Am 18. Oktober ist Jupiter seit 2014 wieder in das Zeichen Krebs eingetreten – nach vedischer Astrologie bzw. im siderischen Tierkreis. Diese Konstellation markiert eine besondere Zeit, in der wir uns verstärkt unserem Zuhause, unserem Herzen und unseren Liebsten zuwenden dürfen. Es ist eine Einladung, besonders viel Licht und Güte ins Herz zu bringen und die Räume, in denen wir anderen begegnen, mit spiritueller Liebe zu erfüllen.
Jupiter, der Priester des Himmels
Jupiter gilt als der positivste und glücksbringendste Planet. Im Sanskrit wird er schlicht „Guru“ genannt – ein Begriff, der auch unser Verhältnis zu Lehrern, Meistern und jeder Form höheren Wissens beschreibt. Wo immer Jupiter in unserem Geburtshoroskop steht, erfahren wir in diesem Lebensbereich besonderes Glück und erwerben meist außergewöhnliches Wissen und Expertise – vorausgesetzt, wir ehren unsere Lehrer und das Wissen, das sie uns zugänglich machen.
Darüber hinaus prägt Jupiter unser Glaubenssystem und unsere Überzeugungen. Ein gut positionierter Jupiter macht uns optimistisch und schenkt uns die Fähigkeit, stets die positiven Möglichkeiten im Leben wahrzunehmen. Gleichzeitig stärkt er das Bedürfnis, dem Wohl der Gemeinschaft zu dienen. Er mahnt uns, die Regeln der Gesellschaft zu achten, und weist jede Form von unethischem oder kriminellem Handeln zurück.
Jupiter wird auch als Priester bezeichnet – und als Berater des Königs. In dieser Rolle unterstützt er die Sonne in ihren Vorhaben und trägt zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Regierungssystemen bei. Diese enge Zusammenarbeit zeigt sich auch in ihrer Bewegung: Während die Sonne (bzw. die Erde) zwölf Monate benötigt, um den Tierkreis zu durchlaufen, braucht Jupiter dafür zwölf Jahre. Damit verweilt er jeweils etwa ein Jahr in einem der zwölf Tierkreiszeichen.
Die drei Gunas und die Planeten
Um ein tieferes Verständnis von Jupiter zu erlangen, ist es wichtig, das Prinzip von Sattva Guna zu verstehen. In der Bhagavad Gita, einem der grundlegendsten Texte des Yoga, erklärt Krishna – eine Inkarnation des Gottes Vishnu – dem Krieger Arjuna die drei Gunas: Sattva, Rajas und Tamas. Diese repräsentieren die drei Modi unserer Existenz und sind in unterschiedlichen Mischungen und Intensitäten in der gesamten Materie enthalten. Zugleich zeigen sie die Qualität unserer Handlungen und unserer inneren Haltung an.
Rajas Guna bestimmt unsere Leidenschaften, Sehnsüchte und das Streben nach Befriedigung sinnlicher Begierden. Obwohl Rajas nicht von Natur aus negativ ist, steht es für den Antrieb, Bedürfnisse wie Sexualität oder Wohlstand zu erfüllen. Daher wird Rajas mit den Planeten Merkur und Venus assoziiert, die für Geschäftstätigkeit, Unterhaltung und Lebensgenuss stehen. Diese Planeten tragen viel Energie in sich und nähren starke Sehnsüchte – sie treiben uns auch an, Kunst und Kultur zu erschaffen.
Tamas Guna wiederum prägt Handlungen, die aus Unwissenheit oder Ignoranz entstehen. Gewalt, das Verletzen anderer, Passivität oder Trägheit fallen in diesen Bereich, ebenso der Konsum von Drogen, Alkohol und anderen schädlichen Substanzen. Tamas steht für unser niederstes Verhalten, bei dem wir unsere Sinne betäuben und unreflektiert handeln. Die Tamas-Planeten sind Mars, Saturn sowie die beiden Mondknoten Rahu und Ketu. Sie lassen uns aus Wut, Trauer, Verwirrung oder anderen negativen Emotionen heraus handeln. Zugleich ist Tamas aber auch für Schlaf und Ruhe zuständig – und damit ebenso notwendig für ein ausgewogenes Leben wie die beiden anderen Gunas.
Jupiter gehört – gemeinsam mit Sonne und Mond – zu den Planeten, die dem Sattva Guna zugeordnet werden. Dieses steht für das Streben nach Glück und Wissen und umfasst Handlungen, die nicht nur uns selbst, sondern auch anderen zugutekommen. Sattva ist wirksam, wenn wir uns an einem moralischen Kompass orientieren und uns höheren Zielen widmen.
Die Sonne fordert uns auf, der natürlichen Ordnung und gesellschaftlichen Strukturen zu folgen. Jupiter lädt dazu ein, religiös oder spirituell zu sein, Wissen zu erwerben und Wahrheit als höchstes Prinzip zu leben. Der Mond wiederum erinnert uns an unsere familiären Pflichten und an die Teilnahme am sozialen Miteinander.
