Innere Reinigung und spirituelle Liebe: Die kommende Sonnenfinsternis am 21. September berührt viele Themen – im Mittelpunkt stehen jedoch vor allem unsere romantischen Beziehungen. Gleichzeitig eröffnet sich die Chance, ungesunde und negative Verhaltensmuster loszulassen.
Der dunkle Mond: Amavasya
Um die besondere Wirkung einer Sonnenfinsternis zu verstehen, lohnt es sich, die zugrunde liegenden astrologischen Prinzipien zu betrachten. Am 21. September erleben wir eine partielle Sonnenfinsternis, die vor allem in Australien sichtbar ist. Eine Sonnenfinsternis fällt immer auf den Neumond, der in der vedischen Astrologie Amavasya genannt wird. (mehr über vedische Astrologie erfahren)
An Amavasya trägt der Mond vor allem die Qualität des Vata Dosha, während das Kapha Dosha nahezu fehlt. Vata und Kapha sind zwei der drei Konstitutionstypen des Ayurveda. Vata, dem Windelement zugeordnet, steht für eher schlanke Körper mit trockener Haut und empfindlicher Oberfläche. Kapha, dem Wasser- und Erdelement zugeordnet, beschreibt einen kräftigeren, stabilen Körpertyp mit feuchter oder öliger Haut.
Fehlt – wie am Neumond – das Wasserelement, kann der Mond seine eigentliche Aufgabe nicht erfüllen: Er ist nicht in der Lage, emotionale Verbindung herzustellen. Das Wasserelement ist nämlich dafür verantwortlich, wie wir Bindungen zu anderen Menschen eingehen. Am Neumond fühlen wir uns deshalb häufig emotional ausgetrocknet und leer.
So gilt Amavasya allgemein als eine Zeit des Loslassens, in der wir uns eher zurückziehen und die Vergangenheit verabschieden. Neue Projekte oder Vorhaben sollten dagegen nicht an diesem Tag begonnen werden.
Die Sonnenfinsternis und ihre Auswirkungen
Bei einer Sonnenfinsternis ist nicht nur der Mond kraft- und lichtlos – auch die Sonne wird verdunkelt. In der vedischen Astrologie repräsentiert die Sonne unsere Seele und Individualität. Eine Sonnenfinsternis wirkt deshalb auf persönlicher Ebene so, als würden wir einen Teil unserer Identität verlieren. Diese Erfahrung kann sehr unangenehm sein und bringt häufig eine Schwächung der Vitalität mit sich.
Wann immer eine Sonnenfinsternis ansteht, fordern uns äußere Umstände oder innere Impulse dazu auf, unsere Persönlichkeit zu hinterfragen. Der Einfluss des Egos wird stark verringert, wir fühlen uns weniger kraftvoll und präsent. Darüber hinaus symbolisiert die Sonne unsere moralischen und ethischen Richtlinien sowie das Regierungssystem und die Regeln, denen wir folgen. Da all diese Prinzipien während einer Sonnenfinsternis geschwächt sind, gilt dieses Ereignis traditionell als äußerst unheilvoll. In früheren Zeiten deutete man das Sichtbarwerden einer Sonnenfinsternis oft als Zeichen dafür, dass ein König bald entthront würde – mit dem Zusammenbruch der bestehenden Weltordnung, was als Katastrophe für die gesamte Bevölkerung verstanden wurde.
Gleichzeitig birgt eine Sonnenfinsternis auch ein positives Potenzial: die Chance auf spirituelle Entwicklung. Wenn unser Ego geschwächt ist und wir uns weniger stark mit unserem „Ich“ identifizieren, eröffnet sich die Möglichkeit, unsere Persönlichkeit zu wandeln. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass wir uns in einem Zustand von Klarheit befinden – und bewusst wahrnehmen, welche Anteile wir loslassen sollten, um diese Veränderung zu ermöglichen.
Worauf wir den Fokus während einer Sonnenfinsternis legen, hängt stark davon ab, mit welchem Mondknoten Sonne und Mond verbunden sind (Genaueres zu den Mondknoten findest du im Artikel zur Mondfinsternis am 7. September).
Befinden sich zwei Himmelskörper in der Astrologie nahe beieinander, spricht man von einer Konjunktion. In der vedischen Astrologie wird dafür auch der Sanskrit-Begriff „Yoga“ verwendet, der Einheit oder Vereinigung bedeutet. Ein Yoga entsteht immer dann, wenn zwei oder mehr Himmelskörper im selben Zeichen stehen oder anderweitig intensiv miteinander interagieren.
