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Indiens heilige Pflanzen

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Mythologische Bäume – Symbole göttlicher Kräfte

Dieser Artikel bildet den zweiten Teil der Abhandlung über die heiligen Pflanzen Indiens und widmet sich den mythologischen Bäumen, die in den alten Schriften, Epen und Tempeltraditionen eine herausragende Rolle spielen.

Kalpa-Vrksha – der Baum der Erfüllung

Der Kalpa-Vrksha, auch als der wunscherfüllende Baum des Lebens bekannt, taucht erstmals im Rgveda auf. Er war eines der wertvollen Juwelen, die während des Samudra-Manthana aus dem kosmischen Milch-Ozean hervorgingen. Zunächst wuchs der Kalpa-Vrksha auf der Erde, doch als die Menschen begannen, ihn für böse Wünsche zu missbrauchen, entschied Indra, der König der Götter, den Baum in den himmlischen Bereich (Devaloka) zu verlagern. Dies führte zu einem endlosen Konflikt zwischen den Asuras (Dämonen) und den Devas (Göttern), da die Devas von den Früchten des Baumes lebten, während die Asuras in Armut an seinen Wurzeln vegetierten.

Der Kalpa-Vrksha wird allerdings nicht nur als magischer Baum betrachtet, der Wünsche erfüllt, sondern er wird auch als die Milchstraße interpretiert, der Geburtsort des Sterns Sirius. Eine Legende über den Baum, die im Bhishmaparva des Mahabharata überliefert wird, beschreibt, wie die Siddhas, die im Land Uttarakuru lebten, den Kalpa-Vrksha verehrten. Einige seiner Zweige verschenkten Milchströme, die wie Nektar schmeckten und alle sechs Geschmacksrichtungen beinhalteten. Andere Zweige brachten Kleidung, Schmuck und sogar Menschen von außergewöhnlicher S

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Leben im Jahreskreis – Lammas und die Herbst-Tagundnachtgleiche

In dieser sechsteiligen Serie stellen wir die acht keltischen Jahreskreisfeste vor. Dazu gibt es passende Rituale. Teil IV: Einen Schnitt machen und die Ernte feiern

Die Sonne, der Mond und alle Lebewesen im Kosmos bewegen sich zyklisch durch Zeit und Raum. Der keltische Jahreskreis beschreibt den stetigen Wandel der Jahreszeiten sowie die Sonnen- und Mondzyklen. In der Naturspiritualität wird der Jahreskreis als eine Landkarte des inneren Lebens verstanden. Er ist ein Symbol für den unendlichen Kreislauf von Wachstum, Ernte, Ruhe und Erneuerung.

Im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben und sich im Jahreskreis zu verankern, bringt Erdung und Balance – zwischen Licht und Dunkel, Wachsein und Schlafen, dem aktiven Tun und Gestalten und dem Genießen und Empfangen.

Lammas – Lughnasadh – Tag der Schnitterin am 1. August

Feel me now as bountiful mother.
I am fertility and creativity.
I am the abundance of the harvest.
I am the abundance of life.
I create and nurture all being.
My golden cloak is the ripening grain.
Pause a moment whenever you eat.
Feel my presence.
I am your
nurturing mother.

(Segensspruch zu Lammas)

Wir fahren durch die Uckermark, vorbei an Wiesen voller Heuballen. Mein Freund Max sagt: „Ich wäre gern ein Heuballen." „Warum?", frage ich. „Es ist eine Seelenverwandtschaft." In der Nähe von Heuballen fühlt er sich s

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Übungen bei Nackenverspannung

Eine sanfte yogatherapeutische Praxis kann bei Nackenverspannung helfen: Kräftigende Übungen stabilisieren die Schulterblätter, dehnende Übungen lösen festhaltende Muskel-Faszien-Züge, Mobilität harmonisiert das Gleichgewicht. So kann eine entlastende Länge entstehen

Nackenverspannungen wirken auf den ersten Blick oft wie ein lokales Problem: Ein Muskel ist hart, der Kopf lässt sich schlechter drehen, vielleicht zieht es bis in die Schultern oder zum Hinterkopf. Doch meist ist der Nacken nicht allein die Ursache. Häufig kompensiert die Halswirbelsäule, was Schulterblätter, Brustwirbelsäule, Brustkorb oder Atemmuster nicht ausreichend übernehmen. Deshalb genügt es oft nicht, nur den Nacken zu dehnen. Im Gegenteil: Zu intensives Ziehen am Hals kann den Schutztonus sogar verstärken. Yogatherapeutisch sinnvoller ist es, die mechanischen Bedingungen zu verbessern, unter denen der Nacken sich überhaupt entspannen kann. Dabei stehen vier Prinzipien im Mittelpunkt:

A: die Schulterblattanbindung mobilisieren und stabilisieren

B: den Schultergürtel frei werden lassen

C: die Halswirbelsäule mobilisieren und aktiv stabilisieren

D: Länge schaffen und Spannung aus dem System nehmen

Diese vier Prinzipien greifen ineinander: Erst wird die Schulterblattanbindung mobilisiert und stabilisiert. Dann darf der Schultergürtel Spannung loslassen. Anschließend wird die Halswirbelsäule fein bewegt und aktiv geführt. Zum Schluss entsteht Länge – nicht erzwungen, sondern eingeladen. Nutz diese Übungen präventiv. Bei konkreten Beschwerden solltest du diese medizinisch abklären lassen.

