Im Buddhismus heißt es, dass unsere Augen das Tor zur Welt sind. Schließlich nehmen wir über sie mehr als 80% unserer gesamten Sinneseindrücke wahr. Alleine diese Zahl kann uns eine Idee davon vermitteln, wie aufwendig der Sehvorgang für unser Gehirn ist. Es vollbringt eine grandiose Leistung, weil es in jedem Augenblick, indem wir einen äußeren Reiz über die Augen erhalten, Millionen von Informationen selektieren und verarbeiten muss.
Der Körper – ein Meisterwerk
Ich bekomme in solchen Momenten, in denen ich mir bewusst mache, wie komplex die Vorgänge im Körper sind, immer wieder großen Respekt vor diesem göttlichen Meisterwerk! Findest du nicht auch, dass es enorm ist, was Augen und Gehirn leisten? Damit unsere Augen klar bleiben und die Muskeln ihre Arbeit auch gut durchführen können, ist es wichtig, sie zu pflegen, zu schützen und ihnen immer wieder Pausen zu gönnen, weil nur so gesundes Sehen bis ins hohe Alter möglich ist.
Use it – or lose it!
So wie auch bereits ein paar einfache Asanas deinen Körper darin unterstützen, flexibel und dehnbar zu bleiben, so schenkst du auch deinen Augen durch ein paar einfache Übungen Entlastung und Entspannung. Und wie du mit ein wenig Krafttraining deine Arm- und Beinmuskeln stärken kannst, so kannst du auch deine Augenmuskeln darin unterstützen, beweglich und stark zu bleiben. Hier verhält es sich genauso, wie mit den anderen Muskeln des Körpers: Nur das, was wir regelmäßig trainieren und stärken, bleibt auch aktiv und unterstützt uns.
Besonders in der heutigen Zeit, in der viele Menschen viele Stunden am Tag damit verbringen, auf das Smartphone zu starren oder in den PC zu blicken, ist es wichtig, die eigenen Augen regelmäßig zu stärken und zu unterstützen. Ansonsten wird die Sehkraft verkümmern. Ein weiterer Vorteil, der entsteht, wenn du regelmäßig übst: Du wirst wieder achtsamer für die schönen Dinge, die es real in deinem Leben gibt. Du wirst durch ein paar kleine Übungen die Schönheit deiner unmittelbaren Umgebung wieder neu entdecken.
Entspannung auf allen Ebenen
Damit du gut und klar siehst, sind eine frei fließende Atmung und ein entspannter Körper – vor allem im Schultern- und Nackenbereich! – eine wichtige Voraussetzung, da die Augenmuskeln mit der Rückseite des Kopfes und des Nackens verbunden sind.
Die beiden Gehirnhälften sollten ebenfalls trainiert werden, da nur so räumliche Tiefe und Intensivität hinsichtlich des Sehens erzielt und aufrecht gehalten werden kann. Auch die Wahrnehmungsfähigkeit sollte geschult und verbessert werden. Aus diesem Grund beziehen wir bei den folgenden Übungen den ganzen Körper mit ein.
Tipps zum Üben
Damit deine Sehkraft nachhaltig verbessert wird, solltest du die Übungen so häufig wie möglich machen. Am besten integrierst du sie in deine tägliche Sadhana. Dann wirst du dich erst gar nicht daran erinnern müssen.
Übe ohne Brille oder Kontaktlinsen. Dadurch haben deine Augen mehr Spielraum und so schenkst du ihnen die Möglichkeit zur Verbesserung.
So geht’s – Entspannung für deine Augen!
Posaune spielen
- Du sitzt aufrecht, sodass dein Atem leicht und entspannt fließt. Die Schultern sind entspannt. Der Kiefer ist locker. Die Atmung ist entspannt und sanft. Bedecke das linke Auge mit der linken hohlen Hand. Die Hand sollte wie eine Kuppel aussehen. Das Auge bleibt offen.
- Mit dem rechten Auge schaue auf einen Ring deiner Hand oder auf eine Spiel- oder Postkarte, die du in der Hand hältst und fixierst.
- Bewege die rechte Hand dann abwechselnd mal schneller, mal langsamer zu deinem rechten Auge hin und wieder weg. Die Bewegung verläuft dabei etwas schräg nach vorne, auf einer vorgestellten Linie, die vom Auge Richtung Körpermitte führt.
- Bewege deine Hand locker und spielerisch und versuche nicht, scharf zu sehen.
- Posaune auf diese Weise eine Weile ganz entspannt. Nimm dann die Hand von deinem linken Auge und konzentriere dich darauf, ob du einen Unterschied zwischen den Augen wahrnehmen kannst.
