In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Jede Yoga-Übung ist der Ausdruck einer Bildgestalt. Über die Symbolik und Bedeutung der Asanas. Diesmal: Shavasana – die Totenstellung„So wie ein glücklicher Tag einen glücklichen Schlaf bringt, so bringt ein glückliches Leben einen glücklichen Tod.“                
Leonardo da Vinci

Praktiziere, und alles kommt. Entspanne dich, und alles geht. Shavasana ist vielleicht die wichtigste Stellung der Asanas, auch wenn sie oft zugunsten der aktiveren Asanas verkürzt wird. Das Wort „shava“ bedeutet „Leiche“, „Toter“. Die Position wird auch Mrtasana genannt, denn „mrta“ bedeutet „tot“ bzw. auch „der Tod“. In der Totenstellung liegt der Yogi ausgestreckt auf dem Rücken und schaltet alle äußeren Reize aus, um sich den inneren Kräften zu öffnen.

Die Wirkung von Shavasana auf Körper und Geist, auf die Fähigkeit zur Hingabe und Entspannung, auf unser Verhältnis zum Tod und sogar über den Tod hinaus, ist unglaublich. Shavasana lehrt uns, loszulassen, uns fallenzulassen und die dynamische Wechselwirkung zwischen Leben und Tod zu erkennen. Bedrohliche Gedanken über den Tod, die aus dem schlammigen Wasser des Geistes aufsteigen, klären sich in der Tiefe unserer Hingabe. Während der Geist dem Strom des Atems folgt, glätten sich langsam die bewegten Wasser. Das beste Anzeichen für ein gutes Shavasana ist das Gefühl tiefen Friedens und reiner Seligkeit.

In Shavasana sind alle Energien stillgelegt und symbolisch verewigt in der Figur von Shakti, die über dem Yogi tanzt. Getrennt von seiner femininen Seite – Shakti –, ist er nicht vollständig und so gut wie tot. Dieser Glaube wird in den Tantras zum Ausdruck gebracht: Shiva ohne Shakti ist Shava (eine Leiche). Shavasana schenkt uns die Erfahrung eines symbolischen Todes und zeigt uns, wie wir wieder neu geboren werden können.

„Der Tod ist das zeitliche Ende eines zeitlichen Phänomens. Der Tod bedeutet das Erlöschen des psychischen Lebens, der Wärme und des Bewusstseins eines Individuums in einer bestimmten Existenz. Der Tod ist nicht das völlige Auslöschen eines Wesens. Tod an einem Ort bedeutet Geburt an einem anderen Ort, so wie nach unseren herkömmlichen Begriffen der Sonnenaufgang an einem Ort den Sonnenuntergang an anderer Stelle bedeutet.“ (Narada: „A Manual of Abhidhamma“).

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Wirkungen
  • Stresshormone werden abgebaut.
  • Glückshormone werden ausgeschüttet.
  • Beruhigt den Kreislauf.
  • Die Aura kann sich während der Tiefenentspannung ausdehnen.
  • Stärkt innere Ruhe und Ausgeglichenheit.
  • Harmonisiert die durch die Asanas angeregten Energien in den Nadis und Chakras.
  • Entspannt den Körper und das Gehirn.
  • Hilft bei Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Müdigkeit.
  • Hilft, den Blutdruck zu senken.
  • Prävention für stressbedingte Krankheiten.
Anleitung zur Ausführung von Shavasana in 10 Schritten:
Jede Asana-Praxis sollte zum Abschluss Shavasana integrieren und würdigen. In Shavasana werden die zuvor in den Nadis und in den Chakras aktivierten Energien harmonisiert.
  1. 1. In Shavasana ist es essenziell, dass sich der Körper in einer neutralen Position befindet. Ausgangslage ist die Rückenlage mit aufgestellten Füßen.
  2. 2. Das Becken leicht anheben und die Rückseite des Beckens zum Steißbein ziehen, dann das Becken auf dem Boden ablegen.
  3. 3. Zuerst ein Bein, dann das andere Bein lang ausstrecken. Beide Beine und die Leisten entspannen.
  4. 4. Die Füße drehen sich gleichmäßig nach außen.
  5. 5. Die Hinterseite des Nackens nach unten zum Steißbein hin entspannen. Als Hilfsmittel kann eine Decke oder ein Kissen für den Nacken oder den Kopf verwendet werden.
  6. 6. Die Schultern entspannen sich zur Erde hin, und die Ohren sind gleich weit entfernt von den Schultern.
  7. 7. Die Arme gleichmäßig neben dem Körper ausstrecken, so dass die Handflächen nach oben geöffnet sind.
  8. 8. Bei Spannungen im Rücken ist es notwendig, Hilfsmittel zu benutzen. Kissen oder Decken können unter die Knie oder Waden gelegt werden, so dass der Körper vollkommen ruhen kann.
  9. 9. Die Zunge, die Nasenflügel, die Kanäle der inneren Ohren, die Haut der Stirn entspannen. Die Augen sinken in Richtung Hinterseite des Kopfes und dann nach unten mit dem Blick zum Herzen. Das Gehirn entspannt sich zur Rückseite des Kopfes hin.
  10. 10. Mindestens 10 bis 20 Minuten in Shavasana ruhen. Pro 30 Minuten Asana-Praxis sollte man 5 Minuten Shavasana praktizieren.

 

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