Findet eine Sonnenfinsternis in Konjunktion mit dem nördlichen Mondknoten Rahu statt, entsteht ein besonders materielles Verhältnis zu unserem Ego. Wir identifizieren uns dann stark mit unseren weltlichen Bedürfnissen – was zu Illusionen in Bezug auf uns selbst und vor allem unsere Seele (die Sonne) führen kann. Statt unsere Pflicht zu erfüllen und den göttlichen Ausdruck in uns zu leben, glauben wir, das Leben drehe sich ausschließlich um die Befriedigung unserer Wünsche.
Die Sonnenfinsternis am 21. September hingegen steht in Konjunktion mit dem südlichen Mondknoten Ketu. Dadurch verstärkt sich unsere Identifikation mit spirituellen Persönlichkeitsanteilen. Das kann uns lethargisch machen: Verantwortung fühlt sich schwer an, wir spüren den Wunsch nach Rückzug und Isolation. Spirituelle Erfahrungen üben in dieser Zeit eine besondere Anziehungskraft aus, während wir gegenüber weltlichen Ereignissen eine gewisse Gleichgültigkeit entwickeln.
Gerade deshalb eignet sich eine Sonnenfinsternis mit Ketu gut zum Loslassen. Hängen wir jedoch zu sehr an etwas fest, kann uns diese Konstellation dazu zwingen, bestimmte Anteile unserer Persönlichkeit oder unseres Lebens hinter uns zu lassen.
Sonnenfinsternis in der Jungfrau
Die Sonnenfinsternis am 21. September beginnt um 19:29 Uhr MEZ und endet um 23:53 Uhr MEZ. Sie ist von einer besonderen Konstellation geprägt: Zwar befinden sich Sonne und Mond im Zeichen Jungfrau, doch der südliche Mondknoten steht im Zeichen Löwe. Dadurch verbinden sich zwei unterschiedliche, aber eng miteinander verknüpfte Themen.
In der Jungfrau werden wir aufgefordert, uns mit Reinheit und Klarheit auseinanderzusetzen. Sie ist das Zeichen, in dem wir ernten, was wir gesät haben – und zugleich die „Spreu vom Weizen“ trennen: das Gute vom Unbrauchbaren. Als Zeichen des 6. Hauses im Horoskop steht sie in enger Verbindung zu unseren täglichen Routinen, Gewohnheiten und auch unseren negativen Verhaltensmustern.
Im Sanskrit werden diese unter dem Begriff „Shadripus” zusammengefasst – den „sechs Feinden des Geistes“:
- Kama (Verlangen, Lust)
- Krodha (Zorn, Wut)
- Lobha (Gier)
- Mada (Ego, Hochmut)
- Moha (Anhaftung)
- Matsarya (Eifersucht)
Erliegen wir diesen Shadripus, neigen wir dazu, uns schlechte Gewohnheiten anzueignen. Je mehr wir ihnen Raum geben, desto mehr arbeitet die Energie der Jungfrau gegen uns: Krankheiten können entstehen oder andere Menschen treten uns feindlich gegenüber. Es wird deutlich: Unsere Gesundheit und unsere Beziehungen leiden, wenn wir Gier, Lust, Ego oder Zorn überhandnehmen lassen.
Die positiven Ergebnisse der Jungfrau sind nur zugänglich, wenn wir diese inneren Feinde überwinden. Gelingt uns das, gewinnen wir nicht nur Gesundheit zurück, sondern auch innere Befreiung – Feindschaften lösen sich auf, wodurch Raum für Wachstum und Reichtum entsteht.
Diese Sonnenfinsternis möchte uns bewusst machen, in welchen Lebensbereichen wir unsere inneren Unreinheiten noch nicht gelöst haben. Werden wir in dieser Zeit krank oder geraten in Konflikte, so ist dies ein Spiegel für Bereiche, in denen wir den Shadripus noch unterliegen.
Besonders bedeutsam ist, dass Merkur – Planet der Kommunikation, Sprache und Beweglichkeit sowie Herrscher des Erdelements in der vedischen Astrologie – sich ebenfalls in der Jungfrau befindet. Dadurch sind wir aufgefordert, unser kommunikatives Verhalten genau zu prüfen. Für Merkur ist es außerdem wichtig, dass wir Ahimsa (das Prinzip der Gewaltlosigkeit) praktizieren und uns möglichst vegetarisch ernähren. Merkur kann uns in diesem Transit hilfreich sein, indem Freunde oder entfernte Verwandte (wie Cousins, Onkel oder Tanten) zu wertvollen Ressourcen für unsere Prozesse werden.
