-MantraWir wollen uns nun der Frage zuwenden, welche Philosophie dem Gayatri-Mantra zugrunde liegt. Das Gayatri enthält die Mysterien Ur-Indiens, ja der Ur-Menschheit. Es enthält alle Geheimnisse der altindischen Kosmogonie und Yogalehre, ebenso alle Elemente jener uralten, in den Veden niedergelegten arischen Weisheitsreligion, die vor Urzeiten den Eingeweihten aller Länder bekannt war und heute unter dem Namen Geheimlehre wiederauferstanden ist. Reinste Theosophie, in ihrer ursprünglichsten vedischen Form, durchlebt die Zeilen des Gayatri. Das Gedicht beginnt zunächst mit dem heiligen Om-Laut. In der Kathaka-Upanishad lesen wir: „Das Wort, das alle Veden überliefern und alle Bußen verkünden, das den Wunsch derer ausmacht, die in den heiligen Schülerstand treten, das sage ich dir kurz: es lautet ‚Om‘. Denn diese Silbe ist das Brahman, denn diese Silbe ist das Höchste. Wer sie begriffen hat, erreicht jeglichen Wunsch. Sie ist die beste Stütze, die höchste Stütze. Wer sie begriffen hat, wird erhöht in Brahmas Welt.“1

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