Vor gar nicht allzu langer Zeit war die Welt noch in Ordnung. Alles hatte seinen ganz einschätzbaren Ablauf. Doch nun hat sich alles schlagartig geändert, durch einen kleinen Virus. Wir mussten uns aus unserem gewohnten gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Und wir haben scheinbar nicht mehr die Kontrolle darüber, wie wir unser Leben und unsere Zukunft planen können.

Existenzängste und Befürchtungen wirtschaftlicher und politischer Art berühren viele und stehen jetzt im Zentrum der Aufmerksamkeit. Eine ausschließliche Fokussierung auf die Defizite nimmt uns Energie und lässt Zweifel und Ängste aufkommen, manche Menschen verlieren ihren Mut und ihr Selbstvertrauen. Die Auswirkungen auf unser aller Leben sind noch nicht abzusehen.

Doch an diesem Punkt sollten wir nicht nur das Defizit, die Einschränkungen und die Verluste im Fokus haben. Wir können die gegebene Situation nicht ändern, aber wir können unsere Sichtweise dieser Situation positiv beeinflussen, indem wir mit uns selbst achtsam umgehen und diese Achtsamkeit auch unserem Gegenüber schenken. Resilienz Yoga kann uns helfen, besser mit den neuen Anforderungen umzugehen und vielleicht sogar innerlich gestärkt aus der gegenwärtigen Situation hervor zu gehen.

Die Schlüsselaspekte von Resilienz

Resilienz ist ein anders Wort für seelisch-geistige Widerstandsfähigkeit. Das ist auch die Fähigkeit, das eigene Leben gemäß den eigenen Fähigkeiten und Werten aktiv zu gestalten und schwierige Lebenssituationen mit einem positiv aktiven Geist zu meistern. Resilienz Yoga ist eine abgestimmte Abfolge von Asanas in Kombination mit Affirmationen zu den Schlüsselaspekten der Resilienz. Die Auseinandersetzung mit diesen Schlüsselaspekten der Resilienz und die Anwendung von entsprechenden speziellen Affirmationen in der Yogapraxis machen den Unterschied zwischen Resilienz Yoga und anderen Yoga-Richtungen aus.

Die Schlüsselaspekte der Resilienz nach Gabriele Pohly

Das Praktizieren der Yoga-Asanas im Resilienz Yoga hilft zunächst dabei, sich zu erden und zu regenerieren. Die Praxis der Meditation und die Praxis der Achtsamkeit im Alltag bringen die Gedanken zur Ruhe und wirken stressmindernd. Die fortgeschrittenen Übungen des Resilienz Yoga helfen, überkommene Einstellungen und Gewohnheiten hinter sich zu lassen und in die eigene Mitte, zur eigenen Kraftquelle, zur eigenen Balance zurückzukehren. Ziel ist es, sich mit der eigenen Intuition, der eigenen inneren Stimme und der eigenen inneren Weisheit zu verbinden. So bringt Resilienz Yoga eine neue Ausrichtung in das eigene Denken, das eigene Handeln und die eigenen Gewohnheiten. Dann können wir in der eigenen Zentrierung sein und in Gelassenheit den Alltag leben und die Herausforderungen, die sich bieten, annehmen.

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Realistischer Optimismus

Ein wichtiger Schlüsselaspekt der Resilienz ist der realistische Optimismus. Er basiert auf einer pragmatischen Sicht der Welt, welche die reale Machbarkeit berücksichtigt. Mit der Zuversicht eines realistischen Optimisten vertrauen wir darauf, dass es immer eine Lösung für ein gegebenes Problem gibt. Realistische Optimisten sind Menschen, die überzeugt sind, dass sie alles schaffen und erreichen können. Sie sind weit in ihrem Herzen. Sie heißen jede Herausforderung willkommen und suchen nach Lösungswegen. Es gibt für sie nicht nur einen einzigen Weg, ihr Ziel zu erreichen, sondern sie bleiben offen für einen Perspektivwechsel, offen für neue Erkenntnisse, offen für neue Ideen und neue Impulse. Durch positive, förderliche Gedanken erhöht der Optimist seine Schwingungsfrequenz. So fördert der gelebte Optimismus das eigene Selbstvertrauen, Mut und Fokussierung auf das Wesentliche.

Ich gebe im Folgenden einen Einblick in die Asana-Reihe des Optimismus. Mit diesen Asanas kannst du den Optimismus spüren, erfühlen und emotional in dir wahrnehmen, wobei die begleitenden Affirmationen dabei helfen, dir den Optimismus immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. So kannst du dich damit auseinandersetzen, wie du mit Optimismus in deinem Alltag umgehst, und wo du ihn in deinem Körper spürst. 

