Brauchen wir im Yoga den „göttlichen Meister”?Immer wieder wird in den alten Texten die besondere Bedeutung des Yogameisters betont. Der Schüler hat hiernach der Lehre seines als Guru bezeichneten Meisters uneingeschränkt zu gehorchen und sein ganzes Leben auf ihn auszurichten. Andere halten kräftig dagegen. Allein schon der Begriff „Guru“ ist für sie negativ belegt. Die zahlreichen Fälle sexuellen und anderweitigen Missbrauchs in der heutigen Yogaszene sehen sie als Beleg dafür, dass das alte Konzept, das in den kleinen Männerzirkeln des traditionellen Indien vielleicht noch gepflegt werden konnte, heute nicht mehr funktioniert. Der moderne Mensch habe sich in den letzten Jahrhunderten mühsam aus der kirchlich wie staatlich verordneten Unmündigkeit befreit und sollte sich jetzt nicht wieder einer neuen, göttlichen Autorität unterwerfen. Brauchen wir im Yoga wirklich noch den göttlichen Meister?
Der heutige Gesundheitsyoga
Die Antwort auf diese Frage hängt zunächst davon ab, was man unter Yoga versteht. Geht es beim Yoga ausschließlich um körperliche Fitness, so ist mit Sicherheit kein göttlicher Meister notwendig. Wenn in unserem heutigen Gesundheitsyoga das Ziel des Übens darin besteht, dass Rückenschmerzen besser werden, sind andere Kriterien an einen guten Yogalehrer anzulegen. Man sollte nicht an einen Lehrer geraten, dessen Fähigkeiten ausschließlich auf einen vierwöchigen Crashkurs gründen. Eine s