A. Die Schulterblatt­anbindung mobilisieren u
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ePaper: YOGA AKTUELL 159

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Wenn das Herz nach Ruhe ruft – Yoga als Unterstützung bei Bluthochdruck

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Was B.K.S. Iyengar, André Van Lysebeth, moderne Yoga-Forschung und ein Kardiologe gemeinsam über Bluthochdruck verstanden haben

Eine Teilnehmerin eines meiner Yogakurse, die ihren Blutdruck inzwischen gut über Yoga und eine bewusstere Lebensweise begleiten kann, beschreibt es ziemlich schlicht: „Ich merke es zuerst im Körper – bevor ich es im Kopf verstehe.“

Ein leichtes Pochen im Kopf. Schlaf, der nicht mehr wirklich tief wird. Eine innere Unruhe, die sich nicht direkt greifen lässt. Viele Menschen erleben genau so den Moment, in dem sie zum ersten Mal mit erhöhtem Blutdruck konfrontiert werden. Und fast immer folgt dieselbe Geschichte: mehr Stress, weniger Regeneration, zu wenig Schlaf, zu viel Spannung im System. Bluthochdruck ist längst eine Volkskrankheit geworden. Und vielleicht ist er gleichzeitig auch ein stiller Ausdruck unserer Zeit. Unterschiedliche Perspektiven – aus Yoga, Atemarbeit und moderner Kardiologie – treffen dabei auf einen gemeinsamen Punkt: Der Körper reguliert sich schlechter, wenn er dauerhaft im Alarmmodus bleibt.

Entlastung statt Kampf – eine Beobachtung aus dem Yoga

B.K.S. Iyengar hat Yoga nicht als Wellnesspraxis verstanden, sondern als präzise Arbeit mit dem Körper. Im Verlauf seines Lebens richtete sich sein Blick immer stärker auf die Frage, wie Entlastung wirkt. Gerade bei Menschen mit Bluthochdruck fiel ihm auf: Nicht mehr Anstrengung hilft, sondern das Gegenteil. Die äußere Form ist ruhig. Entscheidend ist die innere Erfahrung: Der Körper darf loslassen.

Ein System, das nicht dauerhaft in Anspannung gehalten wird, kann leichter in einen Zustand der Beruhigung übergehen. In seinem Standardwerk Light on Yoga nennt B.K.S. Iyengar Halasana (Pflug), Janu-Shirshasana (Kopf-zum-Knie-Haltung), Pashchimottanasana (intensive Vorwärtsbeuge im Sitzen), Virasana (Heldensitz) und Shavasana (Totenstellung) als unterstützende Asanas bei erhöhtem Blutdruck. Ergänzend werden im Iyengar Yoga heute insbesondere empfohlen:

  • Viparita Karani
  • länger gehaltene, gut gestützte Shavasana-Formen
  • unterstützte Vorwärtsbeugen
  • sanfte, regenerative Rückbeugen

Der Atem als Zugang zum Nervensystem

André Van Lysebeth war ein direkter Schüler von Swami Sivananda und gehörte zu den frühen Yogalehrern, die Yoga systematisch in den Westen gebracht haben. Sein besonderer Beitrag lag darin, traditionelle Praxis so zu vermitteln, dass sie körperlich nachvollziehbar und zugleich in ihrer Tiefe erhalten bleibt.

In seinen Büchern, darunter Pranayama – Die dynamische Kraft des Atems und Die Kraft des Atems, beschreibt er den Atem nicht als Nebenaspekt der Yogapraxis, sondern als zentrales Bindeglied zwischen Körper und Geist. Pranayama ist für ihn keine abstrakte Technik, sondern eine konkrete Erfahrung von Regulation – spürbar im eigenen System. Immer wieder kehrt bei ihm ein einfacher Gedanke zurück: Der Atem verändert den Zustand des Menschen unmittelbar. Ein ruhiger Atem führt oft zu mehr innerer Ruhe, ein angespannter Atem entsprechend zu mehr Aktivierung. Heute lässt sich diese Sicht gut mit Erkenntnissen der Stressforschung verbinden. Der Atem beeinflusst Herzfrequenz, Muskeltonus und die Aktivität des vegetativen Nervensystems. Besonders die verlängerte Ausatmung wird dabei häufig als beruhigend und regulierend beschrieben. Im Zentrum seiner Praxisvermittlung stehen deshalb einfache Prinzipien:

  • ruhige Bauchatmung
  • gleichmäßiger Atemrhythmus
  • keine forcierte Technik
  • Entlastung statt Kontrolle

Bei der Bauchatmung hebt sich der Bauch beim Einatmen und senkt sich beim Ausatmen. Diese natürliche, entspannende Atemweise kann im Sitzen, Stehen oder Gehen geübt werden.

Diese Sichtweise wirkt heute erstaunlich anschlussfähig an das, was auch die moderne Stressforschung beschreibt. Nur die Sprache hat sich verändert. Wo Van Lysebeth noch von Erfahrung und Praxis spricht, arbeiten heutige Studien mit Begriffen wie Herzratenvariabilität, vagaler Aktivität und Stressregulation. Im Kern geht es jedoch um dieselbe Frage: Wie findet der Mensch aus einem Zustand innerer Überaktivierung wieder in eine stabilere Regulation zurück?

