Untersuchungen zu Folge haben die meisten Menschen einmal in ihrem Leben eine traumatische Erfahrung erlebt. Deshalb ist es wichtig zu wissen, was ein Trauma ist, wie sich die Folgen einer solchen Erfahrung auswirken können und wie wir im Yoga gut damit arbeiten können. Die folgenden Bücher stellen einen guten Überblick über die gegenwärtige Literatur dar.

Gleich vorweg mein persönliches Lieblingsbuch zum Thema Traumaheilung.

Bessel van der Kolk: Verkörperter Schrecken. Traumaspuren im Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann. G.P. Probst Verlag 2015

Dieses Buch stellt für mich ein Grundlagenwerk dar. Der Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School und Leiter des HRI Trauma Centers verbindet die neuesten Erkenntnisse aus Neurowissenschaft, Entwicklungspsychopathologie und interpersonaler Neurobiologie. Er zeigt auf, wie wir die Widerstandskraft unseres Gehirns nutzen können, um Heilung zu erfahren. Sehr anschaulich deckt van der Kolk die vielschichtigen Ursachen und verheerenden Folgen von Traumata auf. Er macht deutlich, wie viele Menschen traumatisiert sind. Es sind nicht nur Gewaltopfer, sondern auch Unfallopfer, Menschen, die familiären Missbrauch erlebt haben, solche, die im Krieg waren oder Naturkatastrophen überlebt haben. Und natürlich gibt es auch die vielen Menschen, die fliehen mussten und deren Traumafolgen zu einem akuten Problem werden. Die Lösungen, die hier dargestellt werden, sind ein heilsamer Weg, um Traumatisierten wieder Lebensenergie und Lebensfreude zu vermitteln.

Traumasensibles Yoga – TSY. Posttraumatisches Wachstum

Angela Dunemann, Regina Weise, Joachim Pfahl: Traumasensibles Yoga – TSY. Posttraumatisches Wachstum und Entwicklung von Selbstmitgefühl. Klett-Cotta 2017

Immer wieder haben wir Joachim Pfahl zu traumasensiblem Yoga befragt und auch auf sein Buch hingewiesen. Somit darf es auch an dieser Stelle nicht fehlen. Die drei Yogalehrer vermitteln ihre langjährigen Erfahrungen und zeigen auf, wie Yoga uns darin unterstützen kann, Heilung zu erfahren. Das Buch unterteilt sich in sieben Kapitel, die folgende Themen behandeln: Trauma – Der Verlust von Verbindung, Grundlegende Wirkweisen des Yoga, Traumasensibles Yoga oder TSY, Integration von Yoga in den wissenschaftlich-therapeutischen Kontext, Hirnforschung und Bewusstseinsforschung mit Bezug zum Yoga, Entwicklungspsychologische Nachreifung durch Yoga sowie posttraumatisches Wachstum und die Entwicklung von Selbstmitgefühl.

(c) Kailash

Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden. Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme. Kailash Verlag 2015

Auch wenn es in diesem Buch nicht explizit um Trauma geht, so gibt es hier zahlreiche stärkende Übungen für Menschen, die traumatische Erfahrungen erlebt haben. Die Psychologin zeigt auf, wie wir unser Selbst- und Urvertrauen stärken können. Dabei geht sie von einem verletzten „Schattenkind“ aus, das viele belastende und negative Glaubenssätze mit sich herumträgt. Auch wenn man Traumata nicht auf der kognitiven Ebene allein heilen kann, so sind hier doch viele Erklärungen, die hilfreich sind, um das eigene Verhalten langfristig zu ändern. Es beschreibt, wie wir mit dem Schattenkind in uns Frieden schließen können, um dann das „Sonnenkind“ mehr in das Leben zu integrieren.

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Wer noch tiefer einsteigen will, der kommt bei dem Arbeitsbuch mit gleichem Titel Das Kind in dir muss Heimat finden. In drei Schritten zum starken Ich auf seine Kosten. Hier gibt es noch einmal vertiefend schöne Übungen zur Stärkung des eigenen Sonnenkindes. Ein wirklich schönes Buch, dass dich darin unterstützen kann, dich mit Selbstliebe und Selbstmitgefühl zu versorgen. Wie heißt es so schön: Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät.

(c) G. P. Probst Verlag

David Emerson: Trauma-Yoga in der Therapie. Die Einbeziehung des Körpers in der Traumabehandlung. Eine Anleitung für Therapeuten. G. P. Probst Verlag 2015

Heute weiß man, dass man Traumata nicht nur über ein kognitives Verständnis heilen kann. David Emerson zählt zu den Pionieren im Bereich Traumayoga und er ist wohl auch einer der fundiertesten Therapeuten in dem Bereich. Die praxisorientierte Einführung, die er in diesem Buch vorstellt, beschreibt die Arbeit des Yoga-Therapieprogramms am Trauma Center in Brookline/Bosten und zeigt somit auf fundierte Weise, wie Therapeuten diesen Ansatz – das Traumasensible Yoga TSY – in ihre Arbeit integrieren können.

Er stellt viele hilfreiche und sehr kurze Übungen vor, die in einer Therapiestunde eine heilsame Unterstützung darstellen, um den Patienten zu stabilisieren und ihm einen Halt im eigenen Körper ermöglichen. Deshalb finde ich dieses Buch eine wertvolle und unterstützende Bereicherung für Therapeuten, die den Körper mit in die Arbeit einbeziehen möchten.

(c) Windpferd

Reginald A. Ray: Die Intelligenz des Körpers. Buddhistisch inspirierte Körperarbeit als Schlüssel zur Heilung und Selbstverwirklichung. Windpferd Verlag 2010

Für mich ein absolutes MUSS, wenn man Spiritualität leben möchte. Ray macht darauf aufmerksam, dass wir Erleuchtung nur über den Körper erfahren können. Alles andere ist abgespaltene Spiritualität und somit nicht vollkommen. Denn wenn wir den Körper mit all seinen physischen und psychischen Verletzungen nicht einbeziehen, ist eine vollkommene Heilung nicht möglich. Und die alten Verletzungen, die im Körper gespeichert sind, werden uns immer wieder davon abhalten, vollkommen in der Gegenwart und bei uns selbst anzukommen.

Aber auch dann, wenn Erleuchtung dich nicht interessiert, lohnt sich dieses Buch. Ray, der besonders durch seine Atemarbeit bekannt wurde, holt den Leser hier auf sehr sanfte Weise ab. Er zeigt, dass wir ein spirituelles Leben nur dann leben können, wenn wir geerdet sind und den Körper auf unserer Reise mit einbeziehen. Seine langjährige buddhistische Praxis und sein großes Mitgefühl kommen hier sehr zum Tragen.

(c) Arbor

David Treleaven: Traumasensitive Achtsamkeit. Arbor Verlag 2019

Besonders wichtig und hilfreich finde ich dieses Buch für alle, die sich mit Achtsamkeitsmethoden und MBSR beschäftigen bzw. diese in Kursen anbieten. Treleaven beschäftigt sich mit den negativen Auswirkungen von Meditation auf Traumatisierte. Meditation ist nämlich nicht für jeden Menschen gut, weil durch langes, stilles Sitzen mit geschlossenen Augen in der Meditation psychische Verletzungen an die Oberfläche kommen können. Das sind solche Erfahrungen, in denen ein Mensch sich in lebensbedrohlichen Situationen von seinen eigenen Empfindungen abgespalten hat, um überleben zu können. Aber wenn sie in der Meditation unvorbereitet an die Oberfläche kommen und den Betroffenen überfluten, kann dies sehr problematisch werden. Passiert so etwas unter der Anleitung eines Yoga-, Meditations- oder Achtsamkeitslehrers, der sich nicht mit Traumata auskennt, kann dieses Erlebnis für einen Menschen zu einer inneren Höllenfahrt werden. Der Autor des Buches, Psychotherapeut und Wissenschaftler Treleaven – selbst von sekundärer Traumatisierung mit Straftätern betroffen, – beschreibt solche Erfahrungen.

Zum Glück zeigt er aber auch auf, wie man die Meditationspraxis so modifizieren kann, dass Betroffene lernen können, sich in sich selbst wohl und geborgen zu fühlen. Er stellt fünf wesentliche Prinzipien vor, die gut anwendbar sind, um sie mit Betroffenen zu praktizieren. Sie vermitteln Sicherheit und Stabilität, sodass auch Betroffene von der positiven Wirkung eines Achtsamkeitstrainings oder von Meditationen profitieren können.

(c) Trias Verlag

Prof. Dr. med. Luise Reddemann, Dr. med. Cornelia Dehner-Rau: Trauma heilen. Ein Übungsbuch für Körper und Seele. Trias Verlag 2018

Neben fundierter Literatur aus dem Bereich traumasensibles Yoga hat auch das folgende Buch viel Hilfreiches zu bieten, wenn du mit traumatisierten Menschen Yoga machen möchtest, oder weißt, dass jemand aus deinem Kurs traumatisiert wurde. Reddemann, eine der wichtigsten Traumatherapeutinnen, beleuchtet Trauma aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Sie zeigt zusammen mit ihrer Co-Autorin auf, wie Traumata behandelt werden können, welche Behandlungen hilfreich sind, wenn Traumafolgestörungen auftreten und wie man mit Traumafolgestörungen umgeht. Sehr anschaulich zeigen die beiden auf, wie man die eigenen Ressourcen nutzen und wie man sich aus der Opferrolle befreien kann, und ermutigt dazu, ein Trauma als Wachstumschance zu nutzen. Ein empfehlenswertes Buch, welches sich durch die vielen einfachen Übungen auszeichnet. Auf den Serviceseiten finden sich darüber hinaus noch hilfreiche Adressen für Traumatisierte.

Solltest du noch weitere Buchtipps zum Thema haben, so freuen wir uns sehr, wenn du diese in den Kommentaren mit uns teilst!

 

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Doris Iding
Doris Iding ist Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin. „Selbstbewusstsein statt Selbstoptimierung“ spielen für sie die zentrale Rolle. Sie vermittelt, wie wir spielerisch und mit einem Augenzwinkern zu uns selbst finden können, ohne uns dabei in Oberflächlichkeiten zu verlieren. 18 ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.
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