- Bedecke dann das rechte Auge mit der rechten Hand und posaune auf dieser Seite genauso lange wie auf der linken Seite. Schließe die Augen abschließend und spüre der Übung ein paar Atemzüge nach.
Anwendungsbereiche: Diese Übung wirkt bei Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Altersweitsichtigkeit, Schielen. Die Bewegung der Hände, die du während der Übung machst, ähnelt dem Posaunenspiel.
Wirkung: Durch diese Übung werden die Ziliarmuskeln trainiert, die für die Bewegung der Augenlinse zuständig sind.
Schwung & Mobilisierung
- Stelle dich aufrecht mit leicht gegrätschten Beinen hin. Die Knie sind leicht angewinkelt und befinden sich in einer Linie mit den Fußspitzen. Die Schultern und Arme sind entspannt. Der Kopf thront entspannt auf der Wirbelsäule, der Scheitel strebt Richtung Zimmerdecke, dass Kinn Richtung Brustbein. Atme in dieser Haltung einige Male bewusst ein und aus. Lass die Atmung entspannt fließen.
- Schwing dann mit einer Einatmung den Oberkörper leicht nach links und mit einer Ausatmung leicht nach rechts. Verlagere dabei das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Der Kopf macht die Bewegungen ganz entspannt und locker mit.
- Die Bewegung geht dann nach und nach langsam in eine größere Drehung über, wobei du immer mehr in Schwung kommst und du über deine eigene Schulter blicken kannst. Du kannst deine Arme gerne um den eigenen Körper wickeln und die Ferse vom Boden heben.
- Dreh dich einatmend nach links, hebt sich die rechte Ferse vom Boden. Dreh dich ausatmend nach rechts, hebt sich die linke Ferse. Der Blick schweift dabei ganz entspannt von einer Seite zur anderen. Der ganze Körper ist locker und besonders der Hals und Nacken bleiben beweglich.
- Bring den Körper wieder langsam zur Ruhe und spüre der Übung nach. Dabei fließt der Atem entspannt.
Anwendungsbereich: Zwischen einer Sehschwäche und der Anspannung der Augenmuskulatur besteht häufig ein enger Zusammenhang. Diese Übung ist besonders dann empfehlenswert, wenn du einen Tag hast, an dem du dich körperlich-seelisch überfordert fühlst oder du gestresst bist.
Wirkung: Durch diese Übung werden die Schulter- und Nackenmuskeln sowie die Augenmuskulatur entspannt.
Der Zauberstab
- Du sitzt aufrecht und lächelst. Der Atem fließt entspannt, die Schultern sind locker.
- Stell dir vor, dass sich an deiner Nasenspitze ein Zauberstab befindet, der in allen Farben malen kann. Mit diesem Stift umwanderst du nun die Umrisse aller Gegenstände, die du gerade im Blick hast. Das können Pflanzen, Türrahmen, Bäume, Lampen, Regale oder Bilder sein. Eben alles, was du siehst.
- Dein Kopf und deine Augen bewegen sich dabei ganz locker mit. Achte darauf, dass du die Augenbewegung nicht beeinflusst. Lass alles organisch geschehen. Versuch, dich so gut wie möglich zu entspannen. Kannst du wahrnehmen, wie sich auch der Nackenbereich lockert?
- Geh dann zu kleineren Gegenständen über und umwandere auch diese Objekte. Zeichne gerne Einzelheiten nach. Du kannst dir auch vorstellen, dass du allen Gegenständen mit deinem Zauberstift einen neuen, farbigen Anstrich verleihst. Sei kreativ.
Anwendungsbereich: Die Beweglichkeit der Augen ist wesentlich für den Sehvorgang. Ein starrer Blick auf das Smartphone schränkt die Sehfähigkeit ein. Diese Übung hilft besonders bei Astigmatismus (Hornhautverkrümmung), Altersweitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit sowie nach langer Arbeit am Bildschirm.
Wirkung: Diese Übung schützt die Augen vor Starre. Sie macht die Augen beweglicher. Der Energiestrom zum Kopf und zu den Augen wird ebenfalls verbessert. Das Sehen wird schärfer und die Nackenmuskulatur wird gelockert.
Zum Weiterüben:
Uschi Ostermeier-Sitkowski: Balsam für die Augen: Wirksame Übungen zur Entspannung der Augen und Stärkung der Sehkraft. Audio CD – Hörbuch, 4. März 2013, Irisiana Verlag, 10,56 EURO