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Damit ergibt sich folgende Zuordnung der Planeten zu den drei Gunas:
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Jupiter und Sattva Guna
Somit verstehen wir das Motiv Jupiters: Er möchte stets unser Sattva Guna verstärken. Er inspiriert uns, spirituellen und moralischen Prinzipien zu folgen und uns Wissen anzueignen, das dem Wohl der Gesellschaft dient. Je gewissenhafter wir diesen Prinzipien nachleben, desto größer ist der Segen, den Jupiter uns zuteilwerden lässt. Dieser Segen hat eine besondere Qualität, die im Sanskrit mit dem Wort Sukha beschrieben wird.
Sukha bedeutet Glück oder Wohlbefinden (su = gut, kha = Raum), also „guter Raum“. Es bezeichnet ein anhaltendes Wohlgefühl, das entsteht, wenn wir das Richtige tun und alles in unserem Leben am richtigen Platz ist. In diesem Zusammenhang ist bedeutsam, dass Jupiter der Planet ist, der über das Raumelement (Akasa Tattva) herrscht. Seine Aufgabe ist es, „guten Raum“ zu schaffen – und damit Sukha. Ein starkes Raumelement im Geburtshoroskop verleiht zum Beispiel die Fähigkeit, viele Menschen um sich zu versammeln. Jupiter symbolisiert in gewisser Weise die Gravitation, die von einer Person ausgeht, die sich höheren Prinzipien widmet und Wissen verkörpert. Deshalb fühlen wir uns im Beisein eines spirituellen Lehrers meist besonders wohl, zufrieden und zuversichtlich.
Darüber hinaus verleiht Jupiter die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen und diese zu langfristigen Partnerschaften reifen zu lassen. Er möchte, dass wir heiraten, um die gesellschaftliche Ordnung zu stärken, Familien zu gründen und Kinder ins Leben zu bringen. Denn auch für Kinder steht Jupiter: Sie gelten als Früchte guten Verhaltens und einer Beziehung, die von Treue und Liebe getragen wird. Kinder werden in vielen Traditionen als großes Glück verstanden – und Jupiters Aufgabe ist es, Glück in unser Leben zu bringen. Ein ungünstig positionierter Jupiter hingegen kann es erschweren, ein gesundes Verhältnis zu Kindern aufzubauen.
Jupiter belohnt Besonnenheit, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Strebsamkeit. Letztlich verleiht er auch materiellen Reichtum, da wir durch Bildung und Wissen in die Lage versetzt werden, gute Berufe auszuüben und Anerkennung zu erlangen. Alles, was Jupiter berührt, expandiert und wird durch Wissen und gute Intentionen vergrößert. Er beherrscht zudem das Material Gold – weshalb man sagen könnte, dass Jupiter, ähnlich wie König Midas, alles zu Gold werden lässt, was er berührt. Darüber hinaus schenkt er uns die Fähigkeit zu schreiben sowie eine besondere Vorliebe für Literatur und Bücher, die seit jeher als Speicher für jegliche Form von Wissen dienen.
Jupiter im Krebs
Jupiter im Krebs ist von besonderer Bedeutung, da er sich hier in seiner erhöhten Position befindet. Das bedeutet, dass er sich in diesem Zeichen besonders kraftvoll ausdrücken kann und die besten Ergebnisse verspricht. Krebs trägt jene Qualitäten in sich, die es Jupiter ermöglichen, uns optimal zu beeinflussen.
Ein Grund dafür ist, dass Krebs vom Mond regiert wird – jenem Himmelskörper, dessen Aufgabe es ist, uns zu nähren und für Familie und Wohlbefinden zu sorgen. Da der Mond zudem mit unserem Geist und unseren Emotionen verbunden ist, kann Jupiter hier am besten für unser Sukha – Glück und Wohlbefinden – wirken. Jupiter verlangt außerdem nach Reinheit, um sich wohlzufühlen. Und weil unser Geist sehr sensibel ist und leicht durch Sinneseindrücke verunreinigt werden kann, hilft das Zeichen Krebs, diese Reinheit zu bewahren.
Darüber hinaus steht Krebs in Verbindung mit dem Herzchakra und unseren familiären Beziehungen. Letztlich sind es die Nähe zu den Menschen, die uns am Herzen liegen, sowie Frieden in unserem Heim und in unserem Inneren, die uns wahrhaft glücklich machen. Man könnte sagen: Mit Jupiter im Krebs wohnen unsere spirituellen Lehrer und unsere Kinder symbolisch in unserem Zuhause – und in unserem Herzen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Krebs das erste der Wasserzeichen im Tierkreis ist – und Wasserzeichen stehen traditionell in enger Verbindung zur Spiritualität. Zudem ist Krebs als viertes Zeichen unmittelbar mit dem vierten Haus verknüpft. Dieses Haus symbolisiert das Wissen, das wir uns im Laufe unseres Lebens aneignen – nicht unbedingt jenes, das wir in Ausbildung oder Studium erlernen, sondern vielmehr Wissen von persönlichem Wert, das wir eigenständig und mit Freude erwerben.
