Wie der unvergessene Mystiker den Weg zur Liebe und zum natürlich aus ihr erwachsenden Frieden weist
Vor fast sieben Jahren, noch bevor die Taliban in Afghanistan wieder an die Macht kamen, traf ich bei einer Reise nach Kabul auf Hussain. Hussain war damals Mitte zwanzig – ein schüchterner junger Mann mit gegerbter Haut und Mandelaugen, der vom Dorf in die Hauptstadt gezogen war, um dort als erstes Kind seiner Familie zu studieren. Sein Fach war Philosophie. Hussains große Leidenschaft galt den muslimischen Dichtern und Denkern des Mittelalters, die in Afghanistan in Vergessenheit geraten waren. Bei unserer Begegnung am Rande eines Rumi-Lesekreises in der Stadtbibliothek Kabul berichtete mir Hussain von seiner Bachelor-Arbeit, die den Titel Frieden und friedliche Koexistenz in der Mystik von Dschalaluddin Rumi trug.
„Ich wollte ein Thema finden, das einen Beitrag dazu leisten kann, die Probleme in unserer Gesellschaft zu lösen. Die meisten denken, Frieden entstehe an runden Konferenztischen", erklärte Hussain in Hinblick auf das Schicksal seines kriegsgeschüttelten Landes. „Doch dieser Weg hat keinen Bestand. Selbst wenn sich die Führer einigen, gibt es im Volk weiterhin Tausende, die nach dem Blut des anderen dürsten. Die Menschen haben gegeneinander gekämpft, wurden aufgestachelt."
Selbst wenn äußerer Frieden herrsche, ließen sich Hass und Misstrauen nicht so l