In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Let’s get started: Wenn die Reise des Yoga beginnt …Es gibt viele gute Gründe, mit Yoga zu beginnen. Zu den üblichsten Beweggründen zählen nach wie vor körperliche Beschwerden wie z.B. Rückenschmerzen und Verspannungen. Neben diesen sehr verbreiteten Beschwerden, bei denen die Asana-Praxis oft gute Erfolge erzielt, können auch andere gesundheitliche Probleme den Ausschlag geben. Hierbei geht es dann vielleicht nicht immer direkt um die Kurierung eines Symptoms, sondern vielmehr darum, dass sich jemand intensiver dem Körper zuwenden möchte und zugleich etwas für das seelische Gleichgewicht tun will. Manch einer sucht im Yoga einen Ausgleich zu seinem stressigen Alltag, wünscht sich Bewegung als Kontrastprogramm zu stundenlangem Sitzen vor dem PC und Entspannung als Gegenpol zur permanenten Hektik, die das heutige Leben bestimmt. Wieder andere beabsichtigen mit Yoga zunächst in erster Linie ihre Figur zu formen, oder haben einfach festgestellt, dass sie im Laufe der Zeit recht steif geworden sind, und möchten ihre alte Beweglichkeit wiedererlangen. Und natürlich stolpert auch der Eine oder die Andere quasi zufällig in einen Yogakurs hinein, weil er sich z.B. einer Freundin zuliebe für den Kurs mit anmeldet oder sich vom Flyer eines Yogastudios ganz spontan angezogen fühlt.

Vermutlich sind einige auch bloß generell neugierig, was es denn mit Yoga eigentlich auf sich hat, und möchten „den großen Trend aus Indien“ einfach mal kennenlernen. Selbstverständlich gibt es auch Neu-Yogis, die ihren Weg in den Yoga über ihr Interesse an spirituellen Themen gefunden haben. Die Yoga-Anfänger – zu denen sich täglich so viele hinzugesellen – sind also keine in sich homogene Gruppe, vielfältig wie der Yoga selbst, nicht nur als Persönlichkeiten, sondern auch, was ihre Erwartungen an Yoga betrifft. Nicht immer entdeckt jeder gleich das Angebot, das seinen Bedürfnissen am stärksten entspricht, und so hören manche gar nach kurzer Zeit ernüchtert wieder auf, während andere eine Weile suchen und ausprobieren, bis sie in ihrer Heimat innerhalb des Yoga angekommen sind. Mit der Zeit wird den meisten dann bewusst, dass Yoga stets ein bisschen mehr ist, als darüber gesagt und geschrieben wird – erst recht mehr, als das landläufige Bild von der „indischen Gymnastik mit AUM-Gesang“ oder dem „hippen Soft-Sport“ erahnen lässt. Immer wieder eine neue Facette von Yoga zu entdecken und immer tiefer einzutauchen in seine Essenz, ist ein langer und lohnenswerter Weg, und gerade die ersten Schritte sind spannend.

Es gibt jene, die sich voller Elan in die Praxis stürzen, aber auch jene, die am Anfang eher skeptisch sind. Und egal, zu welchen dieser beiden man gehört: Da sind die Momente, in denen man voller Euphorie denkt: „Jetzt weiß ich, warum alle so für Yoga schwärmen!“, aber auch die Augenblicke, in denen eher der alte Spruch „Aller Anfang ist schwer!“ zuzutreffen scheint. Denn Unsicherheiten begegnen wohl allen Praktizierenden ab und an. Was mache ich z.B., wenn alle anderen um mich herum sich routiniert in die Haltungen begeben, während ich selbst überhaupt nicht mitkomme, weil ich etwa an einer Stunde teilnehme, die kein reiner Anfängerkurs ist? Wie erkenne ich, wo meine Grenzen sind und an welcher Stelle ich etwas experimentierfreudiger sein kann? Woher weiß ich, ob ich richtig atme? Oder gibt es gar kein „richtig“ oder „falsch“? Immer wieder treten Fragen auf – natürlich auch bei erfahrenen Yogis, aber ganz besonders eben bei Anfängern.

Aus der Perspektive des Yogalehrers betrachtet, bringt der Unterricht für Anfänger ebenfalls spezielle Herausforderungen mit sich. Wie kann ich die Schüler langsam an die Praxis heranführen? Womit überfordere ich sie? Und dabei geht es nicht nur um die Auswahl geeigneter Asanas. Manch ein Yoga-Neuling verfügt vielleicht noch nicht über ein ausgeprägtes Körperbewusstsein und kann übliche Anweisungen wie „Das Becken kippen“, „Länge in der Wirbelsäule erzeugen“ und dergleichen deshalb gar nicht ohne Weiteres umsetzen. Auch darauf muss der Yogalehrer achten und den Schülern genügend Zeit geben, langsam ein Gespür dafür zu entwickeln, wohin die Reise geht.

Unser Dossier wendet sich daher sowohl an Yoga-Anfänger als auch an Lehrer – und eigentlich ohnehin an alle, denn wie Doris Iding in einem ihrer Beiträge ganz treffend feststellt, tut ein bisschen Anfängergeist eigentlich jedem gut. Sie wissen ja: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!

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