Zudem steht Saturn im gegenüberliegenden Zeichen Fische. Er ruft uns dazu auf, mit Reife und Bedacht zu handeln. Als Planet des Karmas kann er uns auch durch schmerzhafte Erfahrungen – etwa Krankheit – auf Fehlverhalten hinweisen.
Spirituell gesehen lädt uns diese Sonnenfinsternis ein, bewusst eines der Shadripus auszuwählen, das uns persönlich betrifft, und die Intention zu setzen, dieses Muster zu reinigen.
Der südliche Mondknoten Ketu steht während der Sonnenfinsternis im Zeichen Löwe. Er zeigt uns, dass wir Kontrolle abgeben müssen – dass Gott, Karma oder Schicksal größer sind als unser eigener Wille. So sehr wir versuchen, unser Leben nach eigenen Vorstellungen zu formen, zwingt uns Ketu, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben.
Da sich gleichzeitig Venus, der Planet der Liebe und Beziehungen, ebenfalls im Löwen befindet – einem Zeichen romantischer Erfahrungen –, gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Bedeutung. Die Kombination von Venus und Ketu kann bewirken, dass Partner und Partnerinnen aus der Vergangenheit wieder in unser Leben treten oder dass wir einer Seele begegnen, die uns aus einem früheren Leben vertraut ist. Ebenso kann sie dazu führen, dass wir eine Liebschaft loslassen oder den Wunsch verspüren, eine bestehende Partnerschaft durch Spiritualität zu vertiefen.
In vielen Fällen sorgt die Verbindung von Venus und Ketu für kopfloses Verhalten in Liebesdingen, was Fehler und Missverständnisse in Beziehungen begünstigt. Deshalb sollten wir eine vergebende Haltung gegenüber Partner und Partnerinnen einnehmen – andernfalls droht unnötige Distanz. Eine konkrete Handlungsanweisung gibt es hier nicht; entscheidend ist, loszulassen und zu erkennen, dass Liebe weder verstanden noch kontrolliert werden kann. Nur so öffnen wir uns für die höhere, göttliche Liebe in uns – eine Liebe ohne Grenzen.
Zwischen leidenschaftlicher Romantik und ernsthafter Beziehung
Um die Wirkung der Sonnenfinsternis zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Nakshatras, in denen sie stattfindet. Wie bereits im Artikel zur Mondfinsternis erwähnt, sind Nakshatras die 27 Abschnitte des Mondes in der vedischen Astrologie. Der Nachthimmel wird dabei in 27 Teile eingeteilt – so viele, wie der Mond Tage benötigt, um den gesamten Tierkreis zu durchlaufen. Jeder dieser Abschnitte besitzt eine spezifische Bedeutung und wird von einer eigenen Gottheit beherrscht. Der Nakshatra, in dem sich ein Planet befindet, zeigt, wie er uns auf mentaler Ebene beeinflusst.
Zum Zeitpunkt der Sonnenfinsternis steht Ketu im Nakshatra Purvaphalguni, während Sonne und Mond im Nakshatra Uttaraphalguni stehen. Diese beiden Nakshatras gehören zusammen – sie symbolisieren den unteren und oberen Teil eines Ehebettes. Schon dieses Bild weist darauf hin, dass es um verschiedene Phasen Phasen in Liebesverhältnissen geht.
Purvaphalguni steht für die anfängliche Romantik, Leidenschaft und Leichtigkeit am Beginn einer Beziehung. Dieser Nakshatra liegt vollständig im Zeichen Löwe. Uttaraphalguni hingegen repräsentiert die Verpflichtung gegenüber dem Partner: Aus der anfänglichen Leidenschaft wird ein Vertrag zwischen zwei Menschen, die sich entscheiden, ihr Leben lang „dasselbe Bett“ zu teilen – sprich: eine Ehe oder feste Partnerschaft. Uttaraphalguni befindet sich im Löwen und geht dann in die Jungfrau über. Daraus ergibt sich die Botschaft, dass eine ernsthafte Beziehung auch die Erwartung mit sich bringt, eigene negative Verhaltensmuster zu überwinden. In der Jungfrau finden wir zudem das Prinzip der Keuschheit oder Brahmacharya, wie es im Yoga genannt wird. Innerhalb einer Ehe bedeutet Brahmacharya jedoch nicht Enthaltsamkeit, sondern vielmehr Treue und Hingabe zum Partner.
Damit zeigt diese Sonnenfinsternis den Übergang von spielerischen, romantischen Erfahrungen hin zu ernsthaften, tiefen Beziehungen. Wir sind aufgefordert, uns bewusst zu machen, welche Anteile in uns selbst noch einer Klärung bedürfen, um langfristig eine stabile Bindung zu ermöglichen. Da Beziehungen immer auch ein Spiegel unseres eigenen Verhaltens sind, gilt es nicht, nur auf die „Shadripus“ (inneren Feinde) des Partners zu zeigen, sondern auch die eigenen Unzulänglichkeiten zu erkennen.