Was die Forschung heute vorsichtig zeigt

Die moderne Forschung beschreibt Yoga bei Bluthochdruck zurückhaltend, aber durchaus konsistent als mögliche unterstützende Maßnahme – vor allem über Stressregulation. Besonders untersucht werden langsame Atemübungen, Meditation, Yoga-Nidra, regenerative Yogaformen und achtsame Bewegung. Mehrere Übersichtsarbeiten und Metaanalysen deuten darauf hin, dass regelmäßige Yogapraxis den Blutdruck bei manchen Menschen positiv beeinflussen kann. Die Studien unterscheiden sich zwar in Qualität, Umfang und Methodik, dennoch zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Vor allem Praktiken, die Entspannung fördern und das Nervensystem beruhigen, scheinen relevant zu sein. Forscher diskutieren dabei verschiedene Mechanismen. Eine Rolle spielen möglicherweise die Aktivität des Parasympathikus, die Regulation von Stresshormonen sowie die Fähigkeit des Körpers, schneller von Anspannung in Erholung zu wechseln. Wichtig ist jedoch: Yoga ersetzt keine medizinische Behandlung. Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen vor allem das Potenzial einer unterstützenden Praxis, die andere Maßnahmen sinnvoll ergänzen kann.

Ernährung, Fasten und innere Balance

Neben Yoga und Atemarbeit spielt in der traditionellen Betrachtung auch die Lebensweise eine Rolle. Im Ayurveda wird eine leichte, frische und gut verdauliche Ernährung oft als unterstützend für ein ausgeglichenes inneres System beschrieben – immer im Zusammenhang mit der individuellen Konstitution (Prakrti), also je nachdem, ob ein Mensch eher Vata-, Pitta– oder Kapha-dominant ist und welche Ernährungsweise ihn entsprechend in Balance hält.

Praktisch zeigt sich das in einer einfachen Orientierung: Vata-Typen profitieren häufig von eher warmen, nährenden und regelmäßig eingenommenen Mahlzeiten, Pitta-Typen eher von kühlenden, milden und nicht zu scharfen Speisen und Kapha-Typen eher von leichter, warmer und anregender Kost. Entscheidend bleibt dabei weniger ein starres Regelwerk als die eigene Wahrnehmung:

Welche Lebensmittel fördern Wohlbefinden, Stabilität und Klarheit? Auch im Yoga findet sich dieser Gedanke in der Idee einer sattvischen Ernährung – also einer einfachen, klaren und ausgleichenden Ernährungsweise, die den Körper nicht zusätzlich belastet und eher zu innerer Ruhe beiträgt. In modernen integrativen Ansätzen wird außerdem das Thema Fasten wieder stärker diskutiert. Gemeint sind hier vor allem bewusste Esspausen, die den Organismus entlasten können – ohne dogmatischen Anspruch. Der gemeinsame Nenner dieser Perspektiven ist schlicht: Ein System, das nicht ständig verdauen, verarbeiten und reagieren muss, wirkt oft ruhiger in seiner Regulation.

Ein Blick aus der Kardiologie

Der Kardiologe Pradip Jamnadas beschreibt Bluthochdruck häufig nicht als isoliertes Problem, sondern als Ausdruck eines größeren Lebenszusammenhangs. In seinen Vorträgen betont er immer wieder, dass Hypertonie selten nur ein „Zahlenproblem“ sei. Aus seiner Sicht spielen chronischer Stress, Insulinresistenz, Schlafmangel und mangelnde Regeneration häufig eine wichtige Rolle. Was er beschreibt, ist ein Körper, der dauerhaft unter Spannung steht – unabhängig davon, über welchen Weg diese Spannung entsteht. Sein Ansatz aus Ernährung, Fasten, Bewegung und Stressreduktion berührt damit einen ähnlichen Kern wie Yoga: die Frage nach Regulation statt Überlastung.

Yoga als Regulation – nicht als Leistung

Vielleicht lässt sich Yoga in diesem Zusammenhang neu verstehen. Weg von Leistung. Weg von Optimierung. Hin zu Regulation. Eine Haltung, in der der Körper nicht reagieren muss. Ein Atem, der nicht gedrückt wird. Ein Nervensystem, das für einen Moment Sicherheit erfährt. Aus dieser Perspektive wird verständlich, warum sanfte Formen oft als besonders ausgleichend erlebt werden.

Der Körper reagiert nicht nur auf Belastung. Er reagiert auch auf Entlastung.

Was sich in der Praxis bewährt hat

Sowohl traditionelle Erfahrung als auch Forschung weisen in ähnliche Richtungen. Als unterstützend gelten häufig:

  • Viparita Karani
  • Shavasana
  • unterstützte Vorwärtsbeugen
  • Yoga-Nidra
  • langsame Bauchatmung
  • sanfte Wechselatmung ohne Druck
  • Meditation

Zurückhaltend betrachtet werden:

  • intensive Atemtechniken mit Druck
  • starkes Atemanhalten
  • sehr fordernde, dynamische Praxis
  • extreme Hitze oder Überforderung

Oft geht es weniger darum, mehr zu tun, sondern eher darum, weniger Spannung zu erzeugen.

Vielleicht beginnt es genau dort

Wir leben in einer Zeit, die Geschwindigkeit belohnt. Der Körper folgt dieser Logik nur begrenzt. B.K.S. Iyengar hat diesen Zusammenhang über die Entlastung des Körpers erforscht, André Van Lysebeth über den Atem. Die moderne Forschung beschreibt ihn in physiologischer Sprache, die Kardiologie nähert sich ihm über Stoffwechsel, Nervensystem und Stressregulation erneut an.

