Spirituelle Anschauungen und Praktiken werden oft dazu benutzt, die Auseinandersetzung mit schwierigen Aspekten des Daseins oder der eigenen Persönlichkeit zu vermeiden – doch ein solches Bypassing hat mit spiritueller Reife wenig zu tun.
Wer sich sein Leben mit positiven Affirmationen schönredet und sich mit seinen eigenen Schattenseiten nicht auseinandersetzt, wird nicht sehr weit kommen auf dem spirituellen Weg. Dieser ist nichts für Feiglinge, wohl aber für Menschen, die an tiefer Transformation interessiert sind.
Vor einigen Wochen begegnete mir eine Bekannte aus der Yogawelt. Im Verlauf des Gespräches erzählte ich ihr, dass ich mich über etwas geärgert hatte. Sie schaute mich mit einer Mischung aus Mitleid und Arroganz an und meinte: „Was, du hast noch negative Gefühle wie Ärger und Wut? Das alles habe ich längst hinter mir gelassen!“
Im weiteren Verlauf des Gespräches erzählte mir die gleiche Bekannte, dass sie seit vielen Monaten unter einer starken Entzündung im rechten Arm leidet. Eine Ursache dafür kenne sie nicht. Ich machte mir meine Gedanken: Ist es möglich, dass sich Wut und Ärger auf diese Weise ausdrücken? Erwiesenermaßen führt die Unterdrückung von Gefühlen zu chronischem Stress, der sich körperlich durch Verspannungen, Schlafstörungen oder eine Schwächung des Immunsystems ausdrücken kann.
Als wir auseinandergingen, hing mir die Frau g