Innere Reinigung sollte so zu einem Prozess der Gemeinsamkeit werden – mit dem Bewusstsein, dass wir alle Verhaltensmuster in uns tragen, die uns noch nicht vollständig losgelassen haben.
Sarvapitri Amavasya – Neumond der Ahnen und Verstorbenen
Die Sonnenfinsternis am 21. September hat nicht nur astrologische Bedeutung, sondern markiert zugleich das Ende der sogenannten Pitru Paksha. Diese Phase findet jedes Jahr im September – bzw. nach dem hinduistischen Kalender im Monat Purvabhadrapada – statt. Sie beginnt am ersten Tag nach dem Vollmond des Monats und endet mit dem darauffolgenden Neumond.
Pitru bedeutet „Vorfahren“ oder „Ahnen“. Im Hinduismus werden sie besonders an Neumonden verehrt. Der Glaube besagt, dass unsere Vorfahren weiterhin im Jenseits existieren und wir durch Opfergaben und Rituale ihren Segen, ihre Weisheit und Führung empfangen können. Paksha bezeichnet dabei die Zeitspanne zwischen Vollmond und Neumond oder umgekehrt.
Die Sonnenfinsternis am 21. September fällt somit auf den Sarvapitri Amavasya – den Neumond, der allen Ahnen und Verstorbenen gewidmet ist. Deshalb besitzt sie eine besonders kraftvolle Bedeutung: Wenn du in dieser Zeit ein Ritual durchführen möchtest, dann widme es bewusst deiner Ahnenlinie und bitte um ihre Unterstützung und Führung.
Spirituelle Praxis
Wie bei einer Mondfinsternis gilt auch im Zusammenhang mit einer Sonnenfinsternis das Zeitfenster von fünf Tagen davor und danach als unvorteilhaft. Während der Sonnenfinsternis sollten wir möglichst vermeiden, viel Zeit im Freien zu verbringen, und uns stattdessen unserer spirituellen Praxis widmen.
Zum Schutz vor negativen Einflüssen empfiehlt die vedische Astrologie die Anrufung Narasimhas. Narasimha ist ein Avatar Vishnus mit dem Kopf eines Löwen und dem Körper eines Menschen. Der Mythos erzählt, dass der unsterbliche Dämon Hiranyakashipu die Welt erobert hatte, bis Vishnu als Narasimha erschien, um ihn zu vernichten. Narasimha gilt als höchste Manifestation des Planeten Mars, der als bester Beschützer unter den Planeten gilt. Indem wir Narasimha anrufen, bitten wir um seinen Schutz vor Unheil. Ein einfaches Mantra, das während der Sonnenfinsternis rezitiert werden kann, lautet:
Aum ksaum namo bhagavate nrsimhaya
Darüber hinaus wird eine Sonnenfinsternis traditionell mit den Gottheiten Shiva und Kali verbunden. Ein Neumond entspricht immer Kalis Energie, da sie die dunkle, schwarze Mutter verkörpert – den Mond ohne Licht. Shiva hingegen symbolisiert die Kraft, das Ego zu transzendieren, und damit das Potenzial zu tiefer spiritueller Transformation.
Da die Sonnenfinsternis in der Jungfrau stattfindet, eignet sich besonders das bekannte Panchakshari-Mantra „Om Namah Shivaya“. Panchakshari bedeutet „fünfsilbig“ und bezieht sich auf die fünf heiligen Silben Na–Ma–Shi–Va–Ya, die mit den fünf Elementen verbunden sind. Mit der Silbe Om umfasst das Mantra insgesamt sechs Silben und eignet sich daher auch zur Auflösung der Shadripus (der „sechs Feinde des Geistes“) und zur inneren Reinigung.
Ein weiteres häufig verwendetes Mantra während Sonnenfinsternissen ist das Mahamrityunjaya-Mantra, das ebenfalls Shiva gewidmet ist.
Damit wird deutlich: Diese Sonnenfinsternis lädt uns zu tiefer psychischer und spiritueller Reinigung ein. Es geht dabei nicht nur um äußeren Reichtum im Sinne von Geld, sondern vor allem um Reichtum im Herzen – Liebe. Zudem wird empfohlen, in dieser Zeit durch Rituale und Opfergaben die Ahnen zu ehren, um ihre Unterstützung und ihren Segen zu erhalten.