Vielleicht ist der gemeinsame Nenner schlicht: Der Körper findet leichter in die Ruhe, wenn er nicht dauerhaft im Modus des Kampfes gehalten wird. Und vielleicht liegt genau darin eine der stillen, aber zentralen Qualitäten des Yoga.

Quellen (Auswahl):

  • K.S. Iyengar: Light on Yoga
  • André Van Lysebeth: Pranayama – Die Dynamik des Atems
  • Cramer et al.: Metaanalysen zu Yoga und Hypertonie
  • Innes et al.: Yoga und kardiovaskuläre Gesundheit
  • S-VYASA Forschungsarbeiten
  • Herbert Benson: Relaxation Response
  • Brown & Gerbarg: Forschungen zu Atem und Stressregulation
  • Pradip Jamnadas: Vorträge zu metabolischem Syndrom und Hypertonie

Hinweis: Yoga kann bei erhöhtem Blutdruck eine wertvolle unterstützende Praxis sein, ersetzt jedoch keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Wer an Bluthochdruck leidet, sollte Veränderungen der Therapie immer mit qualifizierten medizinischen Fachpersonen besprechen.

Der stille Wächter in dir

Traumatische Erfahrungen sitzen tief in unseren Zellen. Tiefer, als uns lieb ist. Die gute Nachricht: Heilung ist trotzdem möglich.

Vielleicht kennst du eine solche Situation: Du sitzt vollkommen entspannt in deinem Wohnzimmer auf dem Sofa und hast eine Tasse Tee in der Hand. Nach dem Tee willst du meditieren. Du freust dich so richtig auf eine Zeit nur für dich, auf einen entspannten Abend mit dir selbst. Der Kamin brennt, der Raum ist wohlig warm, und niemand stört dich. Du fühlst dich wohl und irgendwie auch sicher. Und trotzdem rumort immer wieder etwas in dir und lässt nicht zu, dass du dich so richtig in das Sofa und den Tee hineinentspannen kannst.

Kommt dir diese Situation vertraut vor?

Es ist diese diffuse Unruhe, die so viele Yogis so gut kennen. So, als sei dieses Gefühl ein Teil von uns selbst. Dieses leise Grundrauschen, das sich nicht abstellen lässt, egal wie sehr wir uns bemühen, rational zu bleiben. Ein Teil von dir sagt dir immer wieder: „Ich bin doch sicher!“ Und gleichzeitig gelingt es dir nie, dich körperlich ganz zu entspannen.

Solltest du dich hier wiedererkennen, dann möchte ich dir gerne eine Erklärung dafür geben, die es dir möglicherweise leichter macht, dein Verhalten einzuordnen. So erging es mir zumindest. Für mich fügten sich immer mehr Puzzleteile in mir zusammen, als ich begann, mich mit einem wichtigen Aspekt der modernen Traumaforschung zu beschäftigen: mit Neurozeption. Und mit der Frage, was Sicherheit wirklich bedeutet. Und zwar nicht als kognitives Konzept im Kopf, sondern als gelebter Zustand im Körper.

Das Nervensystem, ein schlafloser Wächter

Der Neurowissenschaftler Stephen Porges hat mit seiner Polyvagal-Theorie etwas beschrieben, das viele von uns intuitiv kennen, aber selten in Worte fassen können. Unser hochintelligentes autonomes Nervensystem scannt in jeder Sekunde unseres Lebens die Umgebung – und das nicht bewusst, nicht aus einer aktuellen Bedrohung heraus, sondern vollkommen automatisch. Es sucht dabei permanent nach Signalen, die uns sagen, wo wir sicher sind, ob eine Gefahr herrscht oder ob wir uns entspannen können.

Diesen autonomen Wahrnehmungsprozess nennt Porges Neurozeption. Dabei handelt es sich eben nicht um eine kognitive, bewusst gesteuerte Wahrnehmung, sondern um etwas Automatisches. Die Neurozeption arbeitet unter der Schwelle des Bewusstseins. Sie lauscht permanent in das Innere des Körpers hinein, nimmt Signale aus der Umwelt auf, liest Gesichter und Stimmen aus und muss dann blitzschnell entscheiden: Parasympathikus oder Sympathikus? Verbindung oder Rückzug? Öffnung oder Schutz? Flucht oder Angriff?

Registriert das Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit, dann befinden sich Sympathikus und Parasympathikus in einem harmonischen Zusammenspiel oder genauer gesagt innerhalb dessen, was in der Traumaforschung als Stresstoleranzfenster bezeichnet wird. Damit gemeint ist ein Zustand, in dem wir mit uns selbst und mit anderen in Verbindung sind und uns dabei selbst regulieren können. Wir entspannen uns und haben das Gefühl, lebendig und Teil von etwas zu sein.

Der Wächter auf Daueralarm

Aber wenn das Nervensystem durch frühe Erfahrungen anders kalibriert wurde, ist dieses Gefühl der Entspannung leider nicht möglich. Besonders bei Menschen, die frühe traumatische Erfahrungen gemacht haben, meldet die Neurozeption – dieser innere stille Wächter – dauerhaft Gefahr. Und zwar auch dann, wenn objektiv keine besteht.