Ich lade dich herzlich ein: Lass dich nicht bestimmen von der Angst, sondern bleib im Optimismus! Richte dich wieder auf. Positioniere dich und bejahe dein wertvolles, einzigartiges Leben. Bau dich auf! Komm in eine positiv-aktive konstruktive Ausrichtung deines Seins und deines Tuns. Verdräng nicht deine Befürchtungen und Sorgen – betrachte alles, was im Außen geschieht, wie ein Zeuge.

Der Wandel in dieser Welt ist aber auch eine Herausforderung zu überprüfen, wo habe ich mein Denken zu verändern? Wo habe ich neue Sichtweisen zu entwickeln und zu etablieren? Bleib trotz aller Herausforderungen in einem sehr guten Kontakt zu dir selbst. Und kehr immer wieder zurück zu deinem Wesenskern, dem Ort in dir, der heil und gesund ist. Finde den Weg zu deinem Herzen und deiner inneren Weisheit, die uns mittels Intuition führt und leitet, die dir Kraft und Vertrauen und Optimismus schenkt. Sei geduldig mit dir!

So nutz diese Zeit für dich, in dir die Kraft und Energie eines Optimisten aufzubauen. Ein Optimist nimmt jede Herausforderung an. Er geht immer vom Besten aus, er bleibt in seiner Kraft und hält Ausschau nach neuen Wegen und Möglichkeiten. Der Optimist richtet seinen Fokus auf das Positive, Erschaffende und Gute aus. Das heißt, er bejaht die gegenwärtige Situation und nutzt sie, um förderliche und kreative Gedanken und alternative Möglichkeiten zu entdecken.

Die Verbindung von Yoga mit den Grundhaltungen und Lebensstrategien der Resilienz stärkt die eigene Kraft, die eigene Dynamik und die eigene Authentizität. Dann kannst du besser deine Fähigkeiten und deinen Ausdruck leben und deine Ziele verwirklichen.

(c) Theseus Verlag 2019

In meinem Buch „Resilienz Yoga“ findest du Anleitungen für eine Selbstbefragung, Yogasequenzen, Meditationen und Affirmationen zu jedem der Schlüsselaspekte der Resilienz. Du hast die Möglichkeit, diese Themen nacheinander intensiv durchzuarbeiten. Du kannst dir aber auch für eine bis zu vier Wochen Zeit nehmen, um dich mit einem einzelnen Thema, das dich besonders beschäftigt, oder mit dem du immer wieder im Außen konfrontiert wirst, intensiver auseinanderzusetzen.

Mittels ihrer Facebook-Gruppe EINFACH SEIN kannst du mit Gabriele Pohly Resilienz Yoga online üben.

Asanas für einen realistischen Optimismus

1. Parshva Urdhva Hastasana -stehender Halbmond

Komm auf deiner Yogamattein eine stehende Position. Deine Füße und Beine sind parallel zueinander. Beine und Gesäß sind sanft angespannt. Heb einatmend die Arme an und bring die Hände über dem Kopf zusammen. Werde über die Beine bis zu deinem Becken ganz lang. Atme in deine Körpermitte ein und beuge dich nun ausatmend zur rechten Seite. Deine Füße und Beine sind stabil. Atme in dieser Position 4 bis 5 Mal ein und aus. Spür in dieser Übung deine Stabilität und deine Flexibilität.

Spür, wie du den Geist in alle Richtungen weit machst und wie du nach neuen Möglichkeiten Ausschau hältst, um dich weiterzuentwickeln.

Komm dann zurück zur Mitte und in den Seitenwechsel.

2. Virabhadrasana – Der Held

Virabhadrasana

Komm zum vorderen Rand der Yogamatte. Bring das rechte Bein in den Ausfallschritt nach hinten außen. Beide Knie sind sanft durchgestreckt. Der Oberkörper ist nach vorne hin ausgerichtet. Bring mit der Einatmung die Arme zu den Seiten. Werde aus den Flanken heraus lang. Bleib weit und offen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich. Bleib hier für 5 bis 6 Atemzüge.

Spür deine stabile Basis und sage dir: „In der Gegenwart zentriert, bleibe ich offen für den nächsten Schritt. Ich baue ihn auf und ich weiß: Ich kann es!“

Löse und komm direkt in den Seitenwechsel.

