Zertifikate sind gut. Hingabe an die eigene Praxis ist besser. Denn nur wenn wir Yoga um seiner selbst willen praktizieren, werden wir eines Tages von der Essenz des Yoga wachgeküsst – und erkennen, dass kein Zertifikat dieser Welt diesen Kuss ersetzen kann.
Vor einigen Jahren besuchte ich das Retreat eines amerikanischen Meditationslehrers. Er ist ein ziemlich „alter Hase“ und verfügt mittlerweile über eine 40-jährige Meditationspraxis. In Europa ist er nicht sehr bekannt, in Amerika wird er unter Insidern hingegen sehr geschätzt. Ich genoss seine Präsenz und fühlte mich in seiner Gegenwart total sicher. Seinen Vorträgen war zu entnehmen, dass er selbst durch zahlreiche innere Täler gegangen war, die dunkle Nacht der Seele genauso kannte wie die Gipfelerlebnisse, die einer solchen spirituellen Dürrephase folgen können. Meine Seele konnte sich in seiner Gegenwart entspannen, und mein Geist war erfreut darüber, ganz nebenbei so viel fundiertes Wissen über Meditation zu bekommen. Dabei berief sich der Lehrer nicht auf die jüngsten Forschungsergebnisse aus irgendwelchen Laboren, sondern auf seine eigenen Meditationserfahrungen, die seiner Weggefährten oder der buddhistischen Tradition, der er seit vielen Jahren angehörte. Ich wähnte mich von seinem Wissen um innere Räume getragen. Das machte mir Mut, mich auf das Abenteuer Selbsterkenntnis während des Retreats e