Menschen, die Entwicklungstraumata, Bindungstraumata oder pränatale Belastungen erlebt haben, tragen sogar eine tiefe zelluläre Erinnerung in sich, die dem Nervensystem permanent signalisiert: Sei ja wachsam! Vertrau bloß niemandem! Es ist nicht sicher!

Das Tragische daran ist, dass diese Erinnerungen nicht in Form von Geschichten oder Bildern im Präfrontalkortex gespeichert sind. Stattdessen sitzen sie im impliziten Körper- bzw. Zellgedächtnis, jenseits von Sprache und Kognition. Schon im Mutterleib beginnt die Prägung: Wenn eine Mutter während der Schwangerschaft unter hohem Stress steht oder Gewalt erlebt, empfängt das heranwachsende Kind auf hormoneller und biochemischer Ebene exakt dieselben Signale wie die Mutter. Sie sind eingebrannt in die Zellen. Nicht in Form eines Narrativs oder eines Bildes oder eines Gedankens. Diese zelluläre Information sagt permanent: Die Welt ist bedrohlich! Lass nicht die Kontrolle los!

Inzwischen belegen auch zahlreiche Studien, wie viel ein Embryo oder Fötus im Mutterleib mitbekommt und wie sich diese Erfahrungen auf zellulärer Ebene einprägen. Das Ergebnis ist eine Neurozeption, die Gefahr und Sicherheit nicht mehr zuverlässig unterscheiden kann. Das Nervensystem bekommt aus dem Inneren des Körpers ständig die Botschaft, auf der Hut sein zu müssen, und so entsteht ein Zustand chronischer Anspannung. Daraus können sich Ängste, Panikattacken, Erschöpfung, diffuse körperliche Symptome oder auch Autoimmunreaktionen entwickeln. Der Körper kämpft nur nicht mehr gegen eine wirkliche Bedrohung, sondern gegen sein eigenes Gedächtnis.

Vernunft allein reicht nicht aus

Vielleicht kannst du dir auch vorstellen, dass du solche zellulären Erinnerungen hast. Und auch dann, wenn es noch so schön, noch so gemütlich ist: Du weißt zwar im Kopf, dass du gerade sicher bist. Du hast es dir selbst erklärt, vielleicht sogar hundertmal. Und trotzdem bleibt dieses nagelnde Gefühl, dass du auf der Hut sein musst. Und hier ist Selbstmitgefühl statt Selbstanklage angesagt: Das ist kein Versagen deines Willens. Das ist pure Neurobiologie.

Die Neurozeption arbeitet wie gesagt unterhalb der kognitiven Ebene. Das autonome Nervensystem kann Informationen aus dem impliziten Körpergedächtnis nicht durch rationale Argumente überschreiben. Ein Gedanke wie „Ich bin sicher!“ ist wertvoll. Und er ist sogar eine wichtige Voraussetzung für Heilung. Aber er ist keine ausreichende Antwort auf das, was im Körper gespeichert ist. Hier liegt ein häufiges Missverständnis in der Traumaarbeit: Sicherheit zu begreifen und Sicherheit zu fühlen sind zwei grundverschiedene Dinge.

Sicherheit lernen – Schritt für Schritt

Die gute Nachricht lautet (und das weiß ich aus Jahren therapeutischer Begleitung und aus eigenem Erleben): Es gibt einen Weg heraus. Auch bei tief verwurzelten Prägungen im Nervensystem ist Heilung möglich. Der kleine Wermutstropfen: Diese Heilung braucht Zeit, Selbstmitgefühl und Übung. Aber sie ist real.

Der erste Schritt ist das Schaffen äußerer Sicherheit: Gibt es in deinem Leben Menschen, bei denen du dich wirklich sicher fühlst, und zwar bedingungslos? Gibt es einen Ort, einen Raum, wo du zur Ruhe kommst? Gibt es Tätigkeiten, die dein Nervensystem regulieren? Bewegung, Naturspaziergänge, Yoga, kreatives Tun, Stille? Diese äußeren Anker sind nicht die Lösung des Problems im Nervensystem, aber sie sind der Boden, auf dem Heilung beginnen kann.

Was dann ansteht, ist das, was in der somatischen Traumaarbeit als Selbstregulation bezeichnet wird: die Fähigkeit, das eigene Nervensystem von innen heraus zu beeinflussen, zu halten und zu beruhigen. Und damit verbunden das Entwickeln von Containment, einem inneren Halt, der dir nach und nach erlaubt, die im Körper gespeicherte Überlebensenergie zu spüren, ohne dabei das Stresstoleranzfenster zu verlassen.

Das Pony vor dem Rennpferd

Es gibt eine wunderschöne Metapher, die den Prozess der Heilung beschreibt. Stell dir vor, das Ziel wäre, eines Tages sicher auf einem Pferd zu reiten. Du würdest niemanden direkt auf ein galoppierendes Rennpferd setzen, oder? Du würdest zuerst mit einem kleinen Pony oder einem sehr zahmen Pferd beginnen und mit ihm einfach mal in Kontakt gehen. Nach einiger Zeit würdest du dich dann draufsetzen, dich erst führen lassen, im Schritt, dann im Trab reiten. Und erst dann, wenn du dich wirklich sicher fühlst, würdest du im Galopp reiten.

