Die 8 Bewegungen der Wirbelsäule zählen für mich zu den wirksamsten Übungen aus dem Hatha Yoga, um die Wirbelsäule geschmeidig zu halten. Jeden Tag ausgeübt, hält diese Praxis sehr beweglich und unterstützt dich darin, auch im übertragenen Sinne flexibler zu werden – und zu bleiben.

Vor vielen Jahren kam ein älterer Herr zu mir. Er war damals 65 Jahre alt und Kettenraucher, steif wie ein Brett – aber sehr, sehr liebenswert. Ich dachte mir, dass er bestimmt nach der ersten Stunde nie mehr wieder kommen würde … Aber so ist das mit dem Denken … Wir übten zusammen die 8 Bewegungen der Wirbelsäule und wider meiner Erwartungen kam er immer wieder in meinen Unterricht und machte diese Übung täglich. Das Rauchen gab er auf und überhaupt wurde er immer offener und beweglicher. Nach 10 Jahren rief er mich an und meinte, dass sein Arzt ihm gesagt hätte, dass er die Wirbelsäule eines 50-Jährigen hätte.

Yoga wirkt, oder?!

Die Übung ist deswegen so wirkungsvoll, weil die Wirbelsäule in alle Richtungen sanft gedehnt wird. Durch die abwechselnde Stimulanz der beiden Körperseiten werden beide gleichermaßen angeregt und ausgeglichen. In Verbindung mit der gelenkten Atmung ist dieser Bewegungsablauf auch eine sehr gute Schulung der Konzentration. Erwiesenermaßen vertieft sich durch diese Übung nach und nach nicht nur die Flexibilität der Wirbelsäule sowie das Bewusstsein für den eigenen Körper.

Übe die 8 Bewegungen der Wirbelsäule

Ich persönlich mache diesen Ablauf gerne als eine in sich geschlossene Übungsreihe. Es gibt aber auch Yogalehrer, die, die 8 Bewegungen der Wirbelsäule gerne als Vorbereitung für den Sonnengruß verwenden. Und so geht’s:

  • Komme in einen aufrechten Stand. Die Füße sind parallel und dein Becken ist aufgerichtet.
  • Einatmend bringst du die Arme über die Seite nach oben, die Handrücken berühren einander.
  • Ausatmend dehnst du dich aus der Taille und bringst die Arme über vorne zum Boden. Diese Bewegung erfolgt aus dem unteren Rücken. Beuge die Knie leicht, um den unteren Rücken zu schonen.
  • Einatmend führst du die Handinnenflächen zusammen und richtest dich ganz langsam, Wirbel für Wirbel auf. Die Hände sind ganz eng am Körper. Bringe die Arme dann wieder Richtung Himmel. Die Aufrichtung geschieht aus der Taille heraus.
  • Die Handinnenflächen berühren sich weiter, während du dich ausatmend über die Seite nach rechts dehnst. Verwurzle dich dabei fest über die Füße mit der Erde und stell dir vor, dass dich jemand ganz sanft in die Länge zieht.
  • Einatmend kommst du zur Mitte zurück.
  • Ausatmend dehnst du dich über die Seite nach links, und streckst die Hände ebenfalls wieder Richtung Himmel, während du deine Füße im Boden verwurzelst.
  • Einatmend kommst du zur Mitte zurück. Ausatmend kommst du in den sogenannten Winkel: Die Oberarme befinden sich parallel zum Boden, die Unterarme sind angewinkelt, so wie ein Kerzenhalter. Die Handinnenflächen betrachten einander. Die Schulterblätter kommen zueinander. Drehe dich zur rechten Seite.
  • Einatmend kommst du zur Mitte zurück. Ausatmend drehe dich nach links und achte darauf, dass die Oberarme parallel zum Boden bleiben.
  • Einatmend kommst du zur Mitte zurück. Ausatmend kommst du in die sogenannte Tischhaltung: Der Oberkörper befindet sich parallel zum Boden, die Knie sind leicht gebeugt. Der Kopf ist in der Verlängerung der Wirbelsäule.
  • Einatmend hebst du die Fingerspitzen und den Kopf. Ausatmend bringst du die Hände zum Boden. Der Kopf entspannt sich Richtung Knie. Der Blick geht ebenfalls zu den Knien.
  • Einatmend drückst du den linken Arm in den Boden und hebst den rechten Arm Richtung Himmel. Der Blick folgt der Bewegung. Ausatmend kommt der rechte Arm zurück zum Boden.
  • Einatmend drückst du den rechten Arm in den Boden und hebst den linken Arm Richtung Himmel. Der Blick folgt der Bewegung. Ausatmend kommt der linke Arm zurück zum Boden.
  • Richte dich einatmend aus der Kraft der Oberschenkel wieder auf, während du die Arme über die Seite über dem Kopf wieder zusammenbringst. Ausatmend führst du die Hände vor dem Herzen zusammen und verneigst dich.

Führe die Übung anschließend zur linken Seite aus. D. h., dass du mit der linken Seite beginnst, während du dich ausatmend über die Seite nach links dehnst. Wiederhole diesen Ablauf ruhig einige Male und lege dich dann zum Nachspüren auf den Rücken und verweile hier. Diese Übung kannst du als kleine Pause im Büro machen, weil sie deine Konzentration stärkt. In der Natur macht sie ebenfalls viel Freude!

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Namaste!

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Doris Iding
Doris leitet Seminare, Fort- und Ausbildungen zum Thema Yoga, Meditation und Achtsamkeit. Nach dem Motto „Alles was ist, darf sein. Es gibt kein Richtig und Falsch, sondern immer nur die eigene subjektive Erfahrung des gegenwärtigen Moments“ ist es ihr sowohl in ihren Kursen als auch in ihren Artikeln und Büchern ein großes Anliegen, den Menschen zu vermitteln, dass es in der Praxis um Selbsterkenntnis geht, nicht aber um Selbstoptimierung. Begegnen wir uns also mit viel Selbstmitgefühl, Wohlwollen und Geduld, wird das Leben leichter und die Achtsamkeits- und Meditationspraxis erfüllender. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.

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