Das vierte Kapitel: Kaivalya-Pada – was es zum Schluss noch zu sagen gibt.
Kaivalya-Pada
Allmächtig, allwissend – und bald allein? Was tun am Ende einer langen, vielleicht über unzählige Leben hinweg dauernden intensiven Reise, einer Sadhana, die den Yogi allmächtig und allwissend gemacht hat? Er könnte Gott spielen. Denn inzwischen beherrscht er die Prakrti, jene sich ständig verändernde, belebte und unbelebte, grob- und feinstoffliche Materie, so mühelos wie Neo die Matrix.
Eigentlich ist mit dem letzten Sutra des dritten Kapitels, des Vibhuti-Pada, alles gesagt, was man für die finalen Schritte zu Kaivalya, der Isolation des Purusha von der Prakriti, wissen muss: „Wenn die Reinheit der sattvischen Buddhi (des Intellekts) der des Purusha entspricht, findet Kaivalya statt.“ (YS 3.55) Denn in diesem Zustand ist die Buddhi frei von alten Eindrücken (Samskaras), die zu Kleshas, den inneren Leidverursachern, und damit zu neuem Karma führen können. Solange aber Karma vorhanden ist, wird es Wiedergeburten geben, und der Purusha bleibt an Prakrti gebunden. Ist die Buddhi jedoch sattvisch, also rein, weil frei von Eindrücken, von Karma und von Kleshas, dann wird sie zum Spiegel für Purusha. Und dieser erkennt sich in ihr selbst – und kann, wie es YS 1.3 als Ziel proklamiert, in seiner wahren Natur ruhen.
Der letzte bewusste Akt der Buddhi ist, den Unterschied zwischen sich und d