Genauso verhält es sich mit der Energie, die in einem traumatisierten Nervensystem gespeichert ist. Wir tasten uns heran. Wir lernen, immer etwas mehr der inneren Intensität zu halten. Wir üben, mit unangenehmen Gefühlen in Kontakt zu bleiben, ohne sofort zu fliehen. Und irgendwann, wenn wir gelernt haben, uns selbst halten zu können, wenn die Energie einen Weg aus dem System findet, entsteht das, was wir Traumaintegration nennen: ein weiter werdendes Stresstoleranzfenster, ein wachsender innerer Halt, ein Gefühl von Sicherheit, das von innen kommt.

Sicherheit entwickeln

Sicherheit ist nichts, das man hat oder nicht hat. Sie ist etwas, das sich entwickeln lässt. Und zwar Schicht für Schicht, Atemzug für Atemzug, Erfahrung für Erfahrung. Sie entsteht nicht durch Überzeugung, sondern durch gelebtes Erleben: Das hier ist gut. Jetzt ist es sicher. Ich bin bei mir.

Mach dir deshalb immer wieder bewusst, dass du nicht falsch bist und dein Nervensystem nicht kaputt ist. Es hat getan, was es tun musste. Es musste überleben. Und jetzt, in diesem Augenblick, beginnt vielleicht der nächste Schritt: lernen, was es bedeutet, wirklich zu leben. Behutsam. Neugierig. Immer ein bisschen mehr bei dir selbst. Immer wieder ein bisschen mehr in dir selbst. Atemzug für Atemzug. Moment für Moment. Und das ist schon mehr als genug!

Der innere Kritiker kann mich mal

Stell dir vor, du hast gerade eine wunderbare Yogastunde gehalten. Die Teilnehmer im Raum applaudieren und strahlen dich an. Und während alle ihre Matten zusammenrollen, kommt jemand auf dich zu und sagt dir noch einmal persönlich, wie berührt er war. Du lächelst, sagst „Danke“ und lässt dich umarmen. Und noch während du die Anerkennung deines Gegenübers in dieser herzlichen Geste spürst, hat in dir schon eine Stimme das Mikrofon ergriffen: „Du hast viel zu schnell gesprochen. Das Beispiel in der Mitte der Stunde war völlig daneben. Und was hast du dir dabei gedacht, dieses Mantra zu singen, anstatt das andere?“

Diese Stimme ist leider so laut, dass sie alles andere übertönt. Es ist die unmissverständliche Stimme deines inneren Kritikers. Vielleicht kennst du ihn als treu begleitenden Kommentator deines Alltags, deiner Yogastunden, deiner schlaflosen Nächte … Vielleicht als jene Stimme, die sich genau dann meldet, wenn du Trost bräuchtest, und stattdessen anklagt. Wenn das von dir zubereitete Abendessen köstlich war, aber du die Soße zu salzig fandest. Wenn du seit Wochen joggst, aber die Waage heute 200 Gramm mehr zeigt. Wenn du gut schläfst, aber morgens aufwachst mit dem Gefühl, irgendetwas noch nicht erledigt zu haben.

Du bist damit nicht allein. In über zwanzig Jahren als Achtsamkeits- und Meditationslehrerin, in MBSR-Kursen und in vielen Seminaren, habe ich selten einen Menschen getroffen, der diesen inneren Ankläger nicht kennt. Ich kenne ihn selbst sehr gut und weiß, wie laut er werden kann, wenn niemand zuschaut.

Eine Bühne voller Figuren

In meinem Buch Der innere Kritiker kann mich mal! beschreibe ich, was viele Menschen verblüfft, wenn sie es zum ersten Mal hören: Wir sind nicht nur ein Miesepeter, nein, wir beherbergen sogar eine ganze Truppe von inneren Dämonen und Selbstzerstörern. In jedem von uns lebt eine ganze Besetzungsliste von Teilpersönlichkeiten: Es ist der innere Anpeitscher, der keine Pause erlaubt; die innere Panikmacherin, die aus einer verpassten Nachricht sofort eine Katastrophe konstruiert; der Everybody’s Darling, der so sehr geliebt werden möchte, dass er eigene Bedürfnisse systematisch vergisst; die innere Saboteurin, die genau dann müde wird, wenn wir endlich anfangen wollten.

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wurden in früher Kindheit installiert, als Schutz. Als kleine, kreative Überlebensstrategien eines Wesens, das noch keine andere Wahl hatte. Ein Kind, das gedemütigt wurde, als es weinte, lernt: Schwäche ist gefährlich. Ein Kind, dem Liebe nur bei Leistung zuteilwurde, lernt: Anstrengung ist der einzige Weg zu Nähe. Diese Schlussfolgerungen brennen sich tief ins Nervensystem – und werden zu Teilpersönlichkeiten, die auch zwanzig, dreißig, fünfzig Jahre später noch dieselben alten Drehbücher aufsagen. Das Problem ist nicht, dass sie existieren. Das Problem ist, dass sie die Hauptrolle spielen, obwohl sie bestenfalls eine Nebenrolle verdienen.

