Warum der heutige Yoga seine tantrischen Ursprünge wiederfinden sollte!
In den beiden vorausgegangenen Artikeln (YOGA AKTUELL Nr. 149 und Nr. 146) wurde versucht, die Situation der heutigen Yogaszene zu analysieren (Stichwort Postmoderne) und einen Ausblick auf weitere mögliche Entwicklungen (Stichwort Integraler Yoga) zu geben. Es ist aber auch notwendig, mehr über die Wurzeln und geschichtlichen Entwicklungen zu verstehen, die zu dem geführt haben, was man heute MPY (Modern Postural Yoga) nennt. Hier ist es vor allem wichtig, auch etwas über den Tantrismus zu wissen. Vielen Anhängern des Yoga ist nicht klar, dass sehr viele Techniken, die wir aus dem Yoga kennen (Asana, Pranayama, Bandha, Mudra und Kriya) ursprünglich aus dem Umfeld des non-dualen Tantra stammen, und nicht aus den orthodoxen Philosophiesystemen des Sankhya oder Vedanta. Natürlich gab es viele gegenseitige Beeinflussungen, jedoch gerade den Dualismus des Sankhya haben die meisten tantrischen Schulen nicht übernommen. Tantra hat sich in seiner institutionalisierten Form erst relativ spät entwickelt, zwischen den Jahren 600 und 1000 n. Chr. In dieser Zeit wurden auch grundlegende Aspekte und Techniken der später daraus hervorgehenden Hatha-Yoga-Schulen formuliert. Vieles wurde zwar bereits in den Upanischaden erwähnt, jedoch erst in den tantrischen Traditionen konkret ausformuliert.
In den tantrischen Schriften sind zum Beispiel folgende Konzepte zu finden:
- die Erwähnung von 72.000 Nadis: E