Das dritte Kapitel: die inneren Glieder des achtfachen Pfades und die Siddhis.
Vibhuti-Pada
„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin.“ Und falls beide gerade nicht erreichbar sind, bleibt immer noch der Beipackzettel – eine meist unterschätzte Quelle für das, was man wissen sollte, bevor man ein Medikament freiwillig einnimmt. So ähnlich verhält es sich mit dem dritten Kapitel von Patanjalis Yogasutra, auf das wir in dieser Serie mit Hilfe des Bhashya (Kommentar) von Vyasa einen neuen Blick werfen.
Vibhuti-Pada hat Patanjali dieses Kapitel genannt. Das Sanskritwort vibhuti kann unter anderem Größe und Wohlstand bedeuten, auch Reichtum, Pracht, erfolgreiche Angelegenheit. Es ist auch das Wort für heilige Asche. Patanjali verwendet es mit einer weiteren Bedeutung, nämlich als große Kraft oder übermenschliche Macht.
Gemeint ist die außergewöhnliche Kraft des Geistes, die sich zeigt, wenn ein Mensch durch die Praxis, die im zweiten Kapitel mit Kriya-Yoga und den fünf äußeren Gliedern des achtgliedrigen Pfades beginnt und im dritten Kapitel durch die drei inneren Glieder nach innen geführt wird, einen tiefgreifenden psycho-mentalen Wandel durchlebt hat. Die daraus resultierenden übermenschlichen Fähigkeiten sind die so genannten Siddhis – und, wenn man so will, die Nebenwirkungen, aber auch Risiken einer intensiven Yogapraxis im Sinne Patanjalis.
Denn die Siddhis sind zwar ein Ergebnis der Praxis, aber n