Archetypen, die uns durch das Jahr begleiten. Warum die Hexe der Archetyp ist, auf den wir gewartet haben.
Es gibt Worte, die tragen Brandnarben. „Hexe" ist eines davon. Sag es laut, und der Raum verändert sich. Etwas zieht sich zusammen – in den Gesichtern, in den Mägen, irgendwo zwischen Faszination, Abwehr und Belächeln. Kein anderer Begriff der westlichen Kulturgeschichte wurde so gründlich verbrannt und so hartnäckig wieder ausgegraben. Und kein Archetyp ist so dringend nötig wie dieser. Die Walpurgisnacht liegt gerade hinter uns. Jene Nacht, die astronomisch genau zwischen Frühlingstagundnachtgleiche und Sommersonnenwende liegt, eine Zeit zwischen den Zeiten. Was sie geöffnet hat, ist noch nicht geschlossen. Und die Sonnenwende, der hellste Punkt des Jahres, steht unmittelbar bevor.
Ich schreibe das als jemand, der mit dem Mond arbeitet, mit Träumen, mit Pflanzenwissen und mit der tiefen Gewissheit, dass das, was wir „Realität" nennen, nur einer von sehr vielen Schleiern ist. Manche würden sagen, ich arbeite als „Jungian Witch". Was für den einen wie eine Provokation klingt, ist für die andere ein Heimkommen. Beides stimmt. Doch bevor wir die Hexe vom Scheiterhaufen der Geschichte holen, müssen wir dort beginnen, wo sie lebt: im kollektiven Unbewussten. C. G. Jung beschrieb Archetypen als vererbte Strukturen der P