Damit wird deutlich: Jupiter im Krebs ist in besonderer Weise geeignet, seine Aufgabe zu erfüllen, uns mit spirituellem und höherem Wissen zu versorgen und innerlich zu nähren. Durch die genannten Qualitäten vermittelt Jupiter im Krebs ein tiefes Gefühl von Fülle und Genährtsein, insbesondere auf emotionaler und psychologischer Ebene. Aus dieser Fülle erwächst ein starkes Empfinden von Harmonie – sowie eine natürliche Tendenz, Konflikte friedlich zu lösen.
Jupiter im Krebs und sein Vishnu-Avatar
Dieser Transit – so nennt man die Bewegung von Himmelskörpern durch bestimmte Abschnitte des Himmels – bringt besonders positive Effekte mit sich. Unter anderem könnten sogar Waffenstillstände oder Friedensabkommen in aktuellen globalen Konflikten begünstigt werden.
Befindet sich ein Planet in seiner erhöhten Position, wie Jupiter im Krebs, wandelt sich sein Guna zu Sattva Guna. Im Falle Jupiters wird dadurch das Sattva-Prinzip noch stärker hervorgehoben, was unsere Tendenz zu sinnvollen Entscheidungen und rechtschaffenem Handeln unterstützt.
Erhöhte Planeten werden zudem immer mit der Gottheit Vishnu assoziiert. Vishnu ist der große Erhalter des Universums und verkörpert das Prinzip des Sattva Guna. Entsprechend zeigt sich in den Geburtshoroskopen aller Vishnu-Avatare, dass der Planet, der sie repräsentiert, in seiner erhöhten Position steht: So hatte Krishna – Avatar des Mondes – den Mond im Stier, seiner Erhöhung, und Rama – Avatar der Sonne – die Sonne im Widder, ebenfalls in Erhöhung.
Obwohl Rama und Krishna vor Jahrtausenden lebten, haben vedische Astrologen ihre exakten Geburtszeiten berechnet. Ihre Horoskope werden bis heute studiert, um die Prinzipien der vedischen Astrologie zu vertiefen.
Vamana – die mythische Gestalt des Jupiter im Krebs
Wenn wir uns auf spiritueller Ebene mit Jupiter im Krebs verbinden wollen, können wir den ihm zugeordneten Vishnu-Avatar anrufen: Vamana. Dieser erschien, als der Dämonenkönig Bali kurz davor war, den Himmel zu erobern.
Vamana ist ein kleiner Brahmanenjunge, der durch seine Kindlichkeit die Unschuld und Heiligkeit von Jupiter im Krebs verkörpert. Als Bali im Begriff war, das letzte Ritual zur Eroberung des Himmels zu vollziehen, trat Vamana vor ihn. Beeindruckt von seiner Heiligkeit gewährte Bali ihm einen Wunsch. Vamana bat lediglich um drei Schritte Land. Verdutzt willigte Bali ein – doch Vamana begann zu wachsen: Mit dem ersten Schritt durchmaß er die gesamte Erde, mit dem zweiten den gesamten Himmel.
Da erkannte Bali Vamanas wahre Gestalt. Er verneigte sich vor ihm und bot an, seinen Kopf für den dritten Schritt darzubieten. Vamana setzte daraufhin seinen Fuß auf Balis Haupt. Auf diese Weise wurden die dämonischen Qualitäten Balis gereinigt und die natürliche Ordnung der Welt wiederhergestellt.
Vamana gelang es also, ohne Konflikt und ohne Krieg den Dämonenkönig zu besiegen – ein Sinnbild für die wohlwollende, friedliche Kraft Jupiters.
Das Mantra, mit dem wir Vamana ehren und uns mit der Qualität von Jupiter im Krebs verbinden können, lautet:
„Om Namo Bhagavate Shri Vamanaya“
Jupiter rückläufig
Dies ist zunächst nur ein kurzer Besuch Jupiters im Krebs. Bereits am 11. November wird er rückläufig und wechselt am 5. Dezember zurück in das Zeichen Zwillinge. Dort bleibt er bis zum 11. März rückläufig, bevor er am 1. Juni erneut in den Krebs eintritt.
Ein rückläufiger Jupiter gilt in der vedischen Astrologie als geschwächt – besonders im Krebs kann dies weniger günstige Resultate mit sich bringen. Die Zeit der Rückläufigkeit kann daher zu Unzufriedenheit und Unstimmigkeiten führen. Dennoch dürfen wir jetzt schon einen Vorgeschmack auf die positiven Wirkungen des Transits von Jupiter im Krebs erleben.
Dennoch steht fest: Mit Jupiter im Krebs eröffnet sich uns die Möglichkeit, Licht ins Herz zu bringen und den Segen unserer Lehrer und Meister zu empfangen. Spirituelle Lehren und Inhalte berühren uns in dieser Zeit besonders tief. Da unser Herzchakra weiter geöffnet ist, können wir spirituelles Wissen leichter aufnehmen, verarbeiten und verstehen. Ebenso eignet sich diese Phase hervorragend, um unsere Wohnung, unser Yogastudio oder andere Räume zu verschönern und in eine harmonische Atmosphäre zu verwandeln.