Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, ist meist sehr begrenzt – jedoch ist es möglich, über die einsame Subjektivität oder die bloße innere Abbildung von Objekten hinauszugelangen und eine echte, klare und unmittelbare Erfahrung des Seins zu machen.
Wahrnehmung ist unser Tor zur Welt, ob es sich dabei um die äußere Welt handelt, in der wir leben, oder um unsere Binnenwelt – die Welt, die in uns existiert. Wahrnehmung ermöglicht uns Erkenntnisse über beide Dimensionen. Die Instrumente der Wahrnehmung nennt man in der Yogaphilosophie Jnanendriyas, das bedeutet wörtlich „Erkenntnisorgane“ oder „Erkenntnisinstrumente“. Natürlich denken wir dabei sofort an unsere physischen Sinnesorgane – Augapfel, Nase, Ohren und so weiter –, doch erfasst das nur den physisch-materiellen Aspekt des Wahrnehmungsgeschehens. Letztlich ist Wahrnehmung aber ein mentaler Prozess, genauer: eine Fähigkeit, oder, fundamentaler noch, ein Prinzip.
So können wir auch dann wahrnehmen, wenn unsere äußeren „Sinnestore“ geschlossen sind, zum Beispiel im Traum: Obgleich es dunkel ist, erlebe ich eine bunte Welt, mindestens so bilderreich wie die Außenwelt. In Meditation oder anderen erweiterten Bewusstseinszuständen können auch Wahrnehmungen auftreten, die mit den physischen Sinnesorganen unmöglich wären; Wahrnehmungen, die unsere bisher gültige Auffassung der Wirklichkeit infrage stellen, vielleicht sogar als falsch erscheinen lassen, und entsprechend verändern. Patanjali spricht im 1. Kapitel des Yogasutra darüber, wenn er sagt, dass Erkenntnisse, d