3. Matsyasana – Der Fisch

Matsyasana

Komm in die Rückenlage. Stell deine Füße auf und bring deine Hände mit den Handinnenseiten am Boden unter dein Gesäß. Die Daumen sind miteinander verhakt. Streck deine Beine aus. Deine Schulterblätter sind zusammen. Heb mit der Einatmung deinen Oberkörper an und leg deinen Hinterkopf auf dem Boden ab. Nicht dein Kopf, sondern deine Unterarme tragen das Gewicht. Bleib in dieser Position für 5 bis 6 Atemzüge.

Nimm einatmend Raum und Freiheit in dir auf. Spür die Freiheit, die Neugierde und den Optimismus. Sage dir: „Ich kann alles schaffen und erreichen, was ich mir vornehme.“

Lös die Position dann auf, indem du den Oberkörper anhebst und die Arme wieder an die Seite bringst. Komm wieder in die Rückenlage und spür nach.

4. Chakra Asana – Rad-Variation

Chakra Asana

Du bist in der Rückenlage. Beug deine Knie und stell deine Beine auf. (Je näher du deine Füße an deinem Gesäß hast, desto stärker wird der Bogen in der Wirbelsäule sein.) Bring nun deine Hände über den Kopf hinter deinen Schultern zum Boden, sodass die Fingerspitzen zum Körper hin zeigen. (Je näher du deine Hände an den Schultern hast, desto intensiver wird der Bogen sein.) Heb mit der Einatmung nun deinen Körper an und fließ in das Rad hinein. Stabilisiere dabei deine Füße und deine Hände.

Spür die absolute Dehnung der gesamten Körpervorderseite. Alle Chakren werden hier aktiviert. Dies ist eine kraftvolle Übung, um Öffnung, Stabilität, Hingabe und Leichtigkeit zu erfahren.

Wenn du einen Schritt weitergehen möchtest, komm in die Variation von Chakra Asana: Heb das rechte Bein nach oben hin an (siehe Abbildung). Verweil in dieser Position für 4 bis 6 Atemzüge.

Spür hier Stabilität und Sicherheit, Öffnung und Weite, Optimismus und Annahme. Komm in den Seitenwechsel, indem du das rechte Bein absenkst und das linke anhebst.

Lös dann auf und komm zurück in die Rückenlage. Spür nach.
Achtung: Diese Übung ist nicht geeignet für Schwangere!

5. Ekapada-Rajakapotasana – Die Taube

Ekapada-Rajakapotasana

Komm in den herabschauenden Hund. Heb einatmend jetzt das linke Knie in Richtung Oberkörper angewinkelt an und leg es mit der Ausatmung zwischen deinen Händen ab, sodass dein linker Fuß nach rechts außen zeigt. Leg bei Bedarf einen Yoga-Klotz unter deine linke Gesäßhälfte. Richte deinen Oberkörper auf und streck deine Arme über den Kopf; die Handinnenseiten berühren sich. Achte darauf, dass die Arme möglichst durchgestreckt sind. Der Kopf ist mittig, der Geist zentriert. Verweil hier für 5 bis 10 Atemzüge.

Spür Öffnung, Weite und die Mitte in dir. Bleib dir selbst treu, sei ein Optimist, sprich deine Wahrheit und glaub an dich! Löse und geh in den Seitenwechsel.

Lös dann vollständig auf und entspann in Balasana, der Stellung des Kindes.

6. Vrikshasana – Der Baum

Vrikshasana

Du stehst auf deiner Yogamatte. Deine Füße sind zusammen, deine Arme ruhen an der Seite des Körpers. Stabilisiere jetzt geistig dein rechtes Bein; es wird dein Standbein sein. Gib ihm die Energie, und die Kraft, das Gleichgewicht zu halten. Heb langsam dein linkes Bein und leg deine linke Fußsohle auf der Innenseite deines rechten Oberschenkels ab oder leg dein Fußgelenk auf der Oberseite des rechten Oberschenkels ab. Falls du einen Anker benötigst, fixier einen Punkt auf dem Boden schräg unten vor dir. Wenn du stabil in deinem Stand bist, bring deine Hände gefaltet in Anjali-Mudra vor deine Brust und stabilisier dich hier. Bring dann einatmend die Arme über dem Kopf zusammen, die Handinnenseiten berühren sich. Die Schultern sind entspannt, die Arme sanft durchgestreckt. Bleib in dieser Position für 10 Atemzüge.

Spür in der Körpermitte die Ausgewogenheit und in den Füßen und Beinen deine Erdung und Stabilität. Sage dir: „Ich bin in meiner Balance und kann mich jederzeit positionieren. Ich bleibe in meiner Stabilität und bin fokussiert.

Löse und komme in den Seitenwechsel.

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