Hier kommt ein Buchtipp für alle, die gerade unglücklich, traurig oder wehmütig sind: „Das Buch der Freude“ vom Dalai Lama, dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter und Desmond Tutu, dem emeritierten Erzbischof der anglikanischen Kirche in Südafrika.

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Der Dalai Lama und Desmond Tutu kennen die Höhen und Tiefen des Lebens, ebenso wie seine Herausforderungen und auch Wege, um damit gut umgehen zu können. Beide Männer sind Nobelpreisträger und haben sich für den Frieden eingesetzt. In ihrem Buch stellen sie die Freude als eine Möglichkeit dar, Schwierigkeiten mit einem Lächeln zu begegnen.

web_Celebration B (Tenzin Choejor Photo Credit)Schon bei der Betrachtung des Buchcovers und der Fotos der beiden im Buch wird ein Gefühl von Freude in mir geweckt. Ihr Lächeln, ihre positive Ausstrahlung und ihre wohlwollende Anteilnahme am Glück der anderen ist bereits spürbar, ohne auch nur eine Zeile des Buches gelesen zu haben.

Fünf Tage haben sich die „alten Herren“ getroffen, um über die Freude zu reden. Trotz ihres hohen Alters sehen sie wie verschmitzte kleine Buben aus, die für jeden Streich offen sind. Die Gespräche während der gemeinsamen Tage wurden für das Buch in unterschiedliche Themen eingeordnet: Tag 1 widmet sich dem Wesen der wahren Freude, Tag 2 und 3 beschäftigen sich mit den Hindernissen auf dem Weg zur Freude und Tag 4 und 5 sind den acht Säulen der Freude gewidmet.

web_Celebration A (Tenzin Choejor Photo Credit Credit)Geschrieben wurde „Das Buch der Freude“ von Douglas Abrams, der sich besonders für Projekte engagiert, die mehr Weisheit und Gerechtigkeit in diese Welt bringen, und der seit mehr als zehn Jahren als Desmond Tutus Co-Autor schreibt. Auf sehr feinfühlige Weise ist es ihm gelungen, die Stimmen der beiden Männer zusammenzuweben und seine eigene als Erzähler hinzuzufügen.

Im Buch wird beleuchtet, was Freude überhaupt ist und wie es möglich ist, dass sie so ein breites Spektrum an Gefühlen hervorrufen kann. Freude ist verbunden mit Gefühlen wie:

  • Vergnügtheit (vom Kichern bis zum herzhaften Lachen)
  • Zufriedenheit (einer stillen Form der Befriedigung)
  • Erregung (als Reaktion auf etwas Neues oder eine Herausforderung)
  • Erleichterung (die auf ein anderes Gefühl wie Angst, Anspannung oder auch Vergnügen folgt)
  • Staunen (über etwa Verwunderliches, Bewunderungswürdiges oder etwas, was unsere Vorstellungskraft übersteigt)
  • Ekstase oder Glückseligkeit (wenn wir außer uns sind vor Entzücken)
  • Jubel (wenn wir eine schwierige oder gefährliche Aufgabe gemeistert haben)
  • Strahlender Stolz (wenn unsere Kinder Erfolge feiern)
  • Dankbarkeit (wenn uns uneigennützige Hilfe zuteil wird)
  • aber auch Schadenfreude (das ungesunde Sich-Ergötzen am Leid anderer)

Weiter werden drei überschwängliche Arten von Freude aufgezählt:

  • Begeisterte Anteilnahme am Glück der anderen
  • Entzücken (Zufriedenheit, die nach außen strahlt)
  • Die strahlende Freude spiritueller Verwirklichung (eine stille, heitere Freude, die Ausdruck tiefgehenden Wohlbefindens und großen Wohlwollens ist; sie ist eher ein andauernder Zustand als eine flüchtige Emotion)

Durch die intensive Beschäftigung mit der Freude bekomme ich einen ganz neuen Eindruck von ihrer Komplexität und Subtilität.

Besonders interessant finde ich die Hindernisse auf dem Weg zur Freude. Diese sind:

  • Furcht, Stress und diffuse Ängste
  • Wut und Ärger
  • Traurigkeit und Kummer
  • Verzweiflung
  • Einsamkeit
  • Neid
  • Leiden und Schicksalsschläge
  • Krankheit und Todesfurcht

Demgegenüber stehen die acht Säulen der Freude:

  1. Der Blickwinkel auf etwas
  2. Bescheidenheit
  3. Humor
  4. Akzeptanz
  5. Vergebung
  6. Dankbarkeit
  7. Mitgefühl
  8. Großzügigkeit

Neben dieser differenzierten Auseinandersetzung mit der Freude erfährt der Leser auch sehr viel über die Freundschaft zwischen dem Dalai Lama und Desmond Tutu, und natürlich auch darüber, wie sie persönlich zur Freude stehen und was in ihnen dieses Gefühl auslöst.

Dieses Buch empfehle ich gerne, weil es mich auf so feine und fröhliche Weise mit der Freude verbindet. Am liebsten greife ich zu dem Buch, wenn ich traurig bin. Denn, so sagte der Dalai Lama einmal an anderer Stelle: „Zwei Gefühle können nicht zur gleichen Zeit existieren.“ Und das wird mir jedes Mal deutlich, wenn ich in dem Buch lese: Dann wendet sich mein Geist nach nur wenigen Zeilen wieder der Freude zu und ich kann förmlich wahrnehmen, wie sie nach und nach mein ganzes Sein zurückerobert.

Zum Weiterlesen:

Das Buch der FreudeDas Buch der Freude
Dalai Lama, Desmond Tutu & Douglas Abrams: Lotos Verlag 2016.
Bilder copyright: Tenzin ChoejorAnzeige