Ist mein Können als Yogalehrerin oder Yogalehrer ausreichend? Und wofür stehe ich eigentlich? – Über Erwartungen und Vorstellungen sowie das eigene Yogaverständnis als Basis für Selbstansprüche.
In meinen ersten Jahren als Lehrerin erwischte mich eine Erkältung, so dass mein Unterricht ausfiel. Als ich später erzählte, dass ich krank gewesen war, bemerkte eine Yogini: „Wirklich? Ich dachte, dass man mit Yoga erreicht, gesund zu bleiben. Offenbar war deine Praxis nicht gut genug.“ Was für eine interessante Erwartung an mich, und welch erstaunlicher Anspruch an die Wirkung von Yoga. Ein anderes Mal fragte mich eine Yogini, ob ich den vollen Lotussitz beherrsche. Ich verneinte, woraufhin sie sagte, dass ich wohl nicht gut genug sei und sie sich eine andere Lehrerin suche.
Beide Anekdoten verdeutlichen, dass es vonseiten der Teilnehmenden oft hohe Erwartungen an die Performance von Yogalehrern sowie auch gegenüber dem Yoga als solchem gibt. Unterrichte ich Yoga, werde ich nicht nur von Erwartungen von außen berührt, sondern muss mich selber fragen: Wie glaube ich, als Yogalehrender sein zu müssen?
Die Yogawelt ist voll von Ideen, Idealen und Moralvorstellungen – und sie wird auch von Trends und Lifestyle-Gedanken beeinflusst. Es gibt das Bild der hippen Yogalehrerin: fit, athletisch, selbstoptimiert, täglich übend, frei von Problemen, Ängsten oder d