Zum Glück gibt es die Neuroplastizität

Lange glaubten Wissenschaftler, das Gehirn sei nach der Kindheit ein fixes, unveränderliches Organ. Heute wissen wir, dass es sich ein Leben lang verändern kann. Neuroplastizität nennen Forscher diesen Vorgang: die Fähigkeit des Gehirns, durch wiederholte Erfahrungen neue neuronale Verbindungen zu bilden und alte abzubauen. Was wir immer wieder denken und fühlen, wird buchstäblich zu Straßen im Gehirn. Wer ständig selbstkritische Gedanken denkt, baut Autobahnen der Selbstkritik. Wer beginnt, sich mit Mitgefühl zu begegnen, legt neue Wege an. Das bedeutet, dass diese negativen Mitbewohner nicht lebenslange Mieter sein müssen. Sie sind erlerntes Verhalten, und erlerntes Terrain lässt sich verändern. Nicht von heute auf morgen, nicht durch puren Willen, aber durch Übung. Durch Achtsamkeit. Und durch etwas, das viele als noch schwieriger empfinden als einen Handstand oder Meditation: Selbstmitgefühl.

Achtsamkeit als Taschenlampe

Die inneren Kritiker haben viele Facetten und erscheinen immer dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Maria, eine der Frauen aus meinen Kursen, begegnete ihrem inneren Kritiker in der Küche. Sie ließ eine Tasse fallen. Es war nicht irgendeine Tasse, sondern das Erinnerungsstück an eine verstorbene Freundin. Bevor die Scherben aufgetroffen waren, hatte sich die innere Stimme bereits zu Wort gemeldet: „Du bist einfach zu blöd, um achtsam zu sein. Aus dir wird nichts mehr.“ Was Maria in diesem Moment rettete, war nicht Willenskraft. Es war jenes wertfreie, offene Gewahrsein, das Jon Kabat-Zinn als absichtsvolles Bemerken des gegenwärtigen Moments beschreibt. Sie bemerkte die Stimme. Und weil sie sie bemerkte, konnte sie innehalten. Konnte sich fragen: Ist das wahr? Anstatt sich von dem Kritiker in Grund und Boden niedermachen zu lassen, konnte sie weinen. Und zwar nicht, weil sie so unachtsam war, sondern weil etwas Kostbares zerbrochen war.

Achtsamkeit ist keine Technik, mit der wir den inneren Kritiker zum Schweigen bringen. Sie ist eine Taschenlampe. Sie macht sichtbar, was im Dunkeln agiert. Und was wir sehen können, hat keine Macht mehr über uns, zumindest nicht dieselbe, blinde Macht.

Das Missverständnis um Selbstmitgefühl

Wer das Wort „Selbstmitgefühl“ zum ersten Mal hört, denkt oft: Das klingt nach Selbstmitleid. Nach Weichheit. Nach einer Ausrede, nicht mehr zu wachsen. Aber genau das Gegenteil ist wahr – und das ist das Heilsame daran! Selbstmitgefühl in der Tradition von Kristin Neff, Christopher Germer und der buddhistischen Psychologie ist die Haltung, die wir einer guten Freundin entgegenbringen würden, die gerade gescheitert ist. Dabei reden wir allerdings nichts schön und dramatisieren auch nichts. Sondern wir sagen: „Ich sehe, dass du leidest. Das gehört zum Menschsein. Du bist nicht allein damit. Und du verdienst Freundlichkeit.“

Diese drei Elemente sind das Fundament, auf dem echter innerer Wandel möglich wird: Achtsamkeit (das Leiden sehen, ohne sich darin zu verlieren), gemeinsame Menschlichkeit (das Wissen, dass Scheitern kein persönlicher Defekt ist) und  Selbstfreundlichkeit.

Ich erlebe es in meinen Kursen immer wieder – und um ehrlich zu sein, habe ich es auch jahrzehntelang an mir selbst beobachtet –, dass gerade Menschen, die jahrelang Yoga praktiziert haben oder meditieren, oftmals besonders hartnäckige innere Kritiker haben, weil sie die spirituelle Praxis in den Dienst von Perfektionismus gestellt haben. Die Meditation war nicht gut genug. Die Yogahaltung nicht tief genug. Der innere Frieden nicht dauerhaft genug. Oft ist der Anspruch sich selbst gegenüber grenzenlos und total übertrieben.

Die überraschende Wahrheit über die inneren Saboteure

Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist (und das braucht manchmal etwas Zeit, bis es wirklich ankommt im eigenen Herzen): Die inneren Kritiker, Anpeitscher und Panikmacher wollen dir nichts Böses. Sie wollen dich schützen. Ihnen zufolge sind sie die Einzigen, die ehrlich mit dir sind. Die Einzigen, die dafür sorgen, dass du nicht wieder fällst, dich wieder blamierst, wieder verletzt wirst. Das Tragische ist, dass sie in der Zeit entstanden sind, in der du tatsächlich keine andere Wahl hattest. Als kleines Kind, das Liebe brauchte und die Welt nach den Mustern eines noch unreifen Gehirns las. Diese Teilpersönlichkeiten sind – wie ich sie nenne – eingefrorene Kinder. Sie sind steckengeblieben in einem Moment, der längst vergangen ist. Sie sehen nicht, dass du inzwischen erwachsen bist und dass du Ressourcen hast und gut für dich selbst sorgen kannst. Sie sehen auch nicht, dass du die Situation heute anders handhaben kannst und gut auf dich selbst Acht geben kannst.

Wenn du also das nächste Mal deine innere Stimme hörst – und dabei ist es egal, ob sie dir sagt, du seist zu dick, zu langsam, zu wenig, nicht gut genug oder keine gute Yogini –, dann kannst du versuchen, einen Moment innezuhalten. Nicht um ihr zuzustimmen und auch nicht, um sie zu bekämpfen oder zu verdrängen, sondern um zu fragen: Wieso versuchst du gerade, mich zu schützen?! Diese Frage ist der Beginn eines neuen Drehbuchs.

Regie übernehmen

Prof. Dr. Luise Reddemann hat einmal gesagt: „Du kannst deinen inneren Kritikern nicht kündigen.“ Das wäre auch gar nicht das Ziel. Aber du kannst entscheiden, wer in deinem Film die Hauptrolle spielt. Du kannst die erwachsene, weise, mitfühlende Regisseurin in dir stärken. Damit ist jene Instanz gemeint, die die Teilpersönlichkeiten kennt, sie versteht, ihnen zuhört, ihnen aber nicht mehr blind folgt. Das gelingt durch Achtsamkeit: immer wieder neu bemerken, welche Stimme gerade spricht. Das gelingt auch durch Selbstmitgefühl, indem du dir selbst gegenüber so freundlich bist wie zu einer guten Freundin. Und es gelingt durch Übung. Und noch mehr Übung … Und durch das Überwinden von Bequemlichkeit. So lautet einer meiner Lieblingssprüche: Achtsamkeit fängt da an, wo Bequemlichkeit aufhört, und wo wir aufhören, die Stimme zu überhören oder uns von ihr klein machen zu lassen.

Das Gehirn lernt durch Wiederholung. Jedes Mal, wenn du dich in einem Moment der Selbstkritik auf Mitgefühl einlässt, legst du einen neuen Weg an. Irgendwann wird daraus eine Straße. Und irgendwann vielleicht eine Autobahn.

Aber bis dahin: Dein innerer Kritiker kann dich mal. Und du kannst ihn am besten mit einem Lächeln, einem bewussten Atemzug oder einem mitfühlenden Blick liebevoll aus dem Rampenlicht bitten.

Zum Weiterlesen:

Doris Iding: Mein innerer Kritiker kann mich mal. Frieden schließen mit den kritischen Stimmen in mir, mvg Verlag

Kali-Shakti-Sadhana

Die eigenen Schatten umarmen und radikal ehrlich leben: eine Yogapraxis, die dich mit den Qualitäten der Göttin Kali verbindet.

Kali bedeutet „die Schwarze", die dunkle Mutter, und repräsentiert die Göttin der Transformation – die kraftvollste, wildeste und radikalste aller Göttinnen. Sie symbolisiert die absolute Furchtlosigkeit und die radikale Ehrlichkeit. Kali reißt alle Masken und Illusionen herunter und zeigt uns, wer wir wirklich sind. Sie wurde aus dem Zorn der Göttin Durga geboren, als die Welt von Dämonen bedroht wurde. Jeder Tropfen Blut des Dämons Raktabija erzeugte neue Dämonen, doch Kali trank das Blut, bevor es den Boden berührte, und rettete so die Welt. Ihr Tanz auf Shiva zeigt die Vereinigung von Shakti (Energie) und Shiva (Bewusstsein): die heilige Ehe in uns selbst. Kali verkörpert die rohe, ungezähmte Kraft des Weiblichen. Und sie ist manchmal furchterregend und chaotisch. Sie tanzt auf dem reglosen Shiva, um ihn an die Lebendigkeit zu erinnern – denn ohne ihre Energie wäre er leblos (shava). Gleichzeitig zeigt dieses Bild ihre untrennbare Verbindung: Shiva ist Bewusstsein, Kali ist Energie – beide gehören zusammen. Sei bereit für Veränderung, wenn du Kali rufst, denn sie macht keine halben Sachen. Sie steht für deine absolute Freiheit und Klarheit. Kali ruft uns d

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Himmel und Erde im Alltag verbinden

Im Gespräch mit YOGA AKTUELL spricht Jana Haas über gelebte Spiritualität im Alltag – und darüber, wie Erdung, Körperbewusstsein und Mitgefühl innere Stabilität entstehen lassen

Jana Haas ist spirituelle Autorin und Seminarleiterin und begleitet seit vielen Jahren Menschen auf ihrem persönlichen Weg. In ihren Büchern, Vorträgen und Ausbildungen verbindet sie Themen wie Engelbotschaften, energetische Heilung, persönliche Entwicklung und Lebenspraxis und macht ihre Inhalte für den Alltag zugänglich.

INTERVIEW

YOGA AKTUELL: Würdest du dich bitte unseren Lesern kurz vorstellen? Wer bist du, und wie hat dein Weg begonnen – auch im Hinblick auf deine Wahrnehmung der geistigen Welt?

Jana Haas: Ich stamme ursprünglich aus Kasachstan und kam mit zwölf Jahren mit meiner Familie nach Deutschland. In meiner wolgadeutschen mütterlichen Linie wie auch in der Linie meines russischen Vaters waren hellsichtige und heilende Fähigkeiten etwas ganz Natürliches. Das gehörte einfach dazu, das war nichts Besonderes. Gleichzeitig haben wir aber auch sehr früh gelernt, darüber nicht zu sprechen, weil in der Sowjetzeit alles Spirituelle unterdrückt wurde. Meine Kindheit war davon geprägt, diese Wahrnehmungen zu verbergen, sie für mich zu behalten und mich eher zurückzuziehen. So habe ich in den ersten Lebensjahren mein Leben spirituell und sozial eher als traurig erlebt – geprägt von Unterdrückung und Ablehnung. Und d

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Herzstillstand

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Über das Infarktgeschehen in der Straße von Hormus im Leib von Planet Erde.