Hast du auch den Wunsch, mehr Yoga zu machen, weniger im Netz zu surfen, gesünder zu leben, mehr zu meditieren, weniger über andere zu reden oder weniger Plastik zu verwenden? Hier erfährst du, wie dir dieses Vorhaben gelingen wird.

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Kennst du diesen Impuls? Du liest einen Artikel über die gute Wirkung von Yoga und nimmst dir fest vor, Yoga ab heute zum festen Bestandteil deines Lebens zu machen. Motiviert fängst du an, hältst es auch eine Weile durch und machst jeden Abend eine halbe Stunde Yoga: das geht vielleicht drei Tage oder vielleicht auch drei Wochen gut. Aber dann kommt eine Party, eine spannende Doku und die Steuer, die unbedingt fertig gemacht werden muss und schon gerätst du wieder ins alte Fahrwasser und die neue Gewohnheit geht den Bach runter.

Ist also doch gar nicht so leicht, das Leben zu ändern, oder? Bevor du dich über dich selbst ärgerst und dein gut gemeintes Vorhaben aufgibst, mach dir bewusst, dass du gut daran tust, dein Gehirn als Compagnon für dieses Projekt zu gewinnen. Denn ohne seine Hilfe geht gar nichts!

Das Gehirn liebt Routine!

Wusstest du, dass fast die Hälfte unserer täglichen Handlungen Routine sind? Das Gehirn gibt Routinehandlungen deshalb den Vorrang, weil es durch die ewig gleichen Abläufe – egal ob gut oder schlecht – weniger Energie braucht, als wenn es jeden Tag etwas Neues ausprobieren würde. Für neue Erfahrungen braucht das Gehirn nämlich Energie, und zwar ziemlich viel. Stell dir vor, du müsstest jedes Mal neu lernen, wie du die elektrische Zahnbürste benutzt, die Spülmaschine bedienst oder die U-Bahn-Fahrkarte am Automaten kaufst. Das wäre ein enormer Zeit- und Energieaufwand. Gewohnheiten brauchen also wenig Energie und deshalb tut unser Gehirn am liebsten das, was es kennt. Paradoxerweise selbst dann, wenn es uns nicht guttut.

Wenn du also etwas Neues in dein Leben etablieren möchtest, dann denke dabei an die drei goldenen Regeln, um Gutes in dein Leben zu bringen.

Schritt für Schritt

Übernimm dich nicht! Möchtest du zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen Yoga machen oder meditieren, dann beginne mit einer kleinen Sequenz. Es reicht, wenn du mit sieben Minuten beginnst. Marc Whitwell nennt es das „7 Minuten Versprechen“, denn regelmäßig ausgeübt bewirkt diese Praxis schon eine riesige Veränderung sowohl körperlich als auch mental. Wenn dein Ziel jedoch eine 30-minütige Praxis ist, dann unterstütze dein Gehirn hier dahingehend, dass du vielleicht mit zwei Sequenzen á 15 Minuten beginnst. Vielleicht eine kleine Sequenz direkt nach dem Aufstehen und eine zweite nach dem duschen oder eine morgens und eine abends. Probiere aus, wie und wann du diese neue Gewohnheit am besten in deinen Alltag integrieren kannst.

Verbinde Altes mit Neuem!

Bilde Verhaltensketten. Sage dir zum Beispiel: Wenn ich morgens Yoga mache, dann mache ich es vor dem Frühstück. Das Frühstück ist dann gleich eine Art Belohnung und dann verbindet dein Gehirn deine Yogapraxis mit einem köstlichen Frühstück. Das Gute daran ist, dass die Belohnung unmittelbar auf die Tätigkeit folgt und du deinem Gehirn dadurch einen wunderbaren Anreiz bietest zu praktizieren. Die Belohnung ist deshalb so wichtig, weil sie für die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin sorgt und sich das positiv auf unser Körperempfinden und auf unsere Gefühle auswirkt. Verbinde diese positive Belohnung deshalb nach Möglichkeit von Anfang an mit deiner neuen Gewohnheit. Um zum Beispiel des Frühstücks zurückzukehren, so könntest du ja zum Beispiel zum gewohnten Frühstück einen Tee trinken, den du besonders gerne magst oder Früchte genießen, die du liebst.

Bleib dran!

Es heißt, dass es mindestens 30 bis 60 Tage dauert, bis sich eine neue Gewohnheit etabliert hat. Bleib also dran. Auch wenn du mal einen Tag ausgesetzt hast, so mach einfach weiter! Mach dich für den Aussetzer nicht klein und beschieße dich selbst auch nicht mit Schuldgefühlen oder Selbstvorwürfen. Mach einfach weiter. Tag für Tag!

Und mach bitte mit Freude weiter. Das, was du in dein Leben integrieren möchtest, sollte dir Spaß machen. Es soll dich bereichern und dich in die innere Freiheit führen. Das ist das Wichtigste. Denn wenn du eine neue Gewohnheit etablierst und diese dann funktionalisierst, dann wirst du auf einer tiefen Ebene nicht davon profitieren. Liebe was du tust! Und tu nur das, was du liebst.

Namaste!Anzeige

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse gilt der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.