In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Heilmittel mit einer langen Geschichte

Bei der Öffnung des Grabes von Tut-ench-Amun im Jahr 1922 fand man Süßholzwurzel. In der Antike kannte man schon ihre medizinische Wirkung, offenbar wurde sie vor allem gegen Husten, Asthma und Geschwüre sowie als Durstlöscher verwendet. Römische Soldaten hatten sie im Marschgepäck.

Das iranische Nomadenvolk der Skythen nutzte die wasserzurückhaltende Wirkung bei der Durchquerung von Wüs­ten. Auch Alexander der Große und seine Untergebenen sollen auf diese Art lange Feldzüge ohne Trinkwasser hinter sich gebracht haben.

In der chinesischen Medizin kennt man eine verwandte Süßholzart, die bei Geschwüren und anderen Hautkrankheiten sowie bei Husten und als Herztonikum verwendet wird.
Hier bei uns in Mitteleuropa sind Süßholz und Lakritze als Heilmittel seit dem Mittelalter bekannt. Im Jahr 1760 fügte der Apotheker George Dunhill einer Lakritze-Zubereitung Zucker hinzu und erfand damit die beliebte Nascherei.

Dosierung und Nebenwirkungen

Die Tagesdosis der zerkleinerten Wurzeln soll 5 bis 15 Gramm nicht überschreiten. Nach spätestens 8 Wochen soll eine Einnahmepause eingelegt werden, denn bei zu langer Anwendung / zu hoher Dosierung können kortisonähnliche Effekte auftreten. Das sind Wassereinlagerungen im Gewebe, Bluthochdruck, zu niedriger Kaliumspiegel im Blut. Vorsorglich sollte man während der Einnahme auf eine kaliumreiche Kost achten, das heißt, man sollte zum Beispiel mehr Bananen und getrocknete Aprikosen zu sich nehmen als gewohnt.

Süßholz soll nicht gleichzeitig mit Herzmitteln verwendet werden.
Auf keinen Fall anwenden bei schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Leberzirrhose, Bluthochdruck, geringem Blut-Kaliumgehalt oder in der Schwangerschaft.
Vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahren.

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Rezepte

In seinem „Großen Buch der Heilpflanzen“ (Weltbild Verlag, Augsburg 2006) schreibt der Apotheker Mannfried Pahlow, in der Volksmedizin werde pulverisierte Süßholzwurzel, mit Honig vermischt, bei Erkältungskrankheiten verwendet:

Einen halben Teelöffel Süßholzpulver, vermischt mit einem Teelöffel Honig, dreimal täglich einnehmen.

Aus Ursel Bührings Buch „Alles über Heilpflanzen“ (Ulmer-Verlag, Stuttgart 2007) stammen die folgenden Tee-Rezepte.

Süßholztee
1/2 TL geschnittene Süßholzwurzel mit 1 Tasse kaltem Wasser zum Kochen bringen, kurz kochen lassen und durch ein Sieb schütten. Von diesem Tee drei- bis fünfmal täglich eine Tasse trinken.

Teemischung gegen Sodbrennen und Gastritis
In der Apotheke aus folgenden Zutaten eine Mischung herstellen lassen: Je 30 g Melissenblätter, Kamillenblüten und Gänsefingerkraut, außerdem 10 g Schafgarbenkraut.
1 TL dieser Mischung mit einer guten Tasse voll heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abkühlen lassen. Von einer zweiten Mischung aus jeweils 50 g Eibisch- und Süßholzwurzel 1 TL mörsern, mit dem lauwarmen Tee übergießen, nach 20 Minuten abgießen und die gesamte Zubereitung schluckweise trinken.

Hustenteemischungen können vor der Zubereitung mit Süßholzwurzelstückchen vermischt werden. Dadurch wird ihre Wirkung verstärkt, außerdem